Veröffentlicht in Belletristik

Allison Brennan: Leichte Beute

Drei tote Frauen lassen für die Bestsellerautorin Rowan Smith einen Alptraum wahr werden, denn die Opfer dieser Mordserie starben genau so, wie sie es in ihren Romanen beschrieben hat. Rowan ist eine ehemalige FBI-Agentin, die vor vier Jahren ihren Job an den Nagel gehängt hat, als der Mord an einer Familie sie zu sehr an ihre eigene Vergangenheit erinnert hat. Nun sucht sie mit der Polizei nach Hinweisen im Umfeld ihrer ungelösten Fälle. Doch John Flynn, der als Bodyguard zu Rowans Bewachung angeheuert wurde, ahnt, dass sie wichtige Informationen zurückhält, aber Rowan schweigt hartnäckig.

Doch schon bald eskaliert die Situation: Der Killer schickt ihr weiße Lilien und die abgeschnittenen Zöpfe eines Mädchens. Und die Botschaft versteht nur sie allein: Jedes einzelne Opfer musste sterben, weil sie noch am Leben ist … Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – denn der Mörder kommt seiner Beute immer näher und beginnt, auch die Menschen zu bedrohen, die sie liebt.

Auch John beginnt, ohne Rowans Wissen Nachforschungen anzustellen, und erfährt auf diese Weise, dass diese vor etwa 13 Jahren ihren Namen geändert hat. Rowan offenbart ihm schließlich die schreckliche Wahrheit: Im Alter von 10 Jahren musste sie mitansehen, wie ihr Vater ihre Mutter tötete und ihr ältester Bruder Bobby daraufhin auch drei ihrer vier Geschwister umbrachte. Nur ihr Bruder Peter hat außer ihr das Massaker überlebt und lebt heute ebenfalls unter einem anderen Namen als als Priester. Bobby, so hat man ihr gesagt, sei erschossen worden, als er versucht hatte, aus dem Polizeigewahrsam zu fliehen. Ihr Vater vegetiert als „leere Hülle“ in einer Anstalt für Verbrecher vor sich hin und ist nicht ansprechbar.

Doch die Schlinge zieht sich immer enger zu: Der Mörder tötet auch Michael, Johns Bruder, und entführt Tess, dessen Schwester, um sie gegen Rowan auszutauschen …

„Leichte Beute“ ist der erste Roman von Allison Brennan, der auf Deutsch übersetzt wurde (und der erste Band einer Trilogie) – im Zuge des großen Erfolges diverser TV-Serien über spezielle Abteilungen der Polizei (CSI, Criminal Intent etc.) bzw. des großen Erfolges von Krimiautoren wie Kathy Reichs, Tess Gerritsen, Val McDermid und Co. Er lässt sich sehr gut lesen, und wenn man sich einmal in die Handlung hineinbegeben hat, fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen, da es sehr spannend erzählt ist. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit der Hauptperson Rowan Smith „warm“ wurde, und eigentlich mochte ich sie bis zum Ende nicht wirklich, aber diese Figur wird auf eine Art und Weise beschrieben, dass man als Leser ihr Verhalten/ihr Wesen zumindest gut nachvollziehen kann. Erleichtert wird dies übrigens wie immer dadurch, dass unsere Hauptpersonen schöne Menschen sind.

Störend fällt auf, dass einige psychologische Vorgänge/Gedankengänge mehrfach beschrieben werden – und das fast mit identischen Worten, sodass ich an einigen Stellen auch einmal Seiten überblätterte. Das gilt übrigens auch für die [seks]-Szenen. Nichts gegen ein bisschen Romantik, und zumindest die erste entsprechende Szene kontrastierte die gleichzeitig stattfindende Ermordung Michaels – aber die beiden weiteren mussten nicht unbedingt en détail beschrieben werden. Ich fand das Buch auch niemals wirklich creepy – wenn man sich so richtig gruseln möchte, sollte man bspw. eher zu „Das Lied der Sirenen“ von Val McDermid greifen. Auch Brennan schildert einige Ereignisse aus der Sicht des Mörders, doch bleiben diese seltsam kühl und unpersönlich. Darüber hinaus habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie jemand, der etwa 20 Jahre im Gefängnis gesessen hat und erst seit zwei Jahren „frei“ ist, sich plötzlich zu einem perfekten Schützen, Bombenbastler und Organisator entwickeln konnte.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer Roman mit einigen Schwächen, der zumindest etwas neugierig auf die beiden Fortsetzungen macht. Wenn man sich jedoch die Inhalte der beiden anderen Bände durchliest („The Hunt“ und „The Kill“) ist davon auszugehen, dass das Erzählschema das gleiche ist: FBI-Agentin muss sich mit den Schatten ihrer (beruflichen) Vergangenheit auseinandersetzen, bekommt dabei einen anderen Agenten/Polizisten an die Seite gestellt, mit dem sie evtl. bereits eine gemeinsame Geschichte hat, und die beiden entdecken ihre Liebe zueinander – was aber zusätzlich noch dadurch erschwert wird, dass die Agentin etwas vor ihrem Partner verheimlicht.

PS: Gelungenes Cover – aber auch den Titel des Buches finde ich nicht sehr passend. Im englischen Original heißt es „The Prey“, was nicht den Eindruck erweckt, als sei unsere Protagonistin eine „Damsel in Distress“, sondern eher das Objekt der Begierde eines entschlossenen Killers.

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