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Julie Kagawa: The Forever Song (Blood of Eden 3)

kagawa-unsterblich3-englSeit ihrer Verwandlung zum Vampir stand Allison Sekemoto immer wieder vor der Frage, ob sie nun ein gewissenloses Monster ist oder sich nicht doch einen letzten Rest Menschlichkeit bewahren kann. Bislang hat sie sich immer für die Seite der Menschen entschieden. Doch dann muss sie mit anhören, wie Zeke – der Junge, den sie liebt – von dem wahnsinnigen Meistervampir Sarren gefoltert und ermordet wird.
Allie gibt den Kampf auf und entscheidet sich dafür, ihrem inneren Monster freien Lauf zu lassen. Sie ist fest entschlossen, gemeinsam mit ihrem Schöpfer Kanin und ihrem Blutbruder Jackal den Psychopathen zur Strecke zu bringen. Dieser ist auf dem Weg in die letzte reine Menschenstadt Eden, wo er ein mutiertes Virus freisetzen will, das Menschen ebenso vernichtet wie Vampire.
Doch die Spur, die er auf seiner Reise zum Lake Erie hinterlässt, ist blutig und voller tödlicher Fallen …

„The Forever Song“ ist der Abschlussband von Julie Kagawas „Blood of Eden“ bzw. „Unsterblich“-Trilogie und für mich wieder ein echter Pageturner (Band 1: Tor der Dämmerung; Band 2: Tor der Nacht). Der Roadtrip der drei Vampire Kanin, Jackal und Allie hätte durchaus etwas langweilig werden können, da er sich über knapp 2/3 des Buches hinzieht. Doch durch den beinahe schon konstanten Schlagabtausch zwischen Jackal und Allie fließt zum einen ein humorvolles Element in die Handlung ein. Kagawa gelingt es wunderbar, die bissigen Dialoge von Geschwistern widerzugeben, die einerseits durch ihre Blutsverwandtschaft untrennbar verbunden sind, sich aber andererseits nicht leiden können, weil sie so unterschiedlich sind. Und Kanin kommt die Rolle des leicht genervten Vaters zu, der seine unerzogenen Kinder am liebsten aus dem Auto werfen möchte. Solche Szenen haben mich sehr amüsiert und brachten auch etwas Licht in die ansonsten sehr düstere Handlung. Neben dem verbalen Humor sorgen auch Sarrens blutige Fallen für Unterhaltung. Der Psychopath überfällt auf dem Weg nach Eden alle menschlichen Siedlungen – zum einen, um seine Verfolger auszuhungern, zum anderen, um ihr Fortkommen zu verlangsamen, damit er seine teuflichen Pläne in Eden ungestört umsetzen kann. Ganz zu schweigen davon, dass dies einfach seinem kranken Sinn für Humor entspricht.
Auch als die drei Vampire Eden schließlich erreichen und es zum großen Kampf mit Sarren kommt, behält die Autorin ihr hohes Erzähltempo bei. Sie erweist sich auch hier wieder als großartige Erzählerin. Man glaubt wirklich, mit dabei zu sein, als die drei durch das verlassene Eden schleichen und sich gegen mutierte Verseuchte zur Wehr setzen müssen … Diese Aspekte des Buches haben mir sehr gut gefallen. Besser, als dies z. B. in ihren „Plötzlich Fee“-Romanen der Fall war.
Was mir weniger gefiel (und vermutlich jammere ich hier auf hohem Niveau), war, dass die Charaktere relativ statisch blieben. Achtung, Spoiler! Weiterlesen auf eigene Gefahr! Allie gibt sich nach Zekes vermeintlichem Tod ihrer dunklen Seite hin. Sie übernimmt einige von Jackals Charakterzügen, was diesen begeistert, aber eine Enttäuschung für ihren Schöpfer darstellt. Dennoch kehrt sie schon nach einem „Erziehungsversuch“ von Kanin zu ihrer Menschlichkeit zurück. Als Leser erfährt man zwar, dass ihr inneres Monster sich danach sehnt, freigelassen zu werden, doch wirklich spüren kann man davon nichts. Sie bleibt in dieser Hinsicht relativ statisch.
Ähnlich ist es bei Wirklich, jetzt kommen echte Spoiler! Zeke. Dieser wurde von Sarren nicht getötet, sondern in einen Vampir verwandelt und dazu noch einer Art Gehirnwäsche unterzogen, sodass von dem alten Zeke nichts mehr übrig geblieben ist. Heißt es zumindest. Gemeinsam mit Sarren ist er auf dem Weg nach Eden – und an jedem Blutbad auf dem Weg mit großer Begeisterung beteiligt. Vor allem an der Falle, die unsere drei Retter in Chicago erwartet, wo Zeke als neuer König regiert. Diese bis dato unglaublich angepasste, langmütige Figur hätte wirklich Potenzial gehabt, ein echter Bösewicht zu werden. Doch leider kehrt er schon nach einem heroischen Rettungsversuch von Allie auf die lichte Seite der Macht zurück. Und auch als er gemeinsam mit den drei Vampiren in Eden bei den letzten Überlebenden ankommt, spürt man nichts davon, dass er ein frisch verwandelter Vampir ist, der gerade mit großem Enthusiasmus Dutzende von Menschen vernichtet hat. Er ist wieder der All-American-Boy, ein ausgesprochen zahnloser Tiger. Und am Ende reiten die beiden in den Sonnenuntergang und leben ihr „White Picket Fence“-Leben … Schade.
Mein Favorit auch dieses Buches ist wieder Jackal. Zeke soll vermutlich das Herz der Leserinnen erobern, aber deutlich interessanter war für mich Allies Bruder Jackal, der definitiv zu meinen literarischen Lieblingscharakteren gehört. Er ist schon lange Vampir und hat großen Spaß daran. Und obwohl er immer wieder betont, wie langweilig Kanin und Allie doch (als Vampire) sind, zögert er nicht, sich ihnen auf ihrer Jagd nach Sarren anzuschließen. Er behauptet zwar, dass er dies nur tut, damit sein menschlicher Nahrungsmittelvorrat nicht ausgeht, doch er erweist sich als loyaler Mitstreiter. Und das Schlimme ist: Weder Allie noch Kanin erkennen dies wohlwollend an. Stattdessen bestrafen sie ihn mit Misstrauen (Allie) oder Ignorieren (Kanin). An dieser Stelle tat er mir wirklich leid, denn er ist ja ebenfalls bereit, sein Leben zu opfern, um den Ausbruch des Virus zu verhindern. Und auch hier noch mal ein Appell an Julie Kagawa: Bitte ein Jackal-Spin-off!

