Veröffentlicht in Belletristik

Alexandre Dumas fils: Die Kameliendame

„Es ist keine Kunst, eine Göttin zur Hexxe, eine Jungfrau zur Hure zu machen; aber zur umgekehrten Operation, Würde zu geben dem Verschmähten, wünschenwert zu machen das Verdorbene, dazu gehört entweder Kunst oder Charakter“, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt, und genau das ist Alexandre Dumas in seiner Tragöde von der „Kameliendame“ auch gelungen. Er schildert in seinem Roman die tragische Geschichte der Kokotte Marguérite Gautier, die im Alter von 20 Jahren eine der erfolgreichsten Konkubinen in Paris ist. Doch dann lernt sie den jungen Armand Duval kennen, der sie seit Jahren aus der Ferne liebt. Und das Undenkbare geschieht: Sie verliebt sich auch in ihn.

Da sie auch gesundheitlich angeschlagen ist (sie leidet an Schwindsucht), willigst sie schließlich ein, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und mit ihm ein neues, bürgerliches Leben zu beginnen. Auch Armand zieht sich von seiner Familie zurück. Doch als sein Vater von der Affäre hört, sucht er ihn auf und macht ihm deutlich, daß er nicht willens ist, sein Geld an die Kokotte zu verschwenden, denn natürlich hat Armand seinen finanziellen Besitz seiner Familie zu verdanken. Doch Armand macht seinem Vater mehrfach deutlich, daß er Marguérite liebt und sie für ihn ihr Leben verändert hat. Scheinbar akzeptiert M. Duval die Argumente seines Sohnes, doch was dieser nicht weiß: Sein Vater hat in seiner Abwesenheit Marguérite aufgesucht, ihr die Konsequenzen von Armands Verhalten vor Augen geführt und an ihre Liebe appelliert.

Daraufhin kehrt Marguérite heimlich nach Paris zurück, nimmt ihr altes Leben wieder auf und wird die Geliebte eines Grafen. Als Armand davon erfährt, schwört er aus Eifersucht Rache. Er nimmt sich eine Konkurrentin zur Geliebten und nimmt zusammen mit dieser jede Gelegenheit wahr, Marguérite zu verletzen. Diese zerbricht schließlich an seinem Verhalten und stirbt an Schwindsucht. Erst durch Briefe, die sie ihm in den letzten Wochen ihres Lebens tagebuchartig geschrieben hat, erfährt Armand die Wahrheit.

„Die Kameliendame“ ist ein oft verfilmter, äußerst erfolgreicher Roman von Alexandre Dumas. Wenn man diese tragische Geschichte liest, spürt man keine Sekunde lang den Staub der Jahrhunderte – sie ist heute noch so faszinierend wie zu Dumas‘ Zeit. Ein großartiges Werk und auch mutig, wenn man bedenkt, in welcher Zeit es geschrieben wurde. Dumas gelingt es, selbst bei Skeptikern und Moralaposteln Sympathie für die Konkubine zu erwecken. Dieser gefühlvollen und opferbereiten, aber gleichzeitig realistischen Frauen steht eine Männergestalt gegenüber, die von ihrer Eifersucht und Unreife regiert wird. Eine ergreifende Liebesgeschichte, die das Zeitkolorit sicher sehr gut wiedergibt, doch frei von jeglicher Sentimentalität.

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