Veröffentlicht in Belletristik

Diana Gabaldon: Ein Hauch von Schnee und Asche (Band 6)

Man schreibt das Jahr 1772, und obwohl der Unabhängigkeitskrieg noch vier Jahre entfernt ist, brennt in der britischen Kolonie Amerika die lange Zündschnur der Rebellion bereits. Der Gouverneur sendet daher einen Boten mit der Bitte um Hilfe zu James Fraser, denn Jamie genießt gleichermaßen den Respekt der Siedler aus den Highlands, der deutschen Einwanderer und der Indianer, die auf der anderen Seite der nahe gelegenen Grenze leben. Und der Gouverneuer braucht jemanden, der die brodelnden Unstimmigkeiten unter den Siedlern beseitigt und auch die Indianer auf die Seite des Königs bringt. Doch Jamie weiß durch seine Frau und seine Tochter, daß in nur wenigen Jahren der König seine Macht über die Kolonien verlieren und die Freiheit siegen wird. Wie wird es ihm gelingen, sich zunächst noch den Anschein der Loyalität zu geben, andererseits aber für die Freiheit zu kämpfen? Und was ist mit der Zeitungsanzeige, aus der hervorgeht, daß das Haus der Frasers im Jahr 1776 in Rauch und Asche aufgehen und die Familie des James Fraser ums Leben kommen wird?
Auch in der Nähe von Fraser’s Ridge, wo Jamie, Claire und Brianna mit ihrer Familie leben, gehen schon bald die ersten Blockhütten in Flammen auf. Kurze Zeit später gerät Claire in die Hände der verantwortlichen Kriminellen, denen es jedoch weniger um die Freiheit als vielmehr um Vergewaltigung, Mord und Erpressung geht. Jamie gelingt es mit Hilfe seines Schwiegersohns Roger und anderer Schotten, die Bande zu stellen – und zu töten. Doch während der Zeit ihrer Gefangenschaft hat Claire etwas Erstaunliches erfahren: Einer der Banditen ist wie sie ein Zeitreisender, der sich gar nicht so weit entfernt durch einen Steinkreis in die Vergangenheit begeben hat, um den Indianern bei ihrem Kampf gegen die Siedler zur Seite zu stehen. Und er ist nicht der einzige.
Auch der Pirat Stephen Bonnet, der glaubt, der Vater von Briannas Sohn Jeremiah zu sein, gibt nicht auf – und als ihm jemand die gefangene Brianna verkauft, sieht er seine Chance bekommen. Doch auch er hat nicht mit der Wut und der Hartnäckigkeit der Schotten gerechnet.

Präzise umschreibt Diana Gabaldon in dem sechsten Band ihrer Highlander-Sage die Stimmung, in dem sich die Kolonien Anfang der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts befinden – kurz vor dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Auch das tägliche Leben der Menschen dieser Zeit schildert sie so, daß es für den Leser glaubwürdig und nachvollziehbar ist. Im Gegensatz zum Vorgängerband, der einige hundert Seiten brauchte, um „in Gang“ zu kommen, gelingt dies bei „Ein Hauch von Schnee und Asche“ sehr schnell. Und dann läßt das Buch den Leser auch nicht mehr los. Wieder müssen Jamie, Claire, Brianna und Co. gefährliche Situationen überstehen und verlustreiche Schlachten schlagen – zweifellos mehr als andere durchschnittliche Familien der damaligen Zeit. 🙂 Hautnah läßt uns die Autorin alle Emotionen miterleben – von Wut und Hass über Trauer und Schmerz bis hin zur Liebe. Um das Buch mit wenigen Worten zu beschreiben: actionreich, emotional, packend, prall, bunt, mitreißend.
Dennoch fiel mir etwas negativ auf: Zusehends stößt Gabaldon mit ihrer ursprünglichen Entscheidung, die Ereignisse und Emotionen aus der Sicht eines Ich-Erzählers (bzw. in diesem Fall aus der Sicht einer Ich-Erzählerin, nämlich Claire) zu schildern, an ihre Grenzen. Claire ist schon lange nicht mehr die einzige, die die Handlung schildert bzw. in deren Emotionen wir Einblick bekommen. Und weil dies vor allem in Band 6 sehr stark auffällt – die Ereignisse/Emotionen werden auch aus der Sicht von Jamie, Roger und Claire geschildert -, kann diese personale Erzählsituation sehr verwirrend sein, weil der Leser sich von Kapitel zu Kapitel, von Abschnitt zu Abschnitt fragen muß, aus welcher Perspektive er denn nun die Ereignisse verfolgt.

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