Veröffentlicht in Belletristik

Josephine Angelini: Göttlich verloren („Göttlich“-Trilogie #2)

[Achtung: Hierbei handelt es sich um den zweiten Band einer Trilogie. Der folgende Text könnte also Spoiler enthalten!]

Die 17-jährige Helen muss die Hölle gleich zweifach durchstehen. Als einzige Halbgöttin, die in die Unterwelt hinabsteigen kann, ist sie dazu verdammt, eine fast unmögliche Aufgabe zu bewältigen: Nachts schlägt sie sich durch den Hades und versucht, den erbitterten Rachefeldzug der Furien zu beenden, der wie ein Fluch auf allen Halbgöttern lastet. Aber noch schlimmer quält sie bei Tag, dass Lucas und sie sich nicht lieben dürfen.

Als Helen fast am Ende ihrer Kräfte ist, begegnet sie in der Unterwelt dem jungen Halbgott Orion, der ihr hilft, sich in dieser „Welt“ zurechtzufinden und der Lösung des Problems auf die Spur zu kommen. Je häufiger sie einander treffen, umso näher kommen sie sich. Aber Helen läuft die Zeit davon: Ein skrupelloser Feind hat es auf sie abgesehen und macht sogar vor ihren Freunden nicht Halt. Dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, das ausgerechnet Lucas und seinen neuen Kontrahenten zum Zusammenhalten zwingt: Die vier Häuser Scion werden vereint – ein neuer Trojanischer Krieg scheint unausweichlich …

„Göttlich verloren“ ist Band zwei der Trilogie um die vier Häuser der Scions – die verschiedenen Blutlinien des königlichen Adels aus dem alten Griechenland, die wiederum auf die vier Götter Zeus, Aphrodite, Appollon und Poseidon zurückgehen. „Mittelbände“ bergen ja gewöhnlich zwei Probleme: 1. War Band 1 einer Trilogie großartig, bleibt der Autor bei Band 2 (und Band 3) oft hinter den Erwartungenn zurück, weil er sein Pulver bereits verschossen hat. 2. Band 2 einer Trilogie ist lediglich ein Füller. Beides trifft auf „Göttlich verloren“ (fast) nicht zu. Die Autorin Josephine Angelini bleibt ihren nüchternen Schreibstil treu; kein Wort ist zu viel; keine Zeile wird an blumige Beschreibungen verschwendet. Das treibt die Handlung voran, sorgt aber so manches Mal dafür, dass man mit den handelnden Personen nicht wirklich „warm“ wird, weil sie schlicht relativ oberflächlich bleiben. Das ist oft das Problem bei Geschichten, die aus der (Ich-)Perspektive eines Teens erzählt werden, der schlicht keine Nabelschau betreibt.
Was mich jedoch noch mehr geärgert hat, dass wir nicht nur die stereotypen Elemente vorfindet, die ich in meiner Kurzrezi zu „Göttlich verdammt“ erwähnt habe. Nein, jetzt kommt noch die obligatorische Dreiecksbeziehung hinzu: Lucas und Helen können keine Beziehung eingehen, da sie eng verwandt sind – und plötzlich taucht dann noch ein hinreißender Rivale auf. All das findet man heutzutage in jedem zweiten Teenie-/All-Age-Roman, und ich wünschte mir, die AutorInnen würden sich hier langsam einmal etwas anderes einfallen lassen. Dennoch spricht für die „Göttlich“-Trilogie auf jeden Fall, dass Angelini uns vor den obligatorischen Vampiren, Elfen oder Hexen verschont, sondern den Leser in die Welt der Götter entführt. Als hilfreich erweist sich hier das Personenverzeichnis am Ende des Buches, in dem die Personen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten und Verwandtschaftsbeziehungen aufgelistet sowie Figuren aus der Mythologie erklärt werden.
Dennoch muss ich gestehen, dass ich mich beim Lesen nur selten gelangweilt habe. Die Autorin liefert genügend Abwechslung und Action, um dafür zu sorgen, dass der Leser am Ball bleibt. Und schließlich kulminiert die Handlung in einem furiosen Finale, was dafür sorgt, dass ich auf jeden Fall zu Band 3 greifen werde („Göttlich verliebt“ erscheint im Mai 2013).

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