Veröffentlicht in Belletristik

John Scalzi: Androidenträume

Das späte 21. Jahrhundert: Auf ihrem Weg ins All ist die Menschheit einer Reihe von Alien-Völkern begegnet, mit denen sie Handelsbeziehungen aufnimmt und politische Bündnisse schmiedet, um sich ihren Platz in der Großen Konförderation zu sichern. Doch dann kommt es auf einer interstellaren Konferenz zu einem folgenschweren „Vorfall“ aka Mord: Bei Verhandlungsgesprächen über terrestrische Lebensmittel furzt Erden-Diplomat Moeller den Vertreter der außerirdischen Zivilisation der Nidu zu Tode. Er hat sich ein technisches Gerät in den Darm implantieren lassen, mit dessen Hilfe er die beinahe vergessene Duft-Hochsprache der Aliens beherrscht – und so den Vertreter der Handelsdelegation unbemerkt beleidigen kann.
Um einen Krieg mit den Nidu abzuwenden, soll die Erde diesen nun ein Exemplar der Schafrasse „Androidenträume“ übergeben. Diese speziell gezüchtete Schafrasse ist auf Nidu Eigentum einer einzigen Sippe, die damit ihren Herrschaftsanspruch legitimiert, da ein solches Schaf bei der Einsetzung des neuen Nidu-Herrschers aka Fehen geopfert werden muss. Nur sind alle Schafe dieser Rasse auf Nidu gestorben – doch da Erden-Techniker bei der Schöpfung dieser Rasse mitgeholfen haben, gehen die Nidu ganz realistisch davon aus, dass sicher einer von diesen etwas Schaf-DNS abgezweigt hat.
Doch natürlich gibt es Nidu-intern Streitigkeiten, und so werden alle Schafherden der „Androidenträume“ auf der Erde vergiftet. Aber stecken dahinter vielleicht auch die Anhänger der Kirche des Höheren Lammes, die auf das Auftauchen ihres höheren Wesens warten? Oder die Vertreter zweier irdischer Ministerien, die auch jeweils ihre eigenen Ziele verfolgen?
Der Kriegsveteran und geniale Programmierer Harry Creek wird von einem Freund, der für die Regierung arbeitet, damit beauftragt, ein Exemplar der Schafrasse Androidentraum zu finden, um den interstellaren Krieg, in dem die Erde chancenlos wäre, zu verhindern. Doch er findet etwas, das er nun wirklich nicht erwartet hat …

Ein Buch, das damit beginnt, dass ein Erden-Diplomat einen Außerirdischen durch Furzen ermordet – ich kenne keinen halbwegs ernsten SciFi-Roman, in dem es auch nur etwas Ähnliches gibt. Und allein schon aus diesem Grund muss man einfach weiterlesen. Was einen dann erwartet ist eine – manchmal leider etwas verwirrende – Mischung aus SciFi, Krimi, Politthriller, zutiefst humorvoller Satire … und noch vielem mehr. Verwirrend insofern, dass unterschiedliche irdische und außerirdische Parteien unterschiedliche Ziele verfolgen und beteiligte Verschwörer auch so manches Mal Doppelagenten sind. „Androidenträume“ ist sicherlich inhaltlich und hinsichtlich der verwendeten Genres vielfältiger als die Vorgänger der „Krieg der Klone“-Reihe, verlangt dem Leser aber auch mehr ab. Doch wenn er „dran“ bleibt, erwartet ihn sicher die ungewöhnlichste Auflösung einer skurrilen Story, die er sich vorstellen kann.
Die Geschichte ist darüber hinaus sehr gut erzählt, die Charaktere gut beschrieben – wenn es auch offensichtlich ist, dass Scalzi mit der Beschreibung von weiblichen Figuren (davon gibt es eine!) so seine Probleme hat, da er über die „Damsel in Distress“ leider nicht hinauskommt.
Fazit: Empfehlenswert! Auch für Leser geeignet, die mit SciFi gewöhnlich weniger anfangen können.

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