Veröffentlicht in Belletristik

Kerry Greenwood: Miss Fisher und der Schneekönig

Melbourne in den goldenen zwanziger Jahren. Die attraktive und wohlhabende Miss Phryne Fisher kehrt in ihre Heimat Australien zurück. Sie wurde zwar in einer sehr armen Alkoholikerfamilie groß, doch dann hatte ihr Vater das Glück, dass drei Männer, die zwischen ihm und dem Adelstitel eines Lords standen, vor ihrer Zeit starben. So kam die Familie zu Geld und Ansehen. Doch die intelligente Phryne hat trotz all ihrer Reisen und ihres Luxus nicht vergessen, wie es ist, arm zu sein. Ganz zu schweigen davon, dass sie sich nicht für den angepassten Lebensstil einer jungen Dame ihrer Gesellschaftsschicht begeistern kann.
Als ein befreundetes Ehepaar sie um Hilfe bittet, da es ganz den Anschein hat, als würde ihre Tochter Lydia, die mit einem australischen Kaufmann verheiratet ist, von ihrem Mann vergiftet werden, packt Phryne die Koffer und reist nach Australien. Und schon bald findet sie sich nicht nur in einem, sondern gleich in zwei Kriminalfällen wieder: Die Taxifahrer Cec und Bert, die sie während ihres Aufenthalts kennengelernt hat, eilen einer jungen Frau zu Hilfe, die einem „Engelmacher“ zum Opfer gefallen ist, der schon mehrere Frauen auf dem Gewissen hat. Gemeinsam mit Dot, ihrem neuen Dienstmädchen, macht sich Phryne auf die Suche nach dem „Schlächter George“, hinter dem auch die Polizei schon lange her ist. Und dabei dringt sie in Stadtteile Melbournes vor, in die sich eine Dame eigentlich nicht wagt.
Aber auch bei ihren Nachforschungen wegen Lydia stößt Phryne unerwartet auf die Spur des sogenannten Schneekönigs, den Oberhaupts des australischen Opium-Imports … Und es zeigt sich, dass Phryne trotz all ihrer Cleverness und ihrer Abenteuerlust auf die Hilfe ihrer neuen Freunde angewiesen ist, will sie den Aufenthalt in Australien überleben.
Der erste Fall von Miss Phryne Fisher, die zwar eine Lady, aber wahrlich nicht zartbesaitet ist. Mit Raffinesse und Nonchalance versteht sie es, die schwierigsten Fälle zu lösen.

„Miss Fisher und der Schneekönig“ ist der Auftakt einer Reihe um die australische Hobbydetektivin Phryne Fisher, die in den zwanziger Jahren in Melbourne spielen und gerade vom australischen Fernsehen (mehr als) kongenial verfilmt wurden. Und schon der erste Roman macht richtig Spaß! Der Krimi locker und spannend zugleich verfasst, er ist unterhaltsam und originell – und nimmt sich nicht so ernst. Kerry Greenwood vermittelt sehr viel Zeitkolorit, und es gelingt ihr, Elend und Luxus zugleich einzufangen. Männer finden vielleicht die detaillierten Beschreibungen von Phrynes Kleidung langweilig, aber als Frau muss ich sagen, dass es sehr viel Vergnügen gemacht hat, diese zu lesen und mir vorzustellen, wie die jungen Frauen in den zwanziger Jahren ausgesehen haben. Aber auch das Elend der Bediensteten und das Unglück, dass mit Opiumsucht einhergeht, wird sehr anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Natürlich ist „Miss Fisher und der Schneekönig“ keine tiefgreifende Milieustudie, aber man bekommt als Leser zumindest eine Ahnung, wie das Leben am Rand der Gesellschaft aussieht.
Hin und wieder hätte ich mir gewünscht, dass der Kriminalfall (bzw. die Kriminalfälle) etwas stärker im Mittelpunkt der Beschreibungen stehen, aber nichtsdestotrotz sind die Fälle ungewöhnlich genug, dass ich am Ball geblieben bin. Kaufempfehlung!

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