Veröffentlicht in Belletristik

Paulo Coelho: Elf Minuten

„Es war einmal eine Prostituierte namens Maria …“, mit diesen Worten beginnt ein etwas ungewöhnlicherer Roman von Paulo Coelho. Maria ist eine junge Stoffverkäuferin aus einem brasilianischen Dorf. Ihre ersten unschuldigen Erfahrungen mit der Liebe lassen sie mit gebrochenem Herzen zurück. Die Liebe ist für sie „etwas Schreckliches, das nur Unglück bringt“, und sie ist überzeugt, daß sie nie die große Liebe finden wird. Sie spart monatelang, um sich ihren großen Traum zu erfüllen: eine Reise nach Rio de Janeiro. Dort fühlt sie sich jedoch als Landei nicht besonders wohl und sehr alleine. Das ändert sich, als sie einen Schweizer kennenlernt, der sie unter dem Vorwand, er sei ein Künstleragent, nach Genf lockt. Doch das Leben als Sambatänzerin macht sie nicht glücklich – aber warum sollte sie nicht als Prostituierte in einer Edel-Bar arbeiten – Sex ohne Liebe kommt ihr sowieso recht, und auf diese Weise kann sie sich ihre Rückreise und ein neues Leben in Brasilien ermöglichen. Doch kurz, bevor sie ihr Ziel erreicht hat, lernt sie einen jungen Maler kennen, der ihr Leben und ihre bisherigen Ansichten auf den Kopf stellt, als sie sich wider Willen in ihn verliebt.

In „Elf Minuten“ behandelt Coelho ein schwieriges, umstrittenes Thema: Sex bzw. sexuelle Obsession. Die bisherigen Bücher des Autors haben meist zum Träumen eingeladen, doch mit „Elf Minuten“ kehrt der Autor in die Realität zurück, was an vielen Stellen gewöhnungsbedüftig ist. Befremdlich ist das Weltbild, das er im Roman vermittelt (die Bedeutung und das Wesen der Sexualität), und die Tatsache, daß man kein Fachmann sein muß, um zu wissen, daß die Welt des horizontalen Gewerbes nicht so rein und sauber aussieht, wie bei ihm geschildert. Und das Happy-End ist dann doch ein bißchen zu weichgespült … Aber dennoch gelingt es ihm immer wieder, die oftmals komplexen Erfahrungen und Gefühle des Lesers in so einfache Sätze zu packen, daß man wieder weiß, warum man Coelho so liebt. Alleine schon wegen seines Philosophierens über die Liebe und die Leichtigkeit seiner Erzählweise lohnt sich der Kauf des Buches.

„Wenn wir jemandem begegnen und uns in ihn velieben, haben wir das Gefühl, daß das ganze Universum einverstanden ist […]. Wenn jedoch etwas nicht klappt, wenn etwas schiefläuft, dann ist plötzlich alles dahin, als wäre es nie gewesen […].
Das Leben rast mit uns dahin, und innerhalb von Sekunden gelangen wir vom Himmel in die Hölle.“

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