Veröffentlicht in Belletristik

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

Wußtet ihr, daß Charlotte Brontë für „Jane Eyre“ eigentlich kein Happy-End vorgesehen hatte? Daß Shakespeare eigentlich nur ein mittelmäßiger Schauspieler in London war, der nebenbei einen kleinen Getreidehandel in Stratford unterhielt (eine Nebeneinnahme, für die er sich aber schämte), aber mit Sicherheit niemals in der Lage gewesen wäre, „Hamlet“ oder andere Klassiker zu verfassen? Nein? Dann solltet ihr einen Blick in das Buch „Der Fall Jane Eyre“ des Walisers Jasper Fforde werfen.
Er schildert in seinem Roman eine alternative Welt, in der England sich seit 130 Jahren im Krieg mit dem zaristischen Rußland befindet (eine Auseinandersetzung um die Krim), in der Wales eine freie Republik ist – und in der Literatur so wichtig ist, daß es eine Spezialeinheit gibt, deren Aufgabe darin besteht, diese vor Fälschern zu schützen. Eine der Agentinnen von SO-27 ist Thursday Next.
Eines Tages tritt eine andere Geheimorganisation mit der Bitte an sie heran, den Oberschurken Acheron Hades zu identifizieren. Dieser war während ihrer Studienzeit einer der Professoren von Thursday, und da er die Fähigkeit besitzt, sich für Filmgeräte unsichtbar zu machen, weiß sonst niemand, wie er aussieht. Thursday willigt ein, doch schon ihr erster Einsatz endet in einer Katastrophe: Als es Acheron gelingt, das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ zu stehlen (und eine Nebenfigur daraus zu entführen), setzt man Thursday und ein Team auf seine Fährte. Es gelingt ihr, Hades zu stellen, dieser flieht jedoch, fügt ihr dabei eine schwere Verletzung zu – und tötet ihr Team. Aber damit nicht genug: Wenig später gelingt es Hades, in einem blutigen Handstreich das Manuskript von Charlotte Brontë „Jane Eyre“ an sich zu bringen – und die Hauptfigur selbst als Geisel zu nehmen.
Thursday gelingt es, heimlich die Grenze zu Wales zu überqueren und dort die Spur von Acheron wieder aufzunehmen. Acheron flüchtet in das Buch „Jane Eyre“ (Thursdays Onkel hat eine Maschine erfunden, mit der dies möglich ist – wie sonst wäre es Acheron gelungen, Jane Eyre selbst zu entführen?!), Thursday heftet sich an seine Fersen, und die beiden setzen ihren Kampf in der fiktiven Welt fort … an deren Ende nicht nur die Vernichtung Acherons steht, sondern auch ein Happy-End für Jane Eyre und ihren Geliebten Rochester.

Als ich im vergangenen Jahr eine Werbeanzeige für dieses Buch in einem dtv-Magazin las, wußte ich, daß ich dieses Buch lesen muß. Und der Verlag hat auch nicht zu viel versprochen. Fforde schildert eine urkomische neue Welt, in der man nichts allzu ernst nehmen sollte, in der man selbst Stereotype neu entdeckt und noch Spaß dabei hat, in der man seiner Liebe zur klassischen Literatur frönen kann, ausgestorbene Tiere geklont und wieder neu gezüchtet werden – und in der es Bücherwürmer gibt, die Präpositionen futtern und dabei Apostrophen und Et-Zeichen von sich geben bzw. Großbuchstaben und Sonderzeichen rülpsen (was man in den Dialogen der Figuren nachlesen kann …). Ich kann gar nicht erwarten zu erfahren, welche Abenteuer Thursday im zweiten Band erlebt.

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2 Kommentare zu „Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre (Thursday Next 1)

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