„Well, isn’t this fucking hilarious. We saved a bunch of bleating meatsacks, killed a psychopath who is older than dirt, stopped another world-destroying plague … and we still don’t have the cure. God really does hate us after all. Seeing as this is probably my last hurrah, I don’t suppose I could get you two bleeding hearts to massacre a village with me? For old time’s sake.“ (S. 361)

Mein Fazit: Ein würdiger Abschluss einer großartigen dystopischen Trilogie! Mehr davon! Ich habe Kagawas „Talon“-Reihe noch nicht gelesen, frage mich aber, wie sie die „Unsterblich“-Trilogie noch toppen will!

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Julie Kagawa: Unsterblich – Tor der Nacht (Band 2)

kagawa-unsterblich2Die siebzehnjährige Allison Sekemoto lebt in einer Welt, in der die meisten der Menschen, die nach einer schrecklichen Plage noch am Leben sind, von den Vampiren wie Sklaven gehalten werden, im Gegenzug aber relative Sicherheit in befestigten Städten genießen. Nachdem Allie von Verseuchten lebensgefährlich verletzt wurde, hat sie das Rettungsangebot eines Vampirs – Kanin – angenommen und ist ebenfalls zu einem Geschöpf der Nacht geworden.
Doch dann erfährt sie, dass Kanin von seinem Erzfeind Sarren gefangengenommen wurde und gefoltert wird, und macht sich auf die Suche nach ihm. Bald schon muss sie feststellen, dass sie nicht seiner Spur folgt, sondern der ihres Blutsbruders Jackel, dem (ehemaligen) König von Alt-Chicago, der als Kind von Kanin ebenfalls dessen Hilfeersuchen nachkommt. Die beiden schließen einen Waffenstillstand – und Allie findet sich wenig später an dem Ort wieder, der einst ihre Heimat war.
Dort macht sie eine furchtbare Entdeckung: Die Rote Schwindsucht, die den Menschen vor Allies Geburt zum Verhängnis wurde, ist zurückgekehrt. Und diesmal laufen auch die Vampire Gefahr, sich anzustecken. Doch was niemand ahnt: Der Wahnsinnige Sarren, der Kanin gefangen hält, steckt hinter dem Ausbruch des Virus, denn er will die gesamte Welt von Menschen und von Vampiren säubern …

