Veröffentlicht in Belletristik

R. J. Scott: The Heart of Texas

Riley ist der mittlere Sohn des texanischen Ölmagnaten Gerald Hayes und ein Playboy, der scheinbar alles hat: Er besitzt Geld, einen Beruf, den er wirklich liebt, und kann jede Frau haben, die er will. Eines Tages beschließt sein Vater – der Geschäftsführer von Hayes Oil -, die Kontrolle über das Unternehmen weiterzugeben und seine Aktion zwischen seinen drei Kindern Jeff, Riley und Eden aufzuteilen. Da er daran zweifelt, dass Riley reif genug ist für diese Aufgabe, erhält sein Zweitgeborener wie seine Tochter Eden nur 22 % der Aktien, während der Älteste 48 % erhält. Doch Riley hat noch eine Chance, das Ruder herumzureißen und seinem Vater zu beweisen, dass er das Unternehmen wirklich verdient: Er muss aus Liebe heiraten und mindestens ein Jahr lang verheiratet bleiben; dann wird die Aktienverteilung noch einmal geändert.
Da Riley daran zweifelt, dass er seinem Vater wirklich vertrauen kann, beschließt er wütend, das Undenkbare zu tun: Er erpresst Jack Campbell, ihn zu heiraten. Jack ist der Sohn von einem alten Geschäftspartner Geralds. Da dieser Alan Campbell aber über den Tisch gezogen hat, kam es zum Bruch zwischen beiden und Campbells Familie lebt in eher einfachen Verhältnissen. Beth, die jüngste Tochter der Familie, braucht jedoch unbedingt (finanzielle) Hilfe: Sie hat nicht nur einen schweren Herzfehler, sondern ist auch noch schwanger, was ihre Gesundheit zusätzlich bedroht.
Riley schlägt Jack (der homosexuell ist) daher ein Geschäft vor: Er kümmert sich darum, dass Beth die notwendige medizinische Betreuung erhält und wird Jack auch darüber hinaus finanziell unter die Arme greifen, wenn dieser einwilligt, ihn zu heiraten und die Ehe ein Jahr lang aufrechtzuerhalten.
Und Jack willigt ein.
Was Riley nicht ahnen konnte: Das nächste Jahr wird sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Die Campbell-Familie (die nichts von dem Deal mit Jack weiß) heißt ihn nämlich mit offenen Armen willkommen, und der junge Mann findet dort das, was er bislang nie erlebt hat: Wärme und Annahme. Ein richtiges Zuhause.
Und auch Jack ist so ganz anders, als Riley gedacht hat: Er ist eher ruhig, aber ein harter Arbeiter und liebt seine Familie, seine Ranch und vor allem seine Zuchtpferde zutiefst und würde alles für sie tun.
Im Gegensatz dazu erkennt Riley, wie kalt seine eigene Familie doch ist. Sein Vater scheint ihm nicht wirklich Zuneigung entgegenzubringen (und nimmt natürlich die Heirat auch nicht ernst), der älteste Bruder ist ebenfalls ein eiskalter Geschäftsmann, seine Mutter interessiert sich lediglich für Charity-Arbeit und scheint mehr Interesse an ihrem Status als an ihren Kindern zu haben. Nur Rileys Schwester Eden, deren Lebensinhalt Partys und Shopping sind, liebt ihren Bruder sehr.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Riley und Jack fühlen sich zunehmend zueinander hingezogen und das eine Jahr erscheint ihnen plötzlich viel zu kurz.

„The Heart of Texas“ ist eine Geschichte über Macht und Liebe, Täuschung und Verrat … Für ein Buch dieses Genres (M/M) ist es mit ca. 400 Seiten sogar recht umfangreich und dabei doch so gut und packend geschrieben, dass ich es innerhalb eines Tages verschlingen musste. Okay, wenn man näher über den Inhalt nachdenkt, erscheint die Prämisse (die erzwungene Heirat zwischen zwei Männern, die aus verfeindeten Familien stammen) doch recht weit hergeholt, und natürlich erinnert die Story verdächtig an „Giganten“ (mit James Dean und Elisabeth Taylor) sowie an die TV-Serie „Dallas“: Es geht um zwei verfeindete Familien in der Ölindustrie. Da gibt es das eiskalte Familienoberhaupt, der nicht alle seine Kinder gleich liebt und ganz offen Geliebte hat; das Vorzeigeweibchen, das sich mehr für den äußeren Schein interessiert als für ihren Nachwuchs; den ältesten Sohn, der in die Fußstapfen seines Vaters tritt, dabei seine Geliebte und seine Frau (ebenfalls ein Vorzeigeweibchen) auch noch misshandelt; das jüngste Kind, ein Mädchen, das sich nur für Partys und Shopping interessiert, weil es die Zuneigung seiner Eltern vermisst. Und dann gibt es da noch den Playboy, der das Geld der Familie „unters Volk“ bringt, aber im Grunde im tiefsten Inneren ein netter Kerl und harter Arbeiter ist, sich aber von seinen Eltern ungeliebt fühlt. Und irgendwann entdeckt, dass es dafür einen Grund gibt: Er ist nämlich das Ergebnis eines Seitensprunges.
Die Vertreter der „armen“ Familie sind hingegen durchweg harte Arbeiter und bereit, alles zu geben und zu opfern, um den noch übrig gebliebenen Besitz der Familie zu sichern. Außerdem zeichnet sich diese Familie durch ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl aus und alle ihre Mitglieder sind nette Zeitgenossen.
Ja, das alles ist verdächtig stereotyp – WAS SOLL’S?! Die handelnden Personen sind so gut beschrieben, man kann ihre Motivation so gut nachvollziehen, dass man sie einfach gernhaben (oder hassen – je nachdem, welche Familie) muss. Und da Riley von vornherein als dem gleichen Geschlecht nicht ganz abgeneigt beschrieben wird und sein bester Freund Steve auch schwul ist (und ihm von den „Freuden“ gleichgeschlechtlichen 6es erzählt), nimmt man ihm auch die Hinwendung zu Jack ab.
Während die Dynamiken zwischen den Figuren sehr gut ausgeprägt sind, hält sich die Autorin jedoch nicht lange mit weitergehenden Beschreibungen von Landschaft oder Innenleben auf (unsere beiden Helden dürfen lediglich darüber grübeln, dass der jeweilige Ehepartner ja doch ganz anders ist, als man gedacht hat – und darüber hinaus so heiß, dass man einfach mit ihm ins Bett will). Aber da ich das in diesem Genre ehrlich gesagt auch gar nicht erwarte, nehme ich ihr das nicht übel.
Was die für dieses Genre obligatorischen 6szenen angeht: Die gibt es auch. Sie sind so ausführlich und variantenreich beschrieben, dass sie glaubwürdig und, ähm, anregend sind. Aber nicht so detailliert und sprachlich „billig“, dass man sie peinlich berührt überblättern möchte.

Fazit: Als E-Book kann ich diese Story durchaus empfehlen. Sie ist deutlich besser als anderes in diesem Genre.

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