Veröffentlicht in Belletristik

J. R. Ward: Dark Lover (Black Dagger #1)

Wrath ist der letzte reinblütige Vampire auf dieser Erde und somit der König der Blutsauger. Doch da er sich aufgrund schrecklicher Ereignisse in der Vergangenheit für unwürdig hält, hat er es sich (nur) zur Aufgabe gemacht, Jagd auf die „Lessoning Society“ zu machen – einen Ordnen von Vampirjägern, die vom Omega (einer mystischen Figur mit unglaublichen Fähigkeiten) mit besonderen Kräften ausgestattet wurden. Wrath ist wiederum der Kopf der Black-Dagger-Bruderschaft, einer Gruppe von durchtrainierten Vampirkriegern, die ihre Spezies vor den Jägern beschützen. Sie besitzen ebenfalls besondere physische und mentale Fähigkeiten, und da sie aufgrund ihrer individuellen Geschichte und ihrer Fähigkeiten besonders aggressiv, selbstsicher und verschlossen sind, haben sie kaum Kontakt zu ihren Artgenossen, geschweige denn zu normalen Menschen.
Als Darius, einer der Brüder, eines Tages von einem Vampirjäger ermordet wird, fühlt sich Wrath verpflichtet, sich um dessen Tochter Beth zu kümmern. Beth selbst weiß nichts über ihre wahre Identität, sondern ist in unterschiedlichen Pflegefamilien aufgewachsen und arbeitet mittlerweile als Reporterin für eine Tageszeitung. Was sie ebenfalls nicht weiß: Als Tochter eines Vampirs wird sie wahrscheinlich etwa im Alter von 25 Jahren eine Verwandlung zu machen und selbst ein Vampir werden. Falls sie bei der Verwandlung nicht stirbt. Wrath, der zurzeit in Darius‘ Haus lebt, holt Beth zu sich, die sich zu dem Vampir sexuell angezogen fühlt, aber natürlich auch mehr über ihren Vater wissen will.
Doch auch den Vampirjägern von der „Lessoning Society“ ist aufgefallen, dass die Black Dagger ungewöhnliches Interesse an einer Menschenfrau zeigen – und so kommen sie nicht nur dem Quartier der Krieger auf die Spur, sondern auch dem Vampirkönig, den sie bislang nur für einen Mythos hielten …

„Dark Lover“ ist der erste Band der Black-Dagger-Reihe der amerikanischen Autorin J. R. Ward, die sich (nicht nur) in Deutschland sehr großer Beliebtheit erfreut. Die Geschichte ist durchaus gut und spannend geschrieben, die Charaktere gut gezeichnet, eine (große) Portion Erotik gibt es auch, und ich war auch durchaus neugierig, wie es weitergeht. Dennoch hat die Autorin sicher jeden einzelnen Punkt der Klischee-Liste des Vampirgenres abgearbeitet, jedes Stereotyp verwendet, das man auch in Romanen von Lara Adrian, Sherrilyn Kenyon oder Christine Feehan (und Co.) findet (wer sich dabei wohl vom wem inspirieren ließ?):

– Vampire sind extremst gutaussehend.
– Vampire sind selbst dann extremst gutaussehend, wenn sie eine auffällige Narbe haben.
– Vampire kleiden sich sehr gut, vorwiegend natürlich in schwarzem Leder.
– Vampire sind „big, evil motherfuckers“.
– Vampire wurden entweder von einem Elternteil abgelehnt, als Sklave verkauft, von den PTB verflucht … was sie wiederum zu diesen big, evil motherfuckers machte.
– Vampire sind nichtsdestotrotz extremst sexy.
– Vampire haben nichtsdestotrotz einen weichen Kern.
– Wenn der Vampir zu einer Bruderschaft gehört, wird nicht nur er die Frau fürs (Un-)Leben finden, sondern auch alle seine Brüder. Zur gleichen Zeit. Auch wenn sie schon Hunderte oder Tausende von Jahren alt sind.
– Wenn ein Vampir auf die Frau trifft, ist die körperliche Anziehung sofort da.
– Wenn ein Vampir auf die Frau trifft, will er zunächst einmal nichts anderes, als sie ins Bett zu kriegen.
– Wenn ein Vampir auf die Frau trifft, dann erfüllt sie ihn, wie dies noch nie zuvor eine Frau getan hat.
– Wenn ein Vampir auf die Frau trifft, dann stellt er nach ca. 200 Buchseiten fest, dass sie seine große Liebe ist und er nicht mehr ohne sie leben kann.
– Wenn ein Vampir auf die Frau trifft, dann wird diese kurz vor Ende des Romans von seinem großen Widersacher entführt, damit er sich auf sein weißes Pferd schwingen und sie unter Einsatz seines (Un-)Lebens retten kann.
– Die Frau ist unglaublich gutaussehend.
– Die Frau ist sich ihrer Schönheit nicht bewusst.
– Die Frau ist zwar angeblich zickig und widerspenstig, aber im Grunde unglaublich verständnisvoll.
– Die Frau scheint zwar zunächst „normal“ zu sein, aber es wird sich im Laufe des Romans herausstellen, dass sie besondere Fähigkeiten besitzt.
– Selbst wenn die Frau tatsächlich „nur“ ein hässliches Entlein ist, wird sie das Herz des bestaussehenden Vampirs einer Gruppe/Bruderschaft erobern, und zwar wegen ihrer „inneren Schönheit“. (Edit nach Band 2)

Darüber hinaus stört in „Dark Lover“ ein wenig, dass sehr häufig auf die Tatsache hingewiesen wird, dass Wrath blind ist: Er hat beispielsweise Probleme, sein Fleisch klein zu schneiden. Im Gegensatz dazu kann er aber offenbar Wurfsterne so werfen, dass gefährliche Vampirjäger gleich beim ersten Treffer ums Leben kommen. Naaaatürlich … Und dass die weibliche Hauptfigur einen ihr völlig Fremden in die Wohnung lässt und die Nacht mit ihm verbringt, kurz nachdem sie fast vergewaltigt wurde … Ja, das ist unter Umständen auch etwas unwahrscheinlich (Ironie-Modus). Und dass man mehr über die körperlichen … Beschaffenheiten der beiden Liebenden erfährt, lasse ich an dieser Stelle einmal unerwähnt.
Fazit: „Dark Lover“ ist das richtige Buch für Hardcore-Vampirroman-Fans, die die Mischung aus Erotik und Spannung/Action lieben. Wer etwas Anspruchsvolleres oder einmal etwas Neues in diesem Genre sucht, sollte lieber nicht zugreifen.

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