„Unsterblich – Tor der Nacht“ ist Band 2 von Julie Kagawas „Unsterblich-Trilogie“ (Band 1: Tor der Dämmerung, Band 3: Tor der Ewigkeit). Leider kommt es ja bei Trilogien häufig vor, dass nach einem sehr packenden ersten Teil mit Band 2 ein „Füller“ folgt, eine riesige Enttäuschung, und etwas Ähnliches hatte ich aufgrund von einigen negativen Erfahrungen mit anderen Dystopien auch bei der „Unsterblich“-Trilogie befürchtet. Doch es ist beinahe das Gegenteil der Fall: Band 2 gefiel mir fast noch besser als sein Vorgänger. Julie Kagawa zeigt sich auch hier als exzellente Erzählerin, der es schon nach wenigen Seiten gelingt, mich in die Handlung hineinzuziehen – und sie lässt mich durch die gesamte actionreiche Handlung hindurch auch nicht mehr los. Ich bange mit, amüsiere mich über den Schlagabtausch der Protagonisten, folge ihnen in die Unterwelt des Abwassersystems der Vampirstadt, halte die Luft an, als sie von Kannibalen angegriffen werden, hoffe, dass ihnen Kanins Rettung gelingt, bin geschockt, als sich ein Freund als Feind entpuppt, und kann selbst am Ende des Buches nicht verdient aufatmen, da es mit einem fiesen Cliffhanger endet. Gott segne den Erfinder des E-Books! Band 3 befindet sich nämlich wohlweislich schon auf meinem E-Book-Reader!🙂

In meiner Rezension zu Band 1 hatte ich mich bereits zu den Besonderheiten der Serie und zur Welt und den zentralen Charakteren von „Unsterblich“ geäußert, deshalb verzichte ich an dieser Stelle darauf, das noch einmal zu tun.
Die Besonderheit – zumindest für mich – von Band 2 ist Jackal, der ebenfalls von Meistervampir Kanin erschaffen wurde und somit Allies Blutsbruder ist, allerdings schon einige Jahrzehnte älter als das junge Mädchen. In Band 1 trat er als der machtgierige König der Banditen von Alt-Chicago auf, der Allies Mitreisende entführte, um ihrem Anführer Jeb Crosse Informationen über das Virus abzupressen. Crosse war Nachkomme eines Wissenschaftlers, der beim Ausbruch der Seuche an deren Erforschung beteiligt war, und im Besitz eines USB-Sticks, der alle wissenschaftlichen Informationen darüber enthält. Doch Allie und ihrem Menschen-Freund Zeke war es gelungen, den Stick in ihren Besitz zu bekommen, einige der Gefangenen zu befreien und aus Chicago zu flüchten. Nachdem Allie ihre Freunde am Ende von Band 1 in die Sicherheit der letzten reinen Menschenstadt Eden geführt hat, muss sie als Vampir dieses „Paradies“ wieder verlassen und sich von Zeke und den anderen verabschieden. Sie folgt nun schon seit vier Monaten Kanins „vampirischen Hilferufen“ (da er ihr Schöpfer ist, ist sie auf besondere Weise mental mit ihm verbunden) und findet sich schließlich in Washington, D.C., wieder. Dort stößt sie jedoch nicht auf Kanin:

„Hallo, Schwesterchen“, begrüßte mich Jackal. Seine goldenen Augen funkelten im Halbdunkel. „Wurde auch Zeit, dass du endlich auftauchst.“

Die beiden beschließen, sich nicht an die Kehle zu gehen, sondern sich zu verbünden, um ihren Schöpfer zu finden und zu befreien. Allie, weil sie sich Kanin verpflichtet fühlt; Jackal, weil er sich noch immer auf der Suche nach dem Gegenmittel für die Seuche befindet – schließlich will er als Vampir ja nicht, dass sein „Nahrungsmittelvorrat“ ausgeht. Und damit beginnt ein Roadtrip der ganz besonderen Art. Beide hassen sich zutiefst. Zumindest hasst Allie Jackal, da er einige ihrer Freunde getötet hat; Jackal behandelt sie eher mit der amüsierten Überlegenheit eines älteren Bruders, und so ist der konstante Schlagabtausch der beiden unglaublich bissig und humorvoll. Allie wurde bereits in Band 1 als überaus sympathischer Charakter mit hohem Identifikationspotenzial eingeführt, und daran ändert sich auch in Band 2 nichts; ihre Authentizität und Gradlinigkeit verstärken sich weiter. Doch Jackal gleicht dies mühelos aus. Der dystopische Roman hätte aufgrund seines düsteren Settings und der teilweise tragischen Geschichten durchaus schwermütig werden können, aber Jackal lockert die Stimmung durch seine sarkastische Art und seine gelegentlich brutale Rücksichtslosigkeit immer wieder auf. Wenn Kagawa sich entschließen würde, ihm einen Spin-off zu gönnen, würde ich diesen ohne zu zögern kaufen.😉
Noch interessanter wird das Ganze, als ein alter Freund auftaucht … Aber an dieser Stelle möchte ich nicht spoilern …

