Veröffentlicht in Belletristik

Jane Austen: Die Liebe der Anne Elliot oder Überredungskunst

Sir Walter Elliot, der Vater der drei Töchter Mary, Anne und Elizabeth, lebt auf Kellynch Hall in Somersetshire. Eitelkeit und Adelsstolz haben den Witwer den nahenden finanziellen Ruin ignorieren lassen. Als die Familie den Herrensitz verlassen muß, um nach Bath zu ziehen, zieht Anne zu ihrer mütterlichen Freundin Lady Russell, bei der sie Captain Frederick Wentworth wiedersieht. Vor acht Jahren hatte Anne seinen Heiratsantrag abgelehnt, weil ihr Vater und ihre Freundin Lady Russell ihr aus gesellschaftlichen und finanziellen Gründen dazu geraten hatten.

Als sie ihn nun wiedersieht, stellt sie fest, daß sich an ihren Gefühlen für Frederick nichts geändert hat. Doch er läßt sie links liegen und unterhält sich fast ausschließlich mit den unverheirateten Schwägerinnen (Louisa und Henriette Musgrove) ihrer Schwester Mary, so daß alle davon ausgehen, daß er in eine der beiden verliebt ist. Doch Henriette verlobt sich mit einem Cousin. Wenig später fahren Frederick, Louisa, Henriette, Mary und ihr Mann Charles sowie Anne nach Lyme, wo sie einen Freund des Captains besuchen wollen. Dort kommt es zu einem kleinen Unglück, bei dem Louisa verletzt wird und für einige Wochen in Lyme bleiben muß. Aufgrund von Fredericks Verhalten schließt Anne, daß er Louisa liebt – doch dann geschieht das Unerwartete: Louisa verlobt sich mit einem anderen Freund von Frederick, und Anne hat plötzlich wieder allen Grund zur Hoffnung.

Als sie davon erfährt, hält sie sich bereits bei ihrem Vater und ihrer ältesten Schwester Elizabeth in Bath auf, wo sie den Winter verbringt. Dort lernt sie ihren Vetter Mr. William Elliot kennen, einen jungen charmanten Mann, der den Titel und die Besitztümer ihres Vaters erben wird (den Usus, daß die Töchter nicht erbberechtigt sind, kennt man bereits aus „Stolz und Vorurteil“). Dieser macht ihr den Hof, und Anne fühlt sich versucht, seine Gefühle zu erwidern. Dennoch kann sie sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der junge Mann ein falsches Spielt treibt, da er in der Vergangenheit ein eher leichtlebiges Leben geführt hat. Durch eine verarmte, verwitwete Schulkameradin – Mrs. Smith -, die Elliot noch aus der Zeit ihrer Ehe kennt, wird sie in dieser Annahme bestätigt. Dies führt für Anne zum endgültigen Bruch mit Mr. Elliot, was sie jedoch nicht schmerzt, da auch Frederick unterdessen in Bath eingetroffen ist. Und nun finden die beiden Liebenden doch endlich als gereifte Menschen zusammen.

„Die Liebe der Anne Elliot oder Überredungskunst“ (Persuasion) war Jane Austens letzter vollständiger Roman, der 1818 erstmals veröffentlicht wurde, was die Autorin jedoch nicht mehr erlebte, da diese im Juli 1817 nach langer Krankheit verschieden war. Die Kritiker ziehen meist deutliche Parallelen zwischen Anne Elliot – Jane Austens reifster Heldin – und der Autorin selbst, da die literarische Figur viele der Züge trägt, die auch bei der Autorin selbst festzustellen sind bzw. die sie angestrebt hat. So zum Beispiel die Selbsterziehung, bei der man durch gründliche, regelmäßige Selbstreflexion eigene Schwächen und Fehler identifiziert und „ausmerzt“. Oder auch das Bemühen, erst dann ein Urteil über die Mitmenschen zu fällen, wenn man sichere Beweise dafür hat, daß man mit seinem Urteil richtig liegt. „Anne Elliot“ ist darüber hinaus sehr gut geschrieben; die Darstellung der Charaktere ist sehr anschaulich und enthält immer auch eine Portion feinen Humor, der das Lesen zu einem echten Vergnügen macht. Jane Austen beschreibt das Innenleben ihrer Hauptfigur sehr detailliert und anschaulich. Ganz zu schweigen davon, daß Jane Austen auch Eigenschaften schildert, die den Leser zum Nachdenken und Nachahmen einladen.

„Anne Elliot“ ist ein weiterer großartiger Roman der bekannten und beliebten britischen Autorin, wenn ich persönlich ihn auch nicht so sehr schätze wie „Stolz und Vorurteil“, da die Hauptfigur dieses Romans etwas mehr „Esprit“, Witz und Selbstbewußtsein besitzt und weniger etwas von der Vernunft einer Anne Elliot. Auch bleiben in „Anne Elliot“ fast alle Nebenfiguren relativ blaß, wo doch in „Stolz und Vorurteil“ noch viele von ihnen mit sehr viel Humor und Herz dargestellt werden.

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