Veröffentlicht in Belletristik

Anne Rice: Fürst der Finsternis (Chronik der Vampire 2)

Der Roman erzählt Lestat de Lioncourts Lebensgeschichte von seiner frühen Jugend bis zu seinem Rockkonzert im San Francisco des Jahres 1985. Lestat wurde in Frankreich geboren, arm und ohne höhere Bildung. Zusammen mit seinem Freund Nicolas flüchtet er aus der verhaßten französischen Provinz ins abenteuerliche Paris, wo Lestat bald schauspielernd auf der Bühne steht und damit die Neugier des alten Vampirs Magnus auf sich zieht, der ihn gefangennimmt und schließlich zum Vampir macht. In eine Sinnkrise stürzt Lestat sein neuer Zustand nicht. Ganz im Gegenteil: Kurzentschlossen macht er auch seine todgeweihte Mutter und den geliebten Freund Nicolas zu Vampiren. Dem Dreiergespann ist bald ein alter Vampirorden unter der Führung von Armand auf den Fersen. Lestat zerstört jedoch den Orden (mehr oder weniger absichtlich) und bietet den Vampiren „sein“ Theater als neues Zuhause an.
Zusammen mit seiner Mutter Gabrielle bereist er daraufhin die Welt. Sie trennen sich in Kairo, wo Lestat auf Marius trifft – einen alten römischen Vampir, der all die Fragen beantworten kann, die Lestat seit seiner Verwandlung quälen. Marius erzählt ihm die Geschichte vom Ursprung aller Vampire; von Jenen Die Bewahrt Werden Müssen, einem Paar ägyptischer Vampire, die mehr als 6.000 Jahre alt sind. Lestats Geschichte endet, als er Marius verläßt, und beginnt wieder mit seinem Aufstieg zum Rockstar am Ende des 20. Jahrhunderts.

Der Roman scheint schnell erzählt, doch merkt man beim Lesen bald, daß die Geschichte auf mehreren Ebenen spielt. Das Buch ist voller altbewährter Lestat-Action, voller Mythologie und ägyptischer Magie. Es ist nicht nur eine wunderbare (und teilweise recht ernüchternde) Beschreibung Frankreichs und seiner Aristokratie im 18. Jahrhundert. Zusammen mit dem Gelehrten Marius reist der Leser noch viel weiter zurück in der Zeit: in die nördlichen Wälder von vor 2.000 Jahren oder sogar ins alte Ägypten, als die Pyramiden noch jung waren. Eine chronologische und geordnete Handlung sollte man also nicht erwarten. Der Roman ähnelt eher einem gigantischen Fresko, bei dem man mal dieses und mal jenes Element genauer betrachtet. Trotzdem verliert man Lestats Spuren nie. Mit der Leichtigkeit eines begnadeten Erzählers führt er den staunenden Leser durch die Handlung, denn er selbst ist der Schlüssel zu diesem Kaleidoskop aus Orten und Geschichten. Schließlich ist Lestat der geborene Held, der Abenteurer auf der Suche nach verloren geglaubten Geheimnissen.
Die Stimmung in „Der Fürst der Finsternis“ ist absichtlich konträr zu „Interview mit dem Vampir“. Wo Louis leise, melancholische Töne wählt, benutzt Lestat das ganze Repertoire eines Erzählers. Der Roman ist voller farbenfroher Metaphern. Es wimmelt von Höllenglocken und dunklen Straßen und sein wilder Garten ist längst sprichwörtlich geworden. Während in „Interview mit dem Vampir“ sowohl die Handlungsorte als auch die Charaktere auf einen kleinen Kreis beschränkt blieben, erreicht „Der Fürst der Finsternis“ geradezu epische Ausmaße. Das Buch bietet ein Panorama verschiedener Orte, Zeichen und Charaktere. Vor allem aber ist es der eigentliche Bginn der „Chronik der Vampire“. „Interview mit dem Vampir“ kann für sich alleine stehen, aber die Fortsetzung macht Appetit auf mehr und immer mehr. Die traumatischen und teilweise klaustrophobischen Szenen aus dem Erstling sind vergessen. „Der Fürst der Finsternis“ zeigt das aufregende Abenteuer eines Vampirdaseins. Man merkt Lestat an, daß ihm gefällt, was er ist und was er tut. Und das färbt auf den Leser.

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