Mein Fazit: Handy und Fernseher ausschalten, und dann: Lesen! Mit „Unsterblich – Tor der Nacht“ zementiert Julie Kagawa ihre Position als meine aktuelle Lieblingsautorin!

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Julie Kagawa: Unsterblich – Tor der Dämmerung (Band 1)

kagawa-unsterblich1Grenzen, Mauern und Verbote gehören zum Alltag der 17-jährigen Allison, seit sie denken kann. Nach einer Seuche, die Menschen getötet oder in Ungeheuer verwandelt hat, haben sich die meisten Bewohner der Erde zum Schutz in große abgeriegelte Städte zurückgezogen. Regiert werden diese von Vampiren, grausamen Fürsten der Nacht. Diese lassen ihre Gefangenen, die ihnen regelmäßig Blutzoll schulden, dafür aber in relativer Sicherheit leben, für sich schuften. Auch der kleinste Verstoß gegen die Regeln wird geahndet. Und wer nicht bereit ist, das Brandmal der Vampire zu tragen, kämpft ums Überleben. Allison, die sich gegen das Zeichen entschieden hat, lernt schon früh, dass ihr Leben nicht viel wert ist. Gemeinsam mit anderen Kindern muss sie stehlen, um nicht zu sterben.
Als sie vor den Toren der Stadt von Verseuchten angegriffen und schwer verletzt wird, stellt Kanin, ein mysteriöser Vampir, sie vor die Wahl, entweder zu sterben oder ihren Unterdrückern gleich zu werden. Sie entscheidet sich für den Weg der Unsterblichkeit. Doch damit wird sie zum Feind der Menschen … Sie verlässt ihre Heimat und zieht ziellos umher, bis sie sich – ohne sich zu erkennen zu geben – einer kleinen Gruppe anschließt. Diese ist auf der Suche nach Eden, der letzten vampirfreien Stadt …

„Unsterblich – Tor der Dämmerung“ ist Band 1 der „Unsterblich“-Trilogie (Band 2: Tor der Nacht, Band 3: Tor der Ewigkeit) der US-amerikanischen Jugendbuchautorin Julie Kagawa; die Serie entstand nach Kagawas „Plötzlich Fee“-Reihe. Ich hatte sie bereits auf Englisch gelesen, habe mir aber nach Erscheinen der Taschenbuchausgabe der beiden ersten Bände auch diese zugelegt – und war wieder begeistert. Die Autorin entwickelt sich immer mehr zu meiner (zeitgenössischen) Lieblingsschriftstellerin. Nach all den bereits erschienenen (unzähligen!) Vampirroman gehört schon eine Menge Mut und Selbstbewusstsein dazu, dem Ganzen eine weitere Vampirgeschichte an die Seite zu stellen. Und mich hat sie mit ihrer Mischung aus richtig guter Vampirgeschichte und Dystopie wirklich überzeugt. Sie verschont uns dabei vor eindimensionalen sexy Vampiren, die in schwarzer Ledergarderobe herumlaufen und nur auf der Suche sind nach der (menschlichen) Frau fürs Leben. Die Welt der „Unsterblich“-Trilogie ist düster, dreckig, brutal und ausgesprochen bedrückend – hier glitzert nichts (:mrgreen:), hier heißt es „Fressen oder gefressen werden“. Kagawas Vampire sind keine kuschligen Teddybären mit Fangzähnen. Menschen sind für sie nur gesichtslose lebende Blutkonserven (oder „Blutsäcke“, wie Allies Bruder im Blute Jackal gern sagt), denen sie im Austausch für deren Blut ein wenig Sicherheit garantieren. Diese wiederum sind bereit, fürs tägliche Überleben ihre Familie zu verraten. Also eine in jeder Hinsicht ausgesprochen düstere Welt.
Julie Kagawa hat mich aber nicht nur durch die erschaffene Welt überzeugt. Ich schätze auch ihren Erzählstil sehr.  Die Storyline der Geschichte ist sehr gradlinig. Sie erschafft mit wenigen Strichen eine eigene dystopische Welt mit einer gut durchdachten Historie und erklärt auch das Handeln der Figuren sehr glaubwürdig. Es ist ihr auch in diesem Fall gelungen, mich sofort in die actionreiche Geschichte hineinzuziehen – und dann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und als ich die letzte Seite erreicht hatte, war ich froh, dass Band 2 „Tor der Nacht“ bereits in meinem Regal stand, sprich: Das Ganze endet mit einem Cliffhanger.
Heldin der Geschichte ist die 17-jährige Allison Sekemoto, die sich zunächst im sogenannten Saum – den Randbezirken der großen Vampirstadt New Covington – als (hungriger) Mensch durchschlägt und nach ihrer Verwandlung in der großen weiten Welt der ehemaligen USA als Vampir. Sie ist tough, besitzt einen großen Wissensdurst, einen ausgeprägten Überlebenswillen und viel Mitgefühl für ihre Mitmenschen – obwohl sie dies nie zugeben würde. Und die beiden letztgenannten Eigenschaften sind es auch, die den Meistervampir Kanin dazu bewegen, sie nach einem Angriff durch Verseuchte in einem Blutsauer zu verwandeln. Während sie bis dahin „nur“ vor der Frage stand, ob sie die wenigen vorhandenen Lebensmittel mit anderen teilt, muss sie nun entscheiden, ob sie willens ist, für ihr eigenes Überleben andere zu töten – oder zumindest „anzuzapfen“. Diese Frage – Was macht meine Menschlichkeit aus? – begleitet sie durch den gesamten Roman. Obwohl sie immer wieder zögert, anderen zu vertrauen und sich ihnen zu öffnen, sehnt sie sich doch zutiefst genau danach – und leider wird sie auch immer wieder von den Menschen, für die sich aufopfert, vor den Kopf gestoßen. Vor diesem Hintergrund fand ich es sehr interessant, dass sie dennoch nicht aufgibt – weder andere Menschen noch ihr Vertrauen und ihre Hilfe.
Nicht nur Allie steht immer wieder vor einem Scheideweg. Auch Zeke, der im Laufe der Geschichte eine immer größere Rolle spielen wird, ist im Verlauf des Romans gezwungen, seine Überzeugungen zu überdenken. Er reist schon seit Jahren mit seinem Ziehvater Jeb und einer kleinen Gruppe Menschen durch die ehemaligen Vereinigten Staaten, immer auf der Suche nach Eden, der letzten freien Menschenstadt. Viele Freunde hat er schon durch Angriffe von Verseuchten oder Vampire verloren – und deshalb hält er an einer Wahrheit fest, die ihm auch Jeb immer wieder einprügelt: Vampire sind Monster, denen man unter keinen Umständen vertrauen kann. Als Allie zu seiner Gruppe dazustößt und ihren Beitrag zum Überleben der Gruppe leistet, dauert es gar nicht so lange, bis er sich in sie verliebt – auch wenn sie ihn auf Distanz hält. Doch als er dann erfährt, was sie wirklich ist, stürzt sein gesamtes Weltbild in sich zusammen, und er muss nun für sich selbst entscheiden, ob es auch Monster gibt, denen man vertrauen kann. Hier kommt natürlich die in YA-Romanen übliche kleine Liebesgeschichte ins Spiel. Diese wird in den Folgebänden deutlich mehr Raum einnehmen; hier fließt sie ganz dezent in die eigentliche dystopische Handlung ein, worüber ich sehr glücklich war.

Da ich die Trilogie im englischen Original gelesen habe, darf ich an dieser Stelle schon andeuten, dass die weiteren Bände uns sehr viel bissiges Geplänkel zwischen Allie und Jackal, einen stärken Einblick in die Vampirgesellschaft – und noch mehr vampirisches Blutvergießen bescheren wird. Vor allem auf den Humor, der durch Jackal in die Handlung einfließen wird, freue ich mich jetzt schon.

Fazit: Ein toller Start in eine neue Trilogie. Die Amerikanerin Julie Kagawa ist für mich ein absolutes Highlight in der Jugendbuchszene.