Veröffentlicht in Belletristik

Jacqueline Carey: Kushiel – Das Zeichen (Band 1)

Das Land Terre d’Ange ist ein Ort unübertroffener Schönheit und Anmut. Seine Bewohner entstammen der Verbindung von Götern und Menschen und leben nach einer einfachen Regel: Liebe, wie es dir gefällt. Diesem Grundsatz entsprechend werden die Kinder der guten Gesellschaft häufig in den 13 Häusern des sogenannten Nachtpalais ausgebildet, die den verschiedenen Spielarten der (körperlichen) Liebe gewidmet sind. Doch Phèdre, die seit ihrer Geburt mit einem roten Mal im linken Auge gezeichnet ist, wird von ihren Eltern in die Knechtschaft verschachert. Aus dieser wird sie von Anafiel Delaunay freigekauft, einem Edelmann, der als Erster erkennt, dass Phèdre eine Auserwählte ist, getroffen von Kushiels Pfeil und dazu bestimmt, den Schmerz als Vergnüngen zu erfahren. Phèdre wird in seinem Haushalt sowohl in den höfischen Künsten als auch in den Fertigkeiten des Schlafgemachs ausgebildet, vor allem jedoch erlernt sie das scharfe Beobachten, Erinnern und Analysieren. Was sie zu einer ebenso talentierten Spionin wie Kurtisane macht.

Eines Tages stolpert Phèdre am königlichen Hof über eine Verschwörung, welche die Grundfesten ihres Heimatlandes bedroht. Ein Verrat lässt sie die Fährte aufnehmen, Liebe und Ehrgefühl treiben sie weiter – bis an den Rand der Verzweiflung. Gemeinsam mit ihrem Beschützer Joscelin Verreuil von der Cassilinischen Bruderschaft wird sie von den Verrätern in die Sklaverei bei den Skaldi geschickt. Dort gelingt es der Kurtisane dank ihrer Ausbildung herauszufinden, wer hinter der Verschwörung steckt und welches Ziel diese Person verfolgt. Als Phèdre gemeinsam mit Joscelin die Flucht und die Rückkehr nach Terre d’Ange gelingt, muss sie jedoch feststellen, dass sie in ihrer Abwesenheit als Verräterin und Mörderin verurteilt wurde. Wird es ihr gelingen, ihren Ruf (und ihr Leben) sowie ihr Land zu retten?

„Kushiel – Das Zeichen“ ist Band 1 einer Serie um Phèdre nó Delaunay, eine Kurtisane mit besonderen Fähigkeiten. Die Serie selbst ist ein Mix aus Historienroman (etwa spätestens Mitte des 1. Jahrtausends n. Chr. angesiedelt) und Fantasy, die in dem fiktiven Land Terre d’Ange spielt, das in Europa liegt und von Menschen besiedelt wird, die aus der Verbindung von Göttern und Menschen hervorgegangen sind. Beworben wird die Serie als erotische Reihe, doch die erotischen Szenen (in diesem Fall SM-Szenen) werden nur am Rande und auch nur andeutungsweise beschrieben (nicht ansatzweise so detailliert wie Liebesszenen in den sogenannten „Beißer-Romanen“, wo der Inhalt nur ein Vorwand ist für seitenlange Beschriebungen von Bettszenen).

Im Grunde ist „Kushiel – Das Zeichen“ ein sehr gut erzählter, fantasievoller Abenteuerroman, der den Leser von einem Highlight zum nächsten führt. Es geht um Freundschaft und Treue, Loyalität und bedingungslose Hingabe, Opfer und Selbstlosigkeit. Da das Buch in der Ich-Form geschrieben ist, bekommt der Leser von Beginn an einen guten Einblick in die Gedankenwelt der Heldin. Man kann sich sehr gut in Phèdre hineinfühlen, da man ihrer Geschichte bereits vom Kindesalter an folgt und sie Schritt für Schritt auf ihrem Werdegang begleitet. Anfänglich benötigt man ein wenig Durchhaltevermögen, um alle Details dieser Alternativwelt in sich aufzunehmen und ihrer Mythologie und den Gepflogenheiten zu folgen, aber wenn man diese „Aufwärmphase“ überstanden hat und bei den politischen Intrigen angelangt ist, unterhält man sich mit diesem fast 1.000 Seiten starken originellen Schmöker sehr gut. Ich konnte das Buch irgendwann nicht mehr aus der Hand legen, so spannend, actionreich und kreativ ist die Geschichte.

Da die Geschichte in einem fiktiven Land spielt, das jedoch in einem realen Umfeld (Europa) angesiedelt ist, helfen die angefügte Personenübersicht (Wer ist mit wem wie verwandt? Wer gehört zu welchem Haus? Zu welchem Herrschergeschlecht?) sowie die Übersichtskarte in den Innenseiten des Einbandes sehr. Ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen wäre aber vielleicht auch nicht schlecht gewesen. Auf dieser Weise kann man den Spuren der Heldin folgen, wenn ihre Abenteuer sie durch ganz Europa führen.

Einzige Minuspunkte: Auf den ersten 200-300 Seiten heißt es immer wieder „Hätte ich damals schon gewusst, was ich heute weiß …“ Irgendwann wünscht man sich als Leser, vor diesen Kommentaren verschont zu bleiben, da sie einen Teil der Spannung nehmen und zu viel von dem erahnen lassen, was im späteren Verlauf der Handlung geschieht. Darüber hinaus hätte sich die Autorin auch die ständige Erwähnung der unglaublichen Schönheit der Bewohner von Terre d’Ange sparen können – nach der etwa zwanzigsten Erwähnung weiß dies auch der oberflächlichste Leser. 🙂

Fazit: Leseempfehlung!

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2 Kommentare zu „Jacqueline Carey: Kushiel – Das Zeichen (Band 1)

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