Veröffentlicht in Sachtitel

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens

Wer aufgrund des Titels ein Buch über die Liebe zwischen zwei Menschen – einen How-to-Ratgeber – erwartet hat, wird überrascht sein. Dieses Buch ist nicht eines der heutigen leichten, humorvollen Abhandlungen darüber, wie man den Partner fürs Leben findet oder selbst ein Superlover wird. Dieser Klassiker von Erich Fromm ist etwas anderes und viel mehr. Wer dieses Buch zu lesen beginnt, muß sich auf „Arbeit“ gefaßt machen und darauf, daß sein Bild von sich selbst über den Haufen geworfen wird.

Der Autor diskutiert die Liebe in all ihren Aspekten: nicht nur die von falschen Vorstellungen umgebene romantische Liebe, sondern auch die elterliche Liebe, die Liebe zum Nächsten, die Erotik, die Eigenliebe und die Liebe zu Gott. Fromm möchte zeigen, daß die Liebe kein Gefühl ist, dem sich jeder ohne Rücksicht auf den Grad der eigenen Reife nur einfach hinzugeben braucht. Alle Versuche zu leben müssen laut Autor fehlschlagen, sofern der Betreffende nicht aktiv versucht, seine ganze Persönlichkeit zu entwickeln, und exs ihm gelingt, produktiv zu werden. In der Liebe zu einem anderen Menschen kann es keine echte Erfüllung ohne die Liebe zum Nächsten, ohne wahre Demut, ohne Mut, Glaube und Disziplin geben. Fromm eröffnet dem Leser einen ganz neuen Blickwinkel auf die Liebe – weg vom Ich, hin zum Du. Auf eine leicht verständliche Art zeigt er Wahrheiten auf, die man selbst zwar erahnt hat, aber nie wirklich in Worte fassen konnte.

Auf der Grundlage marxistische Thesen geht Fromm davon aus, daß der Mensch sich in der heutigen Zeit von seinem wahren Selbst entfremdet hat und nicht mehr in der Lage ist, sich selbst (auf eine gesunde Art und Weise) zu lieben und somit auch den Anderen nicht mehr wirklich lieben kann. Liebe ist durch das Bild, das uns in den Medien vermittelt wird, verfälscht worden und ebenfalls zu einem Konsumgut mit Tauschwert geworden: Man gibt Liebe und erhofft sich vom anderen die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse. Wenn dies nicht mehr gewährleistet wird, sucht man sich einfach den nächsten Partner.

Auch wenn das Buch bereits aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stammt, hat es heute nichts von seiner Brisanz und seiner Gültigkeit verloren.

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