Veröffentlicht in Belletristik

Beth Revis: Godspeed – Die Reise beginnt

Die 17-jährige Amy ist einer der eingefrorenen Passagiere an Bord des Raumschiffs „Godspeed“. Sie hat alles zurückgelassen – ihren Freund, ihre beste Freundin, ihr komplettes bisheriges Leben -, um mit ihren Eltern am Projekt Arche teilzunehmen. Amy und ihre Eltern sollen am Ende ihrer Reise zu einem neuen Planeten – der Zentauri-Erde – wieder erweckt werden. 300 Jahre in der Zukunft.
Aber 50 Jahre vor der geplanten Landung wird Amys Kühlkasten mysteriöserweise abgeschaltet, und sie wird gewaltsam zurück ins Leben gerissen. Hat jemand versucht, Amy umzubringen?
Von nun an ist Amy in einer Welt gefangen, die ihr vollkommen fremd ist: Alle Passagiere der „Godspeed“ ähneln sich in ihrem Äußeren, leben stumpf vor sich hin und folgen gehormsam dem tyrannischen und Furcht einflößenden Anführer Der Älteste. Alle – bis auf den jungen rebellischen Junior, der vom ersten Moment an von Amy fasziniert ist. Irgendwie fühlt sich Amy zu Junior hingezogen. Aber kann sie einem Jungen vertrauen, dem sein Leben lang der Blick hinter die kalten Metallwände der „Godspeed“ verborgen blieb? Amy weiß nur, dass ihr und Junior nicht mehr viel Zeit bleibt, den schrecklichen Geheimnissen der „Godspeed“ auf die Spur zu kommen, denn der Älteste tut alles, um die anderen gegen sie aufzubringen.

„Godspeed – Die Reise beginnt“ ist der erste Band einer Dystopie für Teens der Amerikanerin Beth Revis. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft: Die Zustände auf der Erde werden zunehmend schlechter, die USA stecken zum wiederholten Male in einer schrecklichen ökonomischen Krise. Da beschließt man, ein Raumschiff zu einem etwa 300 Jahre entfernten Planeten zu schicken, von dem man zwar nicht weiß, wie dort die Bedingungen genau sind, aber man weiß, dass Menschen dort überleben können. Einige Hundert Menschen, die für den Aufbau einer neuen Zivilisation in unterschiedlicher Hinsicht von Nutzen sein könnten, werden daher eingefroren und auf eine lange Reise geschickt. 250 Jahre später hat sich vieles auf dem Schiff verändert. Da es – angeblich – vor einigen Generationen zu einer schrecklichen Seuche kam, ist das Leben auf der „Godspeed“ in allen Lebensbereichen reglementiert: Damit es nicht zu Unruhen kommt, hat man dafür gesorgt, dass sich die Menschen, die das Schiff am Laufen halten, äußerlich angleichen, der Zugang zu Wissen und Bildung ist stark eingeschränkt, die Fortpflanzung wird in Zyklen gesteuert – und niemand wird älter als etwa 60 Jahre. Doch die Bevölkerung scheint zufrieden; niemand kommt auf die Idee, sich gegen die Verhältnisse aufzulehnen.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Junior, der zukünftige Anführer, beginnt, Fragen zu stellen, kommt Geheimnissen auf die Spur – und findet ein Kühllager mit Sarg-ähnlichen Behältern, in denen Menschen eingefroren sind. Darunter ein faszinierend rothaariges Mädchen. Und jemand beginnt, einige dieser Behälter von der Stromversorgung abzuziehen und die Menschen zu töten. Die rothaarige Amy überlebt jedoch, und als sie mit der ihr fremden Welt Bekanntschaft macht, beginnt sich, die Zustände zu hinterfragen und Lügen aufzudecken. Doch der Älteste ist nicht bereit, die Herrschaft über das Schiff so schnell aus der Hand zu geben … Das sind nur einige der spannenden Elemente des ausgesprochen facettenreichen Debütromans der amerikanischen Schriftstellerin. Und das, was ich hier noch nicht preisgebe, ist ausgesprochen kreativ. Und schockierend.
Die Handlung ist also actionreich und spannend – und wird abwechselnd aus zwei Perspektiven geschildert, wodurch sie gerade an Geschwindigkeit gewinnt: aus der von Amy und der von Junior. Jeweils im Präsens, was ich gewöhnlich etwas befremdlich finde, doch zu diesem Roman passt diese Zeitform sehr gut. Obwohl die Hauptfiguren Teenager sind, verschont uns Revis vor einer schmalzigen Love Story. Amy und Junior haben zwar ein gewisses romantisches Interesse aneinander, doch wesentlich wichtiger ist für Amy die Entdeckung der neuen Zivilisation auf dem Schiff und der Schutz ihrer Eltern. Junior geht es ähnlich: Er findet das rothaarige Mädchen, das so ganz anders aussieht als alle anderen auf dem Schiff und nicht alles stumpf hinnimmt, zwar ausgesprochen faszinierend, aber dringlicher interessieren ihn doch die Geheimnisse des Ältesten, der ihn zwar einerseits als Nachfolger heranzieht, ihm aber offensichtlich doch wesentliche Dinge verschweigt.
Zwei Kritikpunkte hätte ich allerdings: Der Älteste wirkte streckenweise von den Ereignissen recht gelangweilt. Warum regt er sich nicht darüber auf, dass jemand die Eingefrorenen auftaut bzw. dass er einfach nicht herausfinden kann, wer hinter den Ereignissen steckt? Bedeutet ihm doch die Machterhaltung und die „Ruhe“ in der Bevölkerung alles. Und zweitens fehlt den (Haupt-)Charakteren etwas Tiefgang. Dass Amy rothaarig und sehr blass ist, hatte ich spätestens nach der zweiten Erwähnung verstanden, aber eine Erfahrung wie die, die sie macht, muss doch mehr in ihr auslösen als den Drang zu laufen?
Und vielleicht noch ein dritter Kritikpunkt: Ich wünschte, die Autoren würden endlich aufhören, Trilogien zu verfassen, die im Abstand von einem Jahr erscheinen. Sicher kann man diese Geschichten auch komprimiert in zwei Bänden erzählen. Würde vielen Serien wirklich guttun.
Mein Fazit: Ich werde auf jeden Fall weiterlesen, denn der Cliffhanger macht definitiv neugierig. 🙂

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2 Kommentare zu „Beth Revis: Godspeed – Die Reise beginnt

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