Veröffentlicht in Belletristik

Pip Ballantine / Tee Morris: Books & Braun – Das Zeichen des Phönix (Band 1)

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Eliza D. Braun, Agentin der Krone und strafversetzte Neuseeländerin im Londoner Exil, und Wellington „Welly“ Books, Archivar des Ministeriums für Eigenartige Vorkommnisse und ein überaus gewissenhafter Zeitgenosse.
Mr Books ist durchaus dankbar, dass Eliza ihn unter großzügigem Einsatz von Dynamit aus der Hand seiner Feinde befreit hat – allerdings lässt sie seiner Meinung nach einiges an Manieren zu wünschen übrig, die man von einer Dame erwarten würde. So ist Books zunächst wenig begeistert, als Eliza wegen ihrer unkonventionellen Methoden dazu verdonnert wird, ihm im Archiv zur Hand zu gehen. Und wie befürchtet, ist es mit seiner geliebten Ruhe und Ordnung auch bald vorbei, denn Miss Braun beginnt in ihrer Rastlosigkeit, alte ungelöste Fälle auszugraben, die längst zu den Akten gelegt wurden.
Einer davon hat sie vor einiger Zeit auch ihren alten Partner Harry gekostet. Als nämlich an der Themse einige blutleere und ausgeweidete Leichen gefunden wurden, hatte dieser auf eigene Faust recherchiert. Doch seine Untersuchungen führten zunächst zu seinem Verschwinden, dann fand man ihn in einer Gasse wieder – wahnsinnig geworden. Eliza beginnt mithilfe von Harrys Aufzeichnungen, ebenfalls gegen die Vorgaben ihres Vorgesetzten zu ermitteln. Und natürlich kann Welly als englischer Gentleman seine neue Partnerin nicht allein losziehen lassen.
Die beiden finden heraus, dass das Verschwinden einiger Fabrikarbeiter und der Fund entstellter Leichen in Verbindung zu einem uralten Bund stehen. Bewaffnet mit Books‘ scharfem Verstand und Elizas gefährlichem Charme (samt ihrem kugelsicheren Korsett!) ziehen sie los, um in den dunklen Gassen Londons zu ermitteln. Schon bald kommen sie einer infernalischen Verschwörung auf die Spur, die Reich und Krone in höchste Gefahr bringen können. Und diese Entdeckung könnte auch sie das Leben kosten.

„Books & Braun – Das Zeichen des Phönix“ ist Band 1 einer Steampunk-Reihe um ein sehr gegensätzliches, aber nichtsdestotrotz aufregendes Team: die neuseeländische Agentin Eliza D. Braun und den peniblen Archivar Wellington „Welly“ Books, die beide für das Ministerium für Eigenartige Vorkommnisse in London arbeiten. Eliza wurde dorthin strafversetzt, weil sie eine zu große Vorliebe für Dynamit hat und es hasst, sich an die Vorschriften zu halten. Doch als sie dann auch noch den unauffälligen Archivar aus der Hand seiner Entführer befreit, die ihn in die Antarktis verschleppt haben (warum das Haus Usher gerade ihn entführen ließ, ist den beiden allerdings ein Rätsel), obwohl sie eigentlich den Befehl hatte, diesen zu töten, da er zu viele Geheimnisse des Ministeriums kennt, wird ihre Strafe noch verschärft. Sie landet bei Welly im Archiv, wo sie dem gewissenhaften Beamten helfen soll, Akten zu ordnen und Funde zu katalogisieren. Und die Gegensätzlichkeit dieser beiden Charaktere liefert natürlich im Verlauf Stoff für witzige Dialoge, unerwartete Wendungen und überraschende Offenbarungen.
Und die beiden Autoren brauchen nicht lange, um diese „Spannungen“ einzuführen. Sie halten sich nicht länger mit irgendwelchen Einführungen oder weitschweifenden Erklärungen und Beschreibungen darüber auf, wie ihre Romanwelt funktioniert – Ballantine und Morris werfen den Leser gleich kopfüber in die im wahrsten Sinne des Wortes explosive Geschichte. Und der Leser kommt in den dann folgenden insgesamt 32 Kapiteln auch nicht mehr dazu, Luft zu holen, folgt doch eine Verfolgungsjagd der nächsten, erwarten den Leser Messerkämpfe auf Opernbühnen, Folterszenen in Verliesen oder Auseinandersetzungen mit mysteriösen Gegnern. Und es zeigt sich, dass Eliza gar nicht so undamenhaft ist (auch wenn sie es weiterhin liebt, ihren gefasst wirkenden Welly aus dem Gleichgewicht zu bringen) und dass auch Wellington ein alles andere als unschuldiger, harmloser Stubenhocker ist. Das Schöne am Zusammenspiel dieser beiden mysteriösen Figuren ist, dass die Autoren auf mögliche 6szenen verzichten, die anderen Autoren so gern einbauen, wenn ihnen nichts Vernünftiges mehr einfällt. Natürlich gibt es gewisse 6uelle Spannungen zwischen den beiden, aber diese werden bis zum Ende des vergnüglichen Romanes nicht aufgelöst.
Auch die Story selbst ist ein echtes Vergnügen: Der eigentliche Kriminalfall ist überraschend, „steampunkig“ und kreativ genug, um den Leser zu fesseln. Ganz zu schweigen von einem actionreichen Finale, währenddessen man den Roman gar nicht aus den Händen legen möchte, um ja keine Explosion oder keinen Schusswechsel zu verpassen. Aber nicht alle Handlungsfäden lösen sich bis zum Ende auf. Die Story bietet noch genügend nicht gelüftete Geheimnisse und offene Handlungsstränge, um den Leser atemlos auf die Fortsetzung „Die Janus-Affäre“ warten zu lassen, die im Dezember erscheinen soll.
Mein Fazit: Unbedingt lesen!

Advertisements

2 Kommentare zu „Pip Ballantine / Tee Morris: Books & Braun – Das Zeichen des Phönix (Band 1)

Hinterlasse einen Kommentar ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s