Veröffentlicht in Belletristik

Lynn Raven: Blutbraut

BlutbrautSeit sie denken kann, ist Lucinda Moreira auf der Flucht vor Joaquín de Alvaro, denn sie ist eine „Blutbraut“, und nur sie kann den mächtigen Magier davor bewahren, zum Nosferatu zu werden. Dazu aber müsste sie ihm freiwillig ihr Blut geben und sich auf ewig an den Mann binden, der für sie die Verkörperung alles Bösen scheint. Dass dies das schlimmste Schicksal ist, hat ihr ihre Tante Maria eingebläut, die jahrelang mit ihr auf der Flucht war – und dann vor Lucindas Augen von einem Vampir auf brutale Weise getötet wurde – und auch das junge Mädchen wurde dabei verletzt.
Doch dann tritt genau das ein, wovor Lucinda sich fürchtet: Gerade als sie sich erstmals verliebt hat, und zwar in den charmanten Cris, wird sie entführt und auf das Anwesen Joaquíns gebracht. Lucinda ist in eine Falle gelaufen, denn Cris ist kein anderer als Joaquín de Alvaros Bruder, und auch er sucht eine Blutbraut …
Doch die beiden Brüder sind nicht die Einzigen, die hinter Lucinda her sind. Auch andere Mitglieder ihres Konsortiums begehren Lucindas Blut, denn diese stammt aus einer Linie von mächtigen Blutbräuten. Als Lucinda in die Gewalt eines von ihnen gerät und Joaquín sie unter Einsatz seines Lebens befreit, beginnt Lucinda sich zu fragen, ob sie sich nicht vielleicht doch in ihm getäuscht hat. Doch Joaquín steht mittlerweile kurz davor, unwiderruflich zum Nosferatu zu werden …

„Blutbraut“ ist das erste Buch, das ich von der Deutsch-Amerikanerin Lynn Raven (aka Alex Morrin) gelesen habe – zugegebenermaßen wegen des ausgezeichneten Covers und weil mir der Werbetext eine dramatische Lovestory versprach. Und der Roman hatte auch vieles von dem, was ich mir erwartet hatte: Er war gut und durch Perspektivwechsel in gewissem Maße spannend erzählt, die Hauptcharaktere besaßen ein gewisses Identifikationspotenzial und waren teilweise vielschichtig genug, dass man begrenzt „mit-leiden“ konnte, und die Geschichte war ausreichend kreativ, dass ich nicht das Gefühl hatte, Altbekanntