Veröffentlicht in Belletristik

Sharon Page: Der Reiz des Verbotenen

Venetia Hamilton ist jung, schön und unschuldig! Die geheimen, sinnenfrohen Orgien der Londoner Gesellschaft kennt sie nur von den erotischen Bildern, die ihr Vater, der berühmt-berüchtigte Maler Rodesson, malt und an denen sich die gehobene Gesellschaft im Verborgenen ergötzt. Niemand weiß, dass er ihr Vater ist – und der ihrer beiden Schwestern Grace und Maryanne -, da er sich geweigert hat, ihre Mutter zu heiraten und diese unter falschem Namen auf dem Land lebt.
Als Rodesson älter wird und nicht länger malen kann, führt sie sein Werk fort und lebt die Leidenschaften, die sie selbst noch nie erlebt hat, nach denen sie sich aber sehnt, auf ihren Bildern aus. Was sie nicht weiß: Die „Hauptfigur“ auf den Bildern ihres Vaters ist Marcus Wyndam, der Earl of Trent, und durch kleine Änderungen ihrerseits ist dies nun für alle ersichtlich. Daraufhin sucht Marcus Venetia auf, denn er kennt die Wahrheit, auch wenn die junge Frau sie leugnet.
Als Lydia Harcourt, eine in die Jahre gekommene Kurtisane, die nun ein Auskommen braucht, Venetia erpresst, ist jedoch Marcus der Einzige, der ihr helfen kann. Sie hat in Erfahrung gebracht, dass Lydia zum Landsitz von Lord Chartrand gereist ist, der dort ganz besondere Orgien feiert. Und Marcus kann ihr den Zutritt dazu verschaffen.
Da Marcus durch einen Kuss „auf den Geschmack“ gekommen ist, willigt er ein. Auch um sie zu schützen. Doch nach und nach erliegt er den Reizen der jungen Frau, die unschuldig und gleichzeitig ausgesprochen neugierig ist. Und Venetia lernt in den darauffolgenden Tagen einige ganz besondere Lektionen …
Doch gleichzeitig wird offenbar, dass Venetia nicht die Einzige ist, die von Lydia erpresst wird. Auch alle anderen anwesenden Mitglieder der Gesellschaft werden von ihr bedroht. Nun stehen Marcus und Venetia auch vor der Herausforderung, herauszufinden, wer Lydia ermordet hat und auch ihnen nach dem Leben trachtet, als sie in den Besitz der Memoiren dieser Kurtisane kommen.

„Der Reiz des Verbotenen“ ist Band 1 der Trilogie um die Hamilton-Schwestern Venetia, Maryanne und Grace – und einer dieser Romane, nach denen man definitiv eine kalte Dusche braucht. 🙂 Sharon Page schildert unzählige 6uelle Begegnungen zwischen Marcus und Venetia und beschreibt auch die auf dem Landsitz von Chartrant stattfindende Orgie ausgesprochen detailliert. Aber dennoch gelingt es ihr, diese Szenen ansprechend zu schildern, sodass sie nicht billig wirken. Es kam eher selten vor, dass in der deutschen Übersetzung Begriffe verwendet wurden, die platt wirkten. Da die Heldin etwa Dreiviertel des Romans Jungfrau bleibt, ist es erstaunlich, wie viele kreative … Begegnungen die Autorin schildern kann, ohne dass es für den Leser langweilig wird.
Die Geschichte selbst ist erstaunlich gut für einen Roman, in dem es primär um 6 geht. Ich habe mich zumindest auch hinsichtlich des Plots nicht gelangweilt und empfand eine gewisse Spannung, als ich gemeinsam mit den beiden Hauptpersonen auf Mörderjagd gehen konnte.
Hinzu kommt, dass die beiden Hauptfiguren glaubwürdig gezeichnet sind. Venetia ist eine gutaussehende junge Frau, die zwar einerseits völlig unschuldig ist, andererseits aber durch die Werke ihres Vaters (und auch ihre eigenen) mit einer Welt in Verbindung kommt, die den Wertvorstellungen, die ihr ihre Mutter vermittelt hat, so vollkommen widerspricht. Und das weckt eine gewisse Neugier in ihr. Marcus Wyndam wurde von seinem Vater, der ein echter Mistkerl war und von eherlicher Treue wenig hielt, schon als Achtjähriger mit den Werken Rodessons konfrontiert. Dies sorgte dafür, dass er selbst auch ein eher freizügiges Leben führt. Und so ist es verständlich, dass er eine junge Frau, die zwar einerseits seine Wunschträume auslebt, aber sich gleichzeitig ihre Unschuld (auch in übertragenem Sinne) bewahrt, ausgesprochen anziehend findet. Allerdings bescherte die Autorin mir in diesem Kontext auch ein paar stereotype Aussprüche à la „Vergnügen, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte“, auf die ich mittlerweile etwas allergisch reagiere.
Was die Übersetzung selbst betrifft: Ich dachte hin und wieder, dass man das Buch etwas gründlicher hätte lektorieren bzw. Korrektur lesen können, da ich immer wieder über unschöne Formulierungen gestolpert bin. Aber das könnte auch eine Berufskrankheit sein.

Mein Fazit: Von dieser Autorin werde ich definitiv mehr lesen. Auf meinem Reader im stillen Kämmerlein, damit man mich nicht mit roten Ohren und einem Cover erwischt, das zu viel über das Genre verrät. 🙂

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8 Kommentare zu „Sharon Page: Der Reiz des Verbotenen

  1. Ich hab das Buch im Original gelesen und auch für ziemlich klasse befunden. Leider konnten mich alle weiteren Bücher der Autorin nicht wirklich überzeugen, eines davon (»Blutrot«) fand ich sogar echt unterirdisch. Ich hoffe, dir gehts besser! 🙂

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  2. Oh Mist, hab verpasst zu antworten. Suchst du einfach einen guten Erotikroman oder einen historischen Erotikroman? Ich bin ja nicht so der Erotikromanexperte, an Contemporarys fällt mir aber natürlich spontan die Sinners-Serie von Olivia Cunning ein, deren ersten Teil ich gerade gelesen und auf meinem Blog besprochen habe. Historische Erotikromane kann ich dir nicht wirklich empfehlen, da fällt mir spontan z.B. Robin Schone ein, aber die finde ich ziemlich strange.

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