Veröffentlicht in Belletristik

Eric Wilson & Theresa Preston: October Baby

Hannah ist 19 und im ersten Jahr auf dem College, als sie bei einer Theateraufführung einen Anfall erleidet. Schon ihr ganzes Leben lang hat sie unter Albträumen und zunehmenden Panikattacken gelitten, doch erst jetzt erfährt sie von ihren Eltern die Wahrheit über ihre Herkunft: Sie wurde kurz nach ihrer Geburt adoptiert und hat vorher bereits ihre Abtreibung überlebt.
Hannah ist wütend und verwirrt und wendet sich an den einzigen Menschen, dem sie jetzt noch vertraut: ihren Jugendfreund Jason. Dieser ermutigt sie, sich auf die Suche nach ihrer biologischen Mutter zu begeben – und so schließt sie sich einer Gruppe von Studenten an, die auf dem Weg von North Carolina nach New Orleans sind – zum Mardi Gras. Auf diesem Roadtrip kommt sie nicht nur ihrer eigenen Geschichte näher, auch die Beziehung zu Jason wird sich endlich klären.

Bei „October Baby“ handelt es sich um eine sogenannte Novelization – einen Roman zum Buch, d. h. zuerst war der Film, dann kam das Buch. 🙂 Das Thema des Buches (Filmes) ist ungewöhnlich: Es geht um eine misslungene Abtreibung und die Konsequenzen für das Kind. „October Baby“ ist ein christlicher Roman, verzichtet aber – Gott sei Dank – auf den üblichen erhobenen Zeigefinger und das „Abtreibung ist Sünde!“, wenn es im Grunde auch darum geht zu zeigen, dass das Leben wertvoll ist. Jedes Leben. Stattdessen zeigt der Roman, dass eine Abtreibung nie ohne Konsequenzen ist – für die Mutter, aber auch für das Kind, das einer versuchten Abtreibung entgeht. Wenn man ein wenig googelt, stößt man auf erstaunlich viele Fälle, bei denen so etwas passiert, und die Geschichten der Überlebenden sind wirklich erschütternd. Im Fall von „October Baby“ begegnet uns ein junges Mädchen, das sein Leben lang unerklärliche Albträume von einem anderen Wesen hat … von einer Bedrohung … Dunkelheit. Und diese Passagen (diese Vorstellung generell) sind auch sehr erschütternd.
Aber dennoch krankt „October Baby“ an etwas, an dem viele dieser „Romane zum Film“ kranken: Sie bieten nur sehr wenig mehr als den tatsächlichen Film, die Charakterzeichnungen bleiben relativ oberflächlich, und das Buch besteht im Grunde primär aus Dialogen. Intensivere Innenansichten gibt es wenige und auch fast keine darüber hinausgehende Beschreibungen – wie sieht jemand aus? Welche Augenfarbe hat eine Person? Wie sieht die Landschaft aus, durch die die Jugendlichen auf ihrem Roadtrip kommen? Wie Mardi Gras in New Orleans? Wie sieht es in dem jungen Mädchen aus, das sein Kind abtreiben will? In der erwachsenen Frau, als sie vor ihrer unbekannten Tochter steht? U. v. m.
Und die Beschreibungen, die ich als Leser von Hannah erhalte, haben sie mir nicht gerade sympathisch gemacht. Selbstfindungsromane von (alten) Teens sind sowieso nicht so mein Fall, aber Hannah kam mir deutlich unreifer vor als eine Neunzehnjährige, die aufs College geht. Schon nach wenigen Kapiteln dachte ich: Get a grip! Die weibliche Hauptfigur macht einen wirklich unreifen und unselbstständigen Eindruck. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Neunzehnjährige während des Studiums zu Hause wohnt und ihre Eltern um Erlaubnis fragt, wenn wenn sie sich deren Auto leiht. Aber in diesem Alter lasse ich mir doch nicht mehr vorschreiben, ob ich mich mit meinem besten Freund treffen darf!? Ich lasse mir doch keinen Hausarrest erteilen!? Respekt vor den Eltern hin oder her … Und als Hannah dann auch noch panisch die Flucht ergreift, als sie gezwungenermaßen ein Zimmer mit Jason teilen muss – meine Güte, der Junge wollte auf dem Boden schlafen! Get a life!
Noch eine Bemerkung zur obligatorischen Love Story: Sie ist vorhersehbar. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

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Ein Kommentar zu „Eric Wilson & Theresa Preston: October Baby

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