Veröffentlicht in Belletristik

Deeanne Gist: Liebe wider Willen

gist-liebe-wider-willenDie 18-jährige Tillie Reese ist das oberste Zimmermädchen im Haushalt von George und Edith Vanderbilt, träumt aber davon, Mrs Vanderbilts Zofe zu werden. Damit würden die Träume ihrer Mutter wahr werden, die diese Position nie erreicht hat. Tillie liebt ihre Arbeit in dem herrschaftlichen Haus und genießt es, von all dem Reichtum und der Pracht umgeben zu sein, gleichgültig, wie hart diese Arbeit auch ist. Und sie ist auch der Erfüllung ihrer Träume ganz nah – bis der gutaussehende Schotte Mackenzie Danver eingestellt wird.
Mack hat beide Eltern verloren und ist gezwungen, seine jüngeren Geschwister bei anderen Familien unterzubringen; seine Schwester Ora Lou muss sogar im örtlichen Waisenhaus leben. Jede Arbeit würde Mack annehmen, um seine Familie zu unterstützen und wieder zusammenzuführen. Die Gelegenheit dazu eröffnet sich ihm, als Mrs Vanderbilt ihn entdeckt und beschließt, ihn einzustellen, weil schon sein Zwillingsbruder Earl als Lakai für sie arbeit – und sich Zwillinge eben besonders gut machen. Obwohl er belesen ist, ist Mack in seinem Herzen immer noch ein Bergbewohner und hasst die Enge seines neuen Lebens und die Tatsache, dass er nicht länger frei ist.
Als Mack und Tillie sich begegnen, ist es bei beiden Liebe auf den ersten Blick, aber als Bedienstete ist es ihnen verboten, Liebschaften zu haben oder gar zu heiraten. Und so steht die junge Frau vor einem Dilemma: Soll sie ihre Träume weiterverfolgen oder erwartet sie vielleicht sogar ein ganz anderes Leben?

Ich glaube, Deeanne Gist kann schreiben, was sie will – ich liebe alle ihre Bücher, und „Maid to Match“ bildet da keine Ausnahme. Gists Bücher zeichnen sich immer durch eine Mischung aus Fiktion und Fakten aus (inwiefern dies der Fall ist, erklärt sie immer am Ende des jeweiligen Buches), und so ist es auch dieses Mal: George und Edith Vanderbilt hat es tatsächlich gegeben, sie haben wirklich 1898 in Paris geheiratet und tatsächlich ein wahres Schloss in der Nähe von Asheville, North Carolina, gebaut, das man heute noch besichtigen kann. Und auch ihr Verhältnis zu ihren Bediensteten war wirklich so, wie es im Buch beschrieben wird: Es gab wirklich Weihnachtsgeschenke für alle Angestellten und ihre Familien, um die sie sich persönlich gekümmert haben; die Räumlichkeiten der Angestellten waren neu möbliert und besaßen Zentralheizung und Elektrizität etc. Und all dies wird von Deeanne Gist so lebensnah geschildert, dass man sich das Leben im Haushalt der Vanderbilts mit all den alltäglichen Aufgaben und den verschiedenartigen Bediensteten gut vorstellen kann.
Die Hauptcharaktere sind ebenfalls sehr gut gezeichnet, und ihr Handeln erscheint durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar (sofern man dies bei einem Roman sagen kann). Im Gegensatz zu vielen der bisherigen Romane haben wir es hier aber nicht mit einer kratzbürstigen, selbstbewussten und ihrer Zeit voraus seienden Heldin zu tun. Tillie ist wohltuend „normal“ – eine junge Frau „wie du und ich“ – und damit die perfekte Identifikationsfigur für die Leserin.
Der Schreibstil der Autorin ist facettenreich und bietet eine schöne Mischung aus Humor und Tiefgang – und auch einen Hauch Erotik. Aber wirklich nur einen Hauch, denn das Gute an Deeanne Gist ist meines Erachtens, dass sie ihre Helden nicht von einer 6szene zur nächsten hetzt und die Handlung nur Alibifunktion hat. Nein, die Autorin macht sich wirklich die Mühe, sich eine gute Geschichte einfallen zu lassen und diese in all ihren Facetten zu schildern.
Wohltuend fällt auf, dass Deeanne Gist in diesem Roman auch soziale Missstände thematisiert, in diesem Fall den Umgang mit Kindern, die für Sloop, den Direktor des örtlichen Waisenhauses, nur „Dinge“ sind (was damals wohl ein durchaus gängiges Bild gewesen sein muss) und eine Möglichkeit darstellen, die eigenen Taschen zu füllen und politische Karriere zu machen. Auch die Beschreibungen des Waisenhauses und der dortigen Zustände erscheinen unglaublich real – obwohl die Autorin schreibt, dass es dieses Waisenhaus nie gegeben hat -, sodass man jede einzelne Spinnwebe, jede kaputte Schieferplatte auf dem Dach vor seinem inneren Auge sehen kann.
Fazit: Obwohl es sich bei „Maid to Match“ strenggenommen um einen christlichen Liebesroman handelt, spielt der christliche Glaube wirklich nur eine kleine Nebenrolle. Er fließt ganz natürlich in die Handlung ein, sodass selbst Leserinnen, die mit solchen Konzepten nichts anfangen können, ihn unbedenklich lesen können, denn darüber hinaus ist er ein wunderbarer historischer Liebesroman. Ein Roman, der, ohne dass der Leser es unbedingt merkt, dazu einlädt, sich selbst Gedanken zu machen über die Träume und Wünsche, die man verfolgt …

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