Veröffentlicht in Belletristik

Charlie Huston: Stadt aus Blut

Joe Pitt macht sein eigenes Ding. Und er kommt damit über die Runden. Aber es bringt ihn auch in Schwierigkeiten. In jede Menge Schwierigkeiten. Denn Joe ist irgendwie Kriminaler und Krimineller. Irgendwie. Genauso, wie er irgendwie lebendig ist. Denn Joe ist mit dem Vampyr-Vyrus infiziert, das nach Meinung einiger seiner „Kollegen“ ein Eigenleben führt, ihn aber zumindest dazu zwingt, jeden zweiten Tag einen halben Liter Blut zu trinken, will er ein angenehmes Un-Leben führen.
Darüber hinaus ist Joe eine Art Privatdetektiv, ein Mann fürs Grobe, und lebt in einer Stadt, in der es gar nicht so einfach ist, unabhängig zu sein. Denn genau das versucht Joe. Aber New York ist in verschiedene Gebiete aufgeteilt. Da gibt es neben einigen unwichtigeren Gruppierungen die großen Clans: die Koalition, eine Vereinigung der Reichen und Mächtigen, Sie ist der älteste und größte Clan und versucht, alles dafür zu tun, dass die Menschen nichts von der Existens der Vampyre erfahren. Die Society, eine eher alternative Gruppierung von Idealisten, die mit der Koalition im Clinch liegt, weil sie alles daran setzt, in so großer Zahl an die Öffentlichkeit zu treten, dass man sie weder ignorieren noch einfach vernichten kann. Die Enklave, eine kleine, aber mächtige Sekte, die an das Übernatürliche glaubt. Ihre Mitglieder verzichten auf Blutkonsum, hungern das Vyrus aus und „leben“ immer am Rande der Existenz, auf der Suche nach einem Messias. Und schließlich der Hood, eine Gruppierung von überwiegend Farbigen, die ebenfalls eigene Ziele verfolgt.
Als Joe eines Nachts wieder einmal unterwegs ist, stößt er auf eine Gruppe von Menschen, die mit einem mysteriösen Zombie-Virus infiziert sich und Jagd auf andere Menschen machen. Als Joe die Zombies tötet, bleibt ihm leider nicht genügend Zeit, den „Abfall“ zu beseitigen, und die Polizei bekommt Wind von den Verbrechen. Wenig später findet sich Joe in der Hand von Dexter Predo wieder, des obersten Sicherheitschefes der Koalition. Diese hat Joes Versäumnis geregelt und fordert nun einen Gefallen ein: Joe soll die vermisste Tochter einer reichen New Yorkerin wiederfinden, die seit einiger Zeit verschwunden ist …

Stadt aus Blut“ ist Band 1 der Serie um den vampyrischen „Freelancer“ Joe Pitt (aka Loser-Detektiv und -Schläger), der versucht, im New York nach 09/11 sein Leben zu meistern, ohne irgendwo anzuecken. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn man eher der impulsive Typ ist, der gerne einmal zuschlägt. Wohltuend fällt vor allem auf, dass man es nicht – wieder einmal – mit vampirischer Chick Lit zu tun hat: Pseudo-Story mit charismatischem, vampirischem Protagonist, der wie ein Rockstar durch die Jahrhunderte geht und dessen Weg unzählige gebrochene Herzen pflastern, und das Ganze dann gespickt mit schwülstig beschriebenen und ausgesprochen detailliert geschilderten Liebesszenen.
Dieses Buch ist anders: Vampyre sind einfach nur Menschen, die mit einem Vyrus infiziert sind, und dieses Vyrus benötigt wiederum das Blut von normalen Menschen zum Überleben. Darüber hinaus hat dieser Zustand die üblichen Vor- und Nachteile: Der Vampyr ist schneller und stärker als der normale Homo Sapiens, die traditionellen Gegenmittelchen wie Kruzifixe oder Kirchen funktionieren bei ihm nicht (Feuer, Pflock ins Herz und Köpfen hingegen schon – aber bei welchem menschlichen Wesen würden sie auch nicht funktionieren?!), aber der Infizierte entwickelt die übliche Sonnenallergie. Leider hat er auch keine Reißzähne zum Anzapfen seiner Opfer, sondern muss auf Spritzen und Kanülen zurückgreifen, will er sich frisches Blut verschaffen.
Der Erzählstil dürfte vor allem Lesern gefallen, die eine Schwäche für Film Noir haben, für Detective-Stories, die in einer ausgesprochen lakonischen Ich-Form mit kurzen, knackigen Sätzen verfasst sind. Die Story ist actionreich und hält für den Leser einige sehr gute, unerwartete Twists and Turns bereit. Man weiß im Grunde erst auf der letzten Seite, dass unser „Anti-Held“ eigentlich nur eine Marionette im Spiel größerer Mächte ist.

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