Veröffentlicht in Belletristik

Kristin Cashore: Die Beschenkte

In den sieben Königreichen werden immer wieder Kinder mit zwei unterschiedlichen Augenfarben geboren – ein Zeichen dafür, dass sie eine besondere Gabe besitzen. In den meisten Gebieten werden diese Menschen „geschnitten“, fürchtet man sich doch vor ihnen, selbst wenn sie nur so harmlose Gaben wie die des Schwimmens oder Singens besitzen. Doch wie fühlt es sich wohl an, mit der Gabe des Tötens beschenkt zu sein und die Aura einer Unbesiegbaren zu verbreiten?

Lady Katsa empfindet es verständlicherweise mehr als Fluch denn als Segen. Zwar vermag sie mit Hilfe ihrer Autorität Gutes zu bewirken, doch es muss stets in aller Heimlichkeit geschehen: Seit dem Tod ihrer Eltern beansprucht nämlich König Randa von Middluns Katsas Fähigkeit für seine niederen Zwecke, obwohl sie die Rolle des furchterregenden Racheengels verabscheut.

Erst ihre Bekanntschaft mit einem anderen Beschenkten gibt Katsa endlich die nötige Kraft, aus Randas „Käfig“ auszubrechen. Anfänglich ist Bo, jüngster Prinz der Lienid und auf der Suche nach seinem Großvater, der Heldin ein Rätsel: Augenscheinlich mit der Gabe des Kämpfens beschenkt, fordert er Katsa nie ernsthaft heraus. Im Gegenteil: Bo hält eher seine zweite Wange hin, statt sie bei einem – wenngleich spielerischen – Gegenangriff zu verletzen.

Aus einer vorsichtigen Annäherung wird, dank Bos unerschütter- lichem Glauben an Katsas weichen Kern, Freundschaft. Gemeinsam spüren sie den Drahtzieher hinter der Entführung von Bos Großvater auf und durchkreuzen die Pläne eines bestialischen Mörders mit einer teuflischen Gabe … Wer, wenn nicht zwei nach Gerechtigkeit strebende Beschenkte, aus deren Freundschaft allmählich Liebe erwächst, könnten seinem entsetzlichen Treiben ein Ende bereiten?

* * *

Kristin Cashores rasanter Debütroman „Die Beschenkte“ ist ein wahres Geschenk – es überzeugt sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Inhaltlich, weil die Fantasy-Geschichte kreativ und frisch daherkommt, obwohl sie ohne die klassischen Charaktere wie Magier oder Oger oder Elfen auskommt. Die Geschichte ist simpel genug, dass ihr Jugendliche (für die sie geschrieben ist) folgen können und an der sie Vergnügen haben, aber komplex und „magisch“ genug, dass auch Erwachsene sie mit Begeisterung lesen. Die Auseinandersetzung mit selbst- und fremdbestimmt leben spricht sowohl Teens als auch Erwachsene an. Sprachlich überzeugt das Buch, weil die Autorin dem Leser die Landschaften der sieben Königreiche und die vielfältigen Charaktere anschaulich vor Augen malt und man immer wieder am eigenen Leib nachempfinden kann, wie es wohl sein muss, bei Schneestürmen bitterkalte Gebirgspässe zu überwinden oder gegen übermächtige Gegner anzutreten.

Die Hauptcharaktere sind auch alles andere als vollkommen und werden gerade durch ihre Fehlerhaftigkeit, durch ihre Launenhaftig- keit sympathisch und alles andere als stereotyp – bieten aber immer noch oder gerade deshalb überaus viel Identifikationspotenzial. Und so wirkt auch die Liebesgeschichte zwischen Katsa und Bo viel interessanter als bspw. die Lovestory zwischen zwei so oberflächlich gezeichneten Figuren wie Edward und Bella (die zwar eine Menge Identifikationspotenzial bieten, aber dennoch relativ langweilig und blass gezeichnet sind).

Einziger Kritikpunkt: Übersetzerin bzw. Lektorin haben sich dazu entschlossen, in zahlreichen Dialoge Figuren andere höher gestellte Persönlichkeiten siezen zu lassen. Das halte ich persönlich für eine eher unglückliche Entscheidung. Eine höfliche „Ihre … Eure …“-Anrede wäre m. E. in solchen Kontexten angemessener gewesen.

Mein Fazit: Das Buch ist wirklich wunderschön und einfühlsam erzählt! Unbedingt lesen!

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