Veröffentlicht in Belletristik

Gayle Forman: Wenn ich bleibe

Es ist ein Wintertag in Oregon, als Mia, ihre Eltern und ihr kleiner Bruder Teddy zu einem Ausflug ausbrechen. Die junge Frau weiß, dass sie schon bald eine Entscheidung wird treffen müssen: Entweder bleibt sie bei Adam, ihrem Freund und Seelenverwandten, und ihrer Familie, oder sie folgt ihrer anderen großen Liebe, dem Cello und der klassischen Musik, und geht nach New York, um an der Juilliard zu studieren. Aber dann muss sie sich von einer Sekunde auf die nächste einer ganz anderen Entscheidung stellen. Denn eine Sekunde ist genu, um ihr Leben für immer zu verändern. Die Sekunde, in der ein schleudernder Laster auf eisglatter Fahrbahn das Auto mit ihrer Familie trifft.
Und nur sie überlebt.
Während Mia schwerstverletzt im Koma liegt, kann sie sich doch wie eine Art Geist frei im Krankenhaus bewegen. Sie kann sehen, wie Verwandte, Freunde und vor allem Adam verzweifelt darum kämpfen, sie aus dem Koma zurückzuholen. Oder sie doch gehen zu lassen. Mia weiß, dass es allein ihre Entscheidung ist. Zu gehen – und der drängenden Sehnsucht nach ihrer Familie zu folgen. Oder zu bleiben – bei Adam, ihrem Cello, ihrer Musik.
Die schwerste Entscheidung ihres Lebens.

„Wenn ich bleibe“ ist weder ein actionreiches noch ein tiefgründig-philosophisches Buch, aber es hat einen ganz besonderen Charme, dem man sich nicht entziehen kann, wenn man sich darauf einlässt. Die eigentliche Geschichte, die im Grunde nur die Ereignisse eines Tages erzählt, wird aus der Sicht der 17-jährigen Mia erzählt, die als cello-spielende Klassikliebhaberin so ganz anders ist als ihre Eltern, die in ihrer Jugend Punkrocker waren, oder ihr Freund Adam, der in einer Rockband spielt. Während ihr Körper im Koma liegt, kann sich eine körperlose Mia dennoch ganz normal im Krankenhaus fortbewegen, und während sie mit ansieht, wie ihre Angehörigen und ihre Freunde mit den schrecklichen Geschehnissen fertig werden, denkt sie an vergangene Ereignisse zurück: Immer wieder stand sie vor Entscheidungen – Entscheidungen darüber, ob sie an ihrer Liebe zur Klassik festhält, obwohl der Rest ihrer Familie ihre Leidenschaft so gar nicht nachvollziehen kann. Ist sie bereit, ihrer Berufung zu folgen und nach New York zu gehen, oder wird sie an den Beziehungen festhalten? Ist die Entscheidung für einen eigenen Weg vielleicht mit einem Preisschild versehen? Doch nach dem Tod ihrer gesamten Familie steht Mia schließlich vor der größten und wichtigsten Entscheidung überhaupt: „Will ich oder kann ich angesichts der entsetzlichen Realität leben? Und was macht mein Leben jetzt noch lebenswert?“
Der Roman ist trotz der tragischen Elemente zu keinem Zeitpunkt kitschig oder romantisch verklärt, obwohl wir es eher mit einem Jugendroman zu tun haben. Das würde auch gar nicht zu den Geschehnissen passen. Im Gegenteil, der Inhalt – die Geschichte um Leben, aber auch Trauer und Tod – ist so nüchtern und feinfühlig geschrieben wie das Cover selbst. Das Buch ist zu jedem Zeitpunkt voller Hoffnung und Lebenslust, spielt aber die Tragweite von Mias Verlusten zu keiner Zeit herunter. Und obwohl die Autorin nicht auf die Tränendrüse drückt, muss man schon sehr hartherzig sein, um am Ende der Geschichte – wenn Mia ihre Entscheidung fällt – keine Tränen in den Augen hat.
Mein Fazit: Unbedingt lesen! Auch das ideale Geschenkbuch für Menschen, die mit einem Trauerfall fertig werden müssen.

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