Veröffentlicht in Belletristik

Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Die junge Restaurantbesitzerin Aurélie hat Kummer: Vor einigen Monaten ist ihr Vater gestorben, und jetzt wurde sie auch von von einem Tag auf den anderen von ihrem Freund verlassen. Unglücklich streift sie durch Paris und flüchtet sich schließlich in eine kleine Buchhandlung, um einen Polizisten abzuhängen, der den Verdacht hegt, dass sie Selbstmord begehen will. In der Buchhandlung stößt sie auf einen Roman, der gleich in den ersten Sätzen nicht nur ihr Lokal, sondern auch sie selbst beschreibt. Begeistert von der Lektüre, möchte Aurélie den Autor des Buchs kennenlernen, doch nach Aussage des Verlagslektors André Chabanais ist der leider sehr menschenscheu. Aber Aurélie gibt nicht auf … (Mehr gibt’s nicht zum Inhalt – ich will ja nicht spoilern.)

„Das Lächeln der Frauen“ ist eine solide konzipierte, kurzweilige, schön geschriebene französische Liebesgeschichte, die auch ein wenig Paris-Flair vermittelt. Da die Geschichte abwechselnd aus dem Blickwinkel von Aurélie und André erzählt wird, sorgt der Autor dafür, dass es dem Leser nicht langweilig wird und dass man den beiden Protagonisten immer wieder in die Seele blicken kann. Darüber verzichtet Barreau auf ellenlange Beschreibungen, was ich angesichts des Weiteren auch einmal positiv hervorheben möchte.

Doch leider schöpft er sein Potenzial nicht aus, denn die Geschichte ist wirklich nicht mehr als das: nett. Beim Lesen spürt man auf jeder Seite, dass der Autor schon eine mögliche Verfilmung im Hinterkopf hatte – vermutlich mit Audrey Tautou in der Hauptrolle (auch wenn die Protagonistin nicht brünett ist). Denn die handelnden Figuren haben ein überschaubares Maß an Tiefgang und Komplexität (um es einmal höflich auszudrücken), schlendern immer wieder durch die Straßen von Paris, treffen sich in kuscheligen/typischen Pariser Restaurants, essen und trinken zusammen … Genau das richtige Maß an Flair, um den nichtfranzösischen Lesern Lust auf einen Besuch in der Hauptstadt zu machen. Auch bei der klischeebeladenen Story selbst hat man das Gefühl, sie schon hundertmal gelesen oder im Kino gesehen zu haben: Nachdem ihr das Herz gebrochen wird, trifft sie ihn, doch bevor sie erkennt, dass er derjenige welcher ist, muss sie noch einen kurzen Umweg über einen potenziellen Love Interest machen, bevor das vorhersehbare Happy End kommt. Und bei all dem ganzen verschenkt sie ihr Herz so schnell aufs Neue, dass einem regelrecht schwindelig wird. Überraschungen oder zumindest überraschende Wendungen bleiben leider komplett aus.

Mein Fazit: „Das Lächeln der Frauen“ ist sicher keine Lebenszeitverschwendung, revolutioniert das Liebesromangenre aber auch nicht. Ein Geschenk für eine eher anspruchslose Freundin, die gern romantische Liebesgeschichten liest, aber nicht unbedingt Wert auf eine tiefschürfende Handlung legt.

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