Veröffentlicht in Belletristik

Antje Babendererde: Libellensommer

Die 15-jährige Jodie ist zutiefst frustriert: Weil ein Indianerstamm gegen die Abholzung der Wälder protestiert, verliert ihr Vater seinen Job in einer Pappfabrik. Die Eltern streiten nur noch und eines Tages kommt der Vater nicht mehr nach Hause. Als die Mutter dann auch noch den Alkohol entdeckt, Jodies Laptop verkauft und ihrer Tochter eine Ohrfeige gibt, beschließt diese, ihren Eltern einen Denkzettel zu verpassen und abzuhauen. Auf dem Weg zu ihrem E-Mail-Freund Tim gerät sie an einen zudringlichen Truckfahrer und flieht bei Nacht in die Wildnis.

Der Zufall will es, dass sie Jay in die Arme läuft, einem 17-jährigen Cree-Indianer, der mit rettenden Medikamenten auf dem Weg in ein einsames Camp ist, wo sich sein schwerverletzter Bruder befindet. Nach einem Zusammenstoß mit einem Bären, bei dem Jay verletzt wird, folgt Jodie ihm in die Wildnis. Schon auf dem Weg verliebt sie sich in ihn, obwohl sie nichts über ihn weiß. Als sie nach einer langen Kanufahrt das Jägercamp schließlich erreichen, muss Jay erfahren, dass er zu spät kommt. Sein Bruder stirbt in seinen Armen.

Jodie versucht, ihm zu helfen, aber Jay ist verschlossen. Da das Jägercamp sich sehr abseits gelegen mitten in der Wildnis befindet, kann Jodie, die sich auf dem Weg eine Knöchelverletzung zugezogen hat, auch nicht alleine in die Zivilisation zurückkehren. Und die anderen Indianer, die ebenfalls im Camp leben und sie alles andere als herzlich empfangen, wollen sie auch gar nicht gehen lassen. Schon bald merkt Jodie, dass irgendetwas im Gange ist, von dem sie nichts wissen soll …

Noch während das Mädchen darüber nachdenkt, ob sie es wohl mit Zigarettenschmugglern oder anderen gefährlichen Verbrechern zu tun hat, kommen sich Jodie und Jay bei ihren Ausflügen in die Natur immer näher …

* * *

Antje Babendererde hat für ihren 2006 erschienenen Roman „Libellensommer“ den DeLiA-Literaturpreis als bester deutschsprachiger Liebesroman 2007 erhalten. Und das ganz zu recht. Natürlich liegt bei einer Indianer-Geschichte immer der Verdacht nahe, dass die amerikanischen Ureinwohner romantisiert und in die „Indianer sind doch die besseren Menschen“-Schublade gesteckt werden, doch die Autorin umschifft diese Klippe, ohne dass ihre Geschichte allzu viel Schaden nimmt. Auch die Geschichte um ein naives Mädchen, das von zu Hause wegläuft und nicht nur die Liebe, sondern in der Natur auch sich selbst findet, könnte in Klischees oder romantischen Kitsch ausarten, doch auch diese Hürde nimmt die Autorin mit Bravour.

Die Geschichte selbst wird einfühlsam und schön erzählt. Vor dem inneren Auge des Lesers entstehen Bilder von Wäldern, dem Leben im Camp und der Natur und der wunderbar beschriebenen Landschaft, und man ist kaum in der Lage, das Buch aus der Hand zu legen. Gemeinsam mit Jodie taucht man in die Kultur der Indianer ein und lernt zusammen mit ihr, diese Welt besser zu verstehen – und auf der anderen Seite lernt man gemeinsam mit Jay Jodies Sicht der Welt der „Bleichgesichter“ kennen, ohne dass diese Welt den „schwarzen Gegenpol“ zu den Ureinwohnern bildet.

Mein Fazit: Das Buch ist wirklich schön – sicher nicht besonders anspruchsvoll, aber einfühlsam erzählt! Unbedingt lesen!

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