Veröffentlicht in Belletristik

Gesa Schwartz: Grim 01 – Das Siegel des Feuers

Paris: Über dem Treiben der Metropole thronen die steinernen Figuren der Kathedrale von Notre Dame. Niemand unter den Menschen ahnt, dass sie und ihre Artgenossen auf anderen Gebäuden im Schutz der Nacht erwachen, wenn kein sterbliches Auge sie sieht. Denn die Gargoyles fürchten und verachten die Menschen, und es ist ein steinernes Gesetz, dass die Sterblichen niemals von ihrer Existenz erfahren dürfen. Vor Jahren – als sie sich noch deren Existenz bewusst waren – hatten sich die beiden Rassen gegeneinander gewandt, sodass die Gargoyles schließlich einen Zauber des Vergessens woben, damit die Menschen ihre Anwesenheit (und die anderer vermeintlicher mythologischer Wesen) nicht mehr wahrnehmen können.
Der Gargoyle Grim, der bei der OGP – der Obersten Gargoyle Polizei – arbeitet, hat sein Leben der Wahrung dieses Gesetzes gewidmet. Eines Nachts beobachtet er seine alte Mentorin Moira dabei, wie sie sich mit einem jungen Mann namens Jakob trifft und ihm ein rätselhaftes Pergament übergibt. Wütend will Grim Moira zur Rede stellen, muss jedoch hilflos mitansehen, wie sie Selbstmord begeht – jedoch nicht, ohne ihn vorher darum gebeten zu haben, ein Auge auf Jakob zu haben.
Jakobs Schwester Mia ahnt nichts von den fantastischen Wesen um sie herum, bis der Bruder ihr offenbart, dass sie – wie er selbst und auch ihr Vater – über besondere Fähigkeiten verfügt: Sie ist eine Hartidin, eine Seherin des Möglichen, sodass der Zauber des Vergessens keine Macht über sie hat und sie, im Gegenteil, auch bestimmte magische Fähigkeiten besitzt. Als Jakob Mia Ghrogonia, die verborgene Welt der Gargoyles, zeigt, geraten die beiden in große Gefahr: Menschen werden dort gejagt, und als Mia dann auch noch einer Gruppe von Mensch-Gargoyle-Hybriden hilft, die dort als Sklaven gehalten werden, ist die OGP hinter ihr her. Nur mit Grims Hilfe entkommen sie ihren Verfolgern.
Doch nicht nur die Polizei ist hinter den dreien her. Seit einiger Zeit treibt ein mächtiger Serienmörder sein Unwesen in Paris und tötet ein Anderwesen nach dem anderen. Und nun hat er es offenbar auch noch auf Jakob und das mysteriöse Pergament abgesehen. Ehe Mia mehr über ihre eigene Gabe erfahren kann, verschwindet Jakob. Die junge Frau und der Gargoyle Grim müssen sich – zunächst widerstrebend – zusammentun, um hinter das Geheimnis des Pergaments zu kommen. Keiner der beiden ahnt, dass sie sich damit auf eine gefährliche Reise begeben – denn sie sind einer Verschwörung auf der Spur, die nicht nur ihr eigenes Leben bedroht, sondern das Schicksal der ganzen Welt …

„Grim“ ist der erste publizierte Roman von Gesa Schwartz und m. E. auch ein sehr gelungenes Werk – hat die Autorin es doch tatsächlich geschafft, dass ich vom ersten Kapitel an gefesselt war, den fast 800 Seiten starken Roman in anderthalb Tagen gelesen und alles andere zur Seite gelegt habe. Nicht nur, dass das Buch schon rein äußerlich ein echter Hingucker ist, für den man gerne fast 20 Euro ausgibt (wunderschön gestaltetes Cover mit Goldprägung, Mattkaschierung, Lesebändchen und schöner Gestaltung der Kapitelanfänge), auch der Inhalt stimmt.
Die Autorin erschafft faszinierende, bunte, düstere, vielfältige, ungewöhnliche Welten. Doch während z. B. der deutsche Autor Christoph Marzi dies in seinen Romanen um die Uralte Metropole auch tut, hatte ich bei diesem immer das Gefühl, dass er sich in seiner Welt verliert, was dann auf Kosten der Figuren oder der eigentlichen Handlung geht (die mich persönlich nicht wirklich gefesselt hat), schafft Gesa Schwartz hier eine wunderbare Balance. Die Figuren sind „rund“ und in ihrem Handeln glaubwürdig (sofern man dies von Gargoyles, Kobolden und Co. überhaupt sagen kann) und die Geschichte ist vielschichtig, actionreich und packend. Die Autorin hat zwar vermutlich so ziemlich jede literarische Figur der Fantasy in ihren Roman integriert (von Gargoyles, Kobolden und Drachen über Vampire, Werwölfe, Feen bis zu den Figuren aus griechischer und nordischer Mythologie) und auch vor Zeitreisen nicht haltgemacht, aber das tut sie so charmant, dass man sich als Leser nicht überfordert, sondern im Gegenteil sehr gut unterhalten fühlt. Wenn die Autorin sich auf weniger Figuren beschränkt hätte, hätte sie unter Umständen ja noch mehr Stoff für weitere Romane um Grim und Mia gehabt. 🙂
Es gibt jedoch auch Dinge, die mir beim Lesen negativ auffielen: Zum einen ist die verwendete Sprache nicht homogen. Meist klingt sie, als würde die Autorin sich an ein (relativ) erwachsenes Publikum wenden, aber es werden immer einmal Wörter oder witzige Dialoge eingestreut, die ich eher in einem reinen Kinder-/Jugendbuch erwarten würde. Zweitens hätte die Autorin die Beziehung/Interaktion zwischen den beiden Hauptfiguren Mia und Grim etwas besser ausgestalten können. Wie überrascht war ich, als Gesa Schwartz die junge Frau nach gut 500 Seiten zu dem Gargoyle sagen lässt: „Ich glaube … ich habe mich in dich verliebt.“ Okeee, wann ist denn das passiert?!, dachte ich bei mir, da die entsprechenden Andeutungen bis zu diesem Zeitpunkt (und im Grunde gilt das auch für die dann folgenden Kapitel) sehr dezent waren (und bleiben). Drittens wirkt es bei einigen Nebenfiguren – die zugegebenermaßen sehr kreativ eingeführt und liebenswert gestaltet sind – manchmal so, dass sie im Nichts verschwinden, nachdem sie ihren Zweck im Roman erfüllt haben. Was ein wenig schade ist.
Mein Fazit: Unbedingt lesen! Ich mochte die atemberaubende Mischung unterschiedlicher Mythologien, die kreativen Einfälle der Autorin und würde auf jeden Fall zu einer Fortsetzung greifen. Vielleicht nimmt sie sich ja dann ein wenig mehr Zeit für das emotionale Zusammenspiel ihrer beiden Hauptfiguren.

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