Veröffentlicht in Belletristik

Y. S. Lee: Eine fast perfekte Tarnung (Meisterspionin Mary Quinn #2)

London, 1859: Als Mary sich als Junge verkleidet, um auf der Baustelle von Big Ben zu ermitteln, kommen die schrecklichen Erinnerungen an ihre Kindheit wieder hoch. Damals hatte sie sich – ebenfalls in Jungenkleidern – als Straßenkind und Diebin durchs Leben schlagen müssen. Und jetzt muss sie mit den anderen Bauarbeitern schuften und im Pub zechen, um an Informationen zu kommen, wer hinter dem Tod des Maurers Wick stecken könnte. Ein gefährliches Unterfangen, denn mehr als einmal droht ihre Tarnung aufzufliegen.
Und dann taucht auch noch der attraktive James Easton auf der Baustelle auf. James war ein gutes Jahr in Indien, musste jedoch nach England zurückkehren, da er an Malaria erkrankt und noch sehr schwach ist. Von Mr Harkness, dem Bauleiter, bekommt er ebenfalls den Auftrag, die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen auf der Baustelle zu untersuchen, um herauszufinden, ob Harkness irgendeine Schuld an dem Vorfall trägt. Wie überrascht ist James, als Harkness ihm einen vermeintlichen 12-jährigen Arbeiter an die Seite stellt und er unter all den Jungenkleidern Mary erkennt.
Die beiden beschließen, gemeinsam dem Unfall des Maurers nachzugehen. Un die Liste der Verdächtigten ist lang: Sie finden nicht nur heraus, dass Wicks Ehefrau in einen seiner Kollegen verliebt war. Und dass Wick und der Maurer Keehan Baumaterialien gestohlen haben. Aber auch Harkness selbst hätte allen Grund gehabt, den jähzornigen Maurer umzubringen, hat dieser ihn doch erpresst.
Während ihrer Untersuchungen kommen Mary und James sich erneut näher. Doch ist der junge Mann auch bereit, über Marys Vergangenheit hinwegzusehen, wenn sie ihm die Wahrheit gesteht?

„Eine fast perfekte Tarnung“ ist der zweite Band der historischen Krimi-Trilogie um die junge Mary Quinn (Band 1: „Ein verhängnisvoller Auftrag“, Band 3: „Skandal im Königshaus“). Und wieder gelingt es der Autorin, einen wunderbaren Krimi für Teens zu verfassen, den man mit den Adjektiven „locker geschrieben“, „abwechslungsreich“, „spannend“ und „facettenreich“ beschreiben kann. Darüber hinaus beleuchtet die Autorin treffend das Milieu der Handwerker im 19. Jahrhundert, die am Bau von Big Ben beteiligt waren. Mit all dem damit verbundenen Elend: Kinderarbeit und -misshandlung, Alkoholismus, fehlende Verhütung und das Elend vielköpfiger Familien – und der Hass auf alles, was anders ist.
Es gefiel mir auch sehr gut, dass sich zwischen der nun ein Jahr älteren Mary und James Easton erneut eine Geschichte entspinnt. Die beiden haben in dem einen Jahr etwas erlebt, gelernt – und hätten nun die Chance, ihre Beziehung zu vertiefen. Doch ausnahmsweise ist es auch in einem Roman nicht ganz so einfach, denn die beiden müssen erkennen, dass es gar nicht so einfach ist, sich über Vorurteile, bisherige Entscheidungen und die Meinung der „anderen“ hinwegzusetzen. Jeder trägt ein Päckchen mit sich herum, das er einfach nicht ablegen kann.
Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die Romane über Mary Quinn wirklich nur für Teens gedacht sind. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass die Liebesgeschichte primär romantisch und das Verbrechen alles andere als blutrünstig beschrieben wird. Das sähe sicher in einem Krimi für Erwachsene anders aus. Aber dies verleiht der Trilogie auch ihren Charme und genau das hat mich auch motiviert, Band 3 der Reihe gleich mitzubestellen.

Leseempfehlung!

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3 Kommentare zu „Y. S. Lee: Eine fast perfekte Tarnung (Meisterspionin Mary Quinn #2)

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