Veröffentlicht in Belletristik

Gerdi M. Büttner: Blutsfreunde

Schottland 1768: Nach einem folgenschweren Streit mit seinen beiden Stiefbrüdern flieht der junge Daniel Kenneth überstürzt aus der elterlichen Burg. Seine Mutter ist in zweiter Ehe mit dem ehemaligen Geschäftspartner ihres toten Mannes verheiratet, der es – wie sich schon kurz nach der Hochzeit herausstellt – nur auf das Vermögen der Familie Kenneth abgesehen hat. Kurz darauf findet Daniel Aufnahme bei einem kleinen Wanderzirkus. Durch Zufall entdeckt er, daß der Zirkusdirektor – ein ausgesprochen unangenehmer Zeitgenosse – in einem im Wald abgestellten Wagen einen Mann gefangenhält. Daniel befreit diesen und erfährt zu seiner Überraschung, daß er einem Vampir zur Flucht verholfen hat.

Aus dem anfänglichen Mißtrauen wird rasch Freundschaft, und Daniel beschließt, mit Nicolas Krolov – so der Name des Vampirs – zu reisen und die Welt zu entdecken. Nach einigen Jahren kehrt er auf die väterliche Burg zurück, um sein Erbe (er ist nun 21 Jahre) anzutreten. Doch sein Stiefvater und dessen beiden Söhne locken ihn in einen Hinterhalt und wollen ihn zwingen, ihnen das Vermögen zu überschreiben. Nicolas kommt gerade noch rechtzeitig hinzu, um zu verhindern, daß Daniel ermordet wird, und tötet die Angreifer. Daniel behält jedoch eine „Erinnerung“ an die Folterung zurück: einen steifen Arm.

Einige Zeit geht ins Land, und Daniel lernt Sarah kennen, eine Irin, die mit ihrem Vater nach Schottland gekommen ist, um Pferde zu kaufen. Die beiden verlieben sich und heiraten. Ihr Glück ist perfekt, als die beiden einen Sohn bekommen: Alexander. Bei einer weiteren Schwangerschaft erleidet sie jedoch eine Fehlgeburt und stirbt. Daniel ist verzweifelt und wünscht sich nur noch den Tod. Von Sinnen vor Schmerz, flüchtet er aus der Burg, bricht sich jedoch bei einem Reitunfall das Rückgrat. Nicolas kann nun nur noch eines tun, um seinem Freund zu helfen: Er macht ihn ebenfalls zu einem Geschöpf der Nacht, und in den kommenden Jahren reisen beide durch Europa, während Alex bei seinen Großeltern aufwächst.

Als Daniel in Paris jedoch eine junge Frau, die aus Verzweiflung über eine ungewollte Schwangerschaft Selbstmord begehen will, aussaugt, nimmt sein Un-Leben eine dramatische Wende …

„Blutsfreunde“ ist laut Werbetext der erste Band in einer Serie von Vampirromanen und die Schöpfung einer deutschen Autorin (meines Wissens sind jedoch noch keine weiteren Bände erschienen), die das Buch im Eigenverlag veröffentlicht hat. Die Handlung ist spannend, unterhaltsam zu lesen und gradlinig – es gibt keine „Twists and Turns“, wie man sie von Anne Rice oder Laurell. K. Hamilton kennt, was ich einerseits schade finde, aber dafür entschädigt die Autorin andererseits mit einer sympathischen und lebendigen Geschichte. Im Gegensatz zu vielen deutschen Vampirromanen, die ich bislang gelesen habe, ist die Handlung ausgesprochen innovativ. Ein Vampir mit Sohn – das ist definitiv in den Büchern, die ich bislang zum Thema gelesen habe, noch nicht vorgekommen. Die Autorin verzichtet darüber hinaus zugunsten einer guten Story auf die seitenlange Schilderung von blutigen „Gemetzeln“ oder unnötigen Liebesszenen. Was mich ein wenig störte, war die fehlende philosophische Abhandlung des Themas, um das man eigentlich nicht herumkommt. Die Erklärung, daß Vampire nur böse Menschen aussagen, ist jedoch zu konventionell (und der Hinweis, daß ein Vampir im Idealfall pro Nacht einen Menschen aussaugen muß, um wirklich satt zu sein, hat mich darüber nachdenken lassen, was wohl die Nachbar von Nicolas Krolov über den Schwund in ihren Reihen denken …). Darüber hinaus hat sich auch ein logischer Fehler eingeschlichen: Wie der Leser im Verlauf der Handlung immer wieder erfährt, kann Nicolas Krolov die Gedanken seines Gegenübers ohne Schwierigkeit lesen – als er von dem verbrecherischen Zirkusbesitzer jedoch gefangengenommen wird, unternimmt er zuvor augenscheinlich noch nicht einmal den Versuch dazu, obwohl er bereits mißtrauisch ist.

Fazit: Das Buch ist für alle, die wissen wollen, was deutsche Autoren über Vampire zu sagen haben, auf jeden Fall zu empfehlen.

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