Veröffentlicht in Belletristik

Patricia Cornwell: Ein Fall für Kay Scarpetta

Ein Serienvergewaltiger und -mörder treibt in Richmond, Virginia, sein Unwesen. Drei Frauen wurden bisher brutal ermordet – und es gibt keinen Anhaltspunkt weit und breit, der auf ein Motiv oer irgendeine Gemeinsamkeit im Leben der Opfer hinweist. Dr. Kay Scarpetta, die Leiterin der örtlichen Gerichtsmedizin, und ihre Kollegen arbeiten Tag und Nacht, aber das Einzige, was nach den Obduktionen der Opfer zu finden ist, sind fluoreszierende Partikel an allen drei Körpern. Doch dann dringt ein Unbekannter in das Computersystem der Gerichtsmedizin ein, geheimgehaltene Fakten tauchen in Zeitungsartikeln auf, und wichtige Indizien werden in der Gerichtsmedizin vertauscht …

Kay Scarpetta hat es mit diesem Fall nicht leicht – nicht nur stecken Computertechnik und DNA-Analyse noch in den Kinderschuhen, auch die Tatsache, dass eine Frau Leiterin der Gerichtsmedizin ist, stößt bei einigen Kollegen auf wenig Begeisterung. Vor allem ihr Vorgesetzter möchte die Kriminologin loswerden. Die Situation verschlimmert sich, als zwei weitere Frauen ermordet werden, die Ermittlungen aber nicht vorankommen.

Auch im Privatleben von Kay geht es gerade drunter und drüber: Ihre Schwester hat ihre Tochter Lucy bei Kay „abgesetzt“ – und ist nach Nevada gereist, um (plötzlich und unerwartet) zu heiraten. Und auch Kays Freund scheint nicht der zu sein, für den sie ihn bislang gehalten hat …

„Ein Fall für Kay Scarpetta“ ist der erste Roman in der Serie um die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta und spielt Anfang der 1990er Jahre im US-Bundesstaat Virginia. Die Geschichte ist definitiv gut geschrieben, und man möchte den Roman am liebsten nicht aus der Hand legen – doch leider ist er etwas eindimensional. Etwas zu viel Innenansicht der Ich-Erzählerin und zu wenig Kriminalstory bzw. Beweggründe des Mörders. Lange fiebert man als Leser mit, wer denn nun die Frauen derart brutal ermordet hat. Wie üblich in Krimis legt die Autorin viele falsche Spuren, und lange fragt sich der Leser, ob der Mörder nicht aus den Reihen von Kays Kollegen stammt – doch die Auflösung kommt plötzlich und wird auf nur wenigen Seiten allzu gedrängt abgehandelt. Es hat ganz den Anschein, als habe Patricia Cornwell am Ende doch keinen der eingeführten Ermittler opfern wollen.

Amüsant ist – das sei an dieser Stelle noch angemerkt -, dass der Roman 1990 spielt und auch verfasst wurde. Daher wirken die Untersuchungsmethoden im Zeitalter von CSI und Co. sehr antiquiert. So ist es beispielsweise noch nicht üblich, dass die Daten mit einem PC erfasst werden, Windows ist ebenfalls noch nicht bekannt – und DNA-Analysen dauern offenbar 4 bis 6 Wochen, sind aber vor Gericht noch nicht völlig anerkannt.

Interessant wäre es zu erfahren, ob Cornwell und Kathy Reichs evtl. voneinander „inspiriert“ wurden, sind doch die Parallelen zwischen ihren jeweiligen Heldinnen Kay Scarpetta und Temperance Brennan unübersetzbar: Forensikerinnen, die in ihrem Job gegen die Vorurteile ihrer männlichen Polizei-Kollegen ankämpfen müssen, sind geschieden, haben Affären mit Kollegen und einen allzu stressigen, ungesunden Lebensstil.

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