Veröffentlicht in Belletristik

Sergej Lukianenko: Spektrum

Die nicht allzu ferne Zukunft: Auf der Erde werden von Außerirdischen namens „Schließer“ 14 große Tore errichtet, die Teil eines gigantischen Teleportations-netzes sind. Mittels dieser Tore kann man in wenigen Sekunden zu zahllosen, weit in der Galaxie verstreuten Planeten reisen und neue Welten entdecken. Auf einigen dieser Welten trifft man auf humanoidere Außerirdische, auf anderen auf weniger menschenähnliche Wesen; einige Welten sind für die Besiedelung durch den Mensch geeignet, auf anderen kann dieser nur kurze Zeit überleben. Hinzu kommt: Will man durch die Tore reisen, muss man sich die Reise erst durch eine Geschichte „verdienen“, die man dem jeweiligen Schließer erzählt. Doch wenn die Geschichte akzeptiert wird, steht dem Reisenden die gesamte Galaxie offen, und damit er auch gleich mit den jeweils anzutreffenden Außerirdischen kommunizieren kann, wird ihm die universelle Reisenden-Sprache Touristisch „eingepflanzt“.
Der Moskauer Martin Dugin ist ein Privatdetektiv, der sich auf Fälle spezialisiert hat, bei denen eine Person durch ein Tor in eine andere Welt geflohen ist. Aus diesem Grund sucht ihn auch ein russischer Geschäftsmann auf, der seine 17-jährige Tochter Irina vermisst, die ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach durch das Moskauer Tor gereist ist – zum ersten Mal in ihrem Leben und ohne erkennbaren Grund. Martin folgt ihrer Spur auf den Planeten Bibliothek, wo er sie auch einige Stunden später in einer Kolonie von Wissenschaftlern antrifft. Doch bevor er sie überreden kann, mit ihm zurückzukehren, wird sie vor seinen Augen ermordet – vor ihrem Tod gelingt es ihr jedoch, ihm den Hinweis zu geben, dass er auf den Planeten Prärie 2 reisen solle. Als Martin dies tut, erwartet ihn eine große Überraschung – doch schon kurze Zeit später muss er erkennen, dass seine Reise auf dem Western-Planeten nicht zu Ende ist und dass es bei diesem Auftrag um mehr geht als nur um eine von zu Hause weggelaufene Tochter …

Sergej Lukianenko wurde in westlichen Graden erst vor Kurzem durch die Verfilmung seines ersten „Wächter“-Romans bekannt, er ist jedoch seit Jahren bereits der beste SciFi- und Fantastikautor seines Heimatlands. Dass Lukianenko Russe ist, merkt man diesem SciFi-Roman (der auch in den Bereich der Fantastik gehören könnte) deutlich an: Es werden Geschichten, Märchen erzählt, es wird viel und gerne getrunken und gegessen – und wir haben es bei „Spektrum“ nicht mit einem technologieverliebten typischen SciFi-Roman zu tun, sondern mit einem zutiefst philosophischen – rein äußerlich erkennbar bspw. durch die zahlreichen Anspielungen auf Frank Herberts Roman „Der Wüstenplanet“, rein inhaltlich durch die schlichte Tatsache, dass der Antiheld wie Gulliver auf verschiedene Planeten reist und sich mit immer neuen Utopien auseinandersetzen muss. Dabei macht er/macht sich der Autor Gedanken über alle Spektren des Menschseins: die Frage nach Leben und Tod, der Rolle der Religion, der Sinn des Lebens, Intellekt, Evolution …
Darüber hinaus zeichnet der Autor wie schon in seinen „Wächter“-Romanen ein detailgenaues Bild der russischen (Moskauer) Gesellschaft – mit deutlichen kritischen Untertönen, ohne aber den Versuch zu unternehmen, im Rahmen eines Romans in irgendeiner Form mit dieser zu brechen und einen Neuentwurf zu wagen. Auch andere, typisch westliche Gepflogenheiten betrachtet er aus einem ironischen Blickwinkel, was immer wieder für humorvolle Szenen sorgt.
Fans von SciFi werden ihre Freude daran haben, Anspielungen auf bekannte Werke aus dem Bereich SciFi oder auch Fantasy zu entdecken, sei es nun Herberts „Wüstenplanet“, Tolkiens „Der Herr der Ringe“ oder Strugatzkis Roman „Picknick am Wegesrand“.

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