Veröffentlicht in Belletristik

Jeff Lindsay: Dunkler Dämon

Dexter Morgan arbeitet weiterhin als Spezialist für Blutanalysen bei der Polizei von Miami. Seiner Neigung, brutale Killer höchstpersönlich aus dem Weg zu räumen, darf er im Moment allerdings nicht frönen. Sergeant Doakes, sein misstrauischer Kollege, hat ihn im Visier. Also versucht sich Dexter als solider Familienvater und kümmert sich um seine Freundin Rita und deren zwei Kinder. Doch das Häusliche liegt ihm nicht so, und vor allem kann er den dunklen Passagier, der in ihm schlummert, kaum noch bändigen.
Kurz bevor er vor Langeweile fast durchdreht, wendet sich das Blatt: Ein besonders gefährlicher Serienmörder, der seinen Opfern Stück für Stück alle Glieder amputiert – und leider noch mehr -, macht die Straßen von Miami unsicher. Als aus Washington ein Agent gesandt wird und Dexter auch mit eigenen Nachforschungen beginnt, da er ahnt, dass es eine Verbindung zwischen Doakes und dem Killer gibt, tritt peu à peu die Wahrheit zutage: Doakes, Agent Chutsky und einige andere waren vor einigen Jahren im Auftrag der amerikanischen Regierung in El Salvador und haben dort so einiges getan, was nicht nur die Gesetze, sondern auch die Menschenwürde verletzt. Und der Killer ist einer ihrer alten Kumpane, den sie damals an die Gegenseite ausgeliefert haben …
Zunächst erhält die Polizei von Miami die Order, sich aus diesem Fall herauszuhalten, doch als schließlich auch Chutsky entführt wird, muss sich Dexter mit seinem ärgsten Feind verbünden, um dem Killer auf die Spur zu kommen …

„Dunkler Dämon“ ist die kongeniale Fortsetzung des prämierten Buches „Des Todes dunkler Bruder“. Wieder gibt Jeff Lindsay Einblicke in das Un-Leben des heroischen Serienmörders Dexter Morgan, der jedoch dieses Mal gezwungen ist, relativ brav zu bleiben. Aber der Leser braucht auch keine Beschreibungen von Dexters Taten, genügen doch schon die Beschreibungen der Opfer des zweiten Killers. Leider ist Lindsay in diesem Buch der derzeit in vielen Krimis festzustellenden Unsitte verfallen, möglichst widerliche Verstümmelungen beschreben zu müssen, und so sind die Darstellungen nichts für Zartbesaitete. Dennoch werden aber alle mit einem Schwarzen Humor wieder viel Vergnügen an diesem Roman haben, der sich sehr gut liest (wenn auch sich der Übersetzer einige unschöne Formulierungen erlaubt hat). Allerdings muss man natürlich den schnoddrigen Schreibstil mögen – wenn man sich jedoch darauf einlässt, dass man es hier nicht mit einem auktorialen, sondern einem Ich-Erzähler zu tun hat, der alle Kommentare tatsächlich so niederschreibt, wie er sie denkt … Dexters Blicke nach innen und auf seine Mitmenschen sind auf jeden Fall immer für einen Lacher gut – vor allem die Beschreibung seiner versehentlichen Verlobung oder die Entdeckung des Bieres sorgen immer wieder für Gelächter.
Fazit: Ein Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Deshalb ein Aufruf an den Verlag: Her mit der Fortsetzung!

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