Veröffentlicht in Belletristik

Anthony Horowitz: Das Geheimnis des weißen Bandes.

London im November 1890: Eines Abends erscheint Besuch in der Baker Street 221 b. Mr Carstairs, seines Zeichens Galerist und Kunstsammler, fühlt sich von einem Mann verfolgt und beobachtet, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande zu erkennen glaubt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als dann auch noch bei den Carstairs eingebrochen wird, übernimmt Sherlock Holmes den Fall. Doch schon bald scheint sich der Fall von selbst zu lösen, als der vermeintliche Verbrecher in seinem Hotelzimmer ermordet aufgefunden wird.
Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen … Doch die Spur seines Mörders führt Holmes und Dr. Watson zu einer Verschwörung in den höchsten Kreisen, die alles übersteigt, was sie bislang erlebt haben.

Nach den kongenialen Verfilmungen einiger Geschichten von Arthur Conan Doyle („Sherlock Holmes“, „Sherlock Holmes. Spiel im Schatten“ sowie der BBC-Serie „Sherlock“) erschien 2011 nun auch ein neuer Roman um den genialsten Detektiv aller Zeiten, aus der Feder des internationalen Bestsellerautors Anthony Horowitz. Und das spektakuläre Buch lässt keine Wünsche offen.
Zunächst einmal ein großes Lob an den Insel Verlag in Berlin: Die Buchgestaltung an sich ist schon ein echter Hingucker und hebt sich mehr als wohltuend von den unzähligen mattkaschierten, mit 08/15-Schutzumschlägen versehenen Romanen, die uns überall begegnen. Das Buch hat einen schwarzen Leineinband, während die Schrift in weiß eingedruckt ist; ein weißes Lesebändchen ist natürlich auch dabei – und das rote Vorsatzpapier sorgt dafür, dass das Buch im wahrsten Sinne des Wortes nicht farblos wirkt. Ein haptisches und optisches Vergnügen!
Doch bei „Das Geheimnis des weißen Bandes“ stimmt auch der Inhalt: Die Geschichte ist großartig erzählt und erinnert sowohl was den Erzählstil als auch die Qualität der Handlung und all ihrer Wendungen angeht an die bekannten und weniger bekannten Erzählungen von Arthur Connan Doyle. Es gelingt Horowitz sehr gut, die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts einzufangen, und man fühlt sich gleich in das viktorianische England zurückversetzt: das neblige London mit seinen dunklen Ecken, Opiumhöllen und Straßenkindern, aber auch die Landgute der gehobenen Mittelklasse. Erzählperspektive ist wieder die von Holmes‘ Chronisten Dr. Watson, der – ebenso „planlos“ wie der Leser – den Ereignissen und Erkenntnissen seines Freundes immer ein paar Schritte hinterher ist, aber nichtsdestotrotz gerade dadurch die Figur des berühmten Detektives sehr gut einfängt. Dieser ist so scharfsinnig und überheblich einerseits, lässt aber andererseits auch bekannte Schwächen wie seine Drogensucht durchscheinen.
Die Story zeichnet sich wie üblich nicht (oder nur wenig) durch Action aus, sondern durch Vielschichtigkeit, Wendungen und überraschende Eröffnungen. Es war schön zu sehen, dass ein Autor eben doch nicht – wie in den heutigen Kriminalromanen und Thrillern üblich – die Schrecken in allen ihren Details schildern muss, sondern dass manchmal eben auch Andeutungen genügen, um das Schrecken eines Verbrechens zu schildern. Ich hatte zwar schon etwa nach der Hälfte des Romans eine Ahnung, in welchen Abgrund Horowitz den Leser führen würde, aber dennoch war es spannend zu sehen, wie er dies tun würde.

Fazit: Unbedingte Kaufempfehlung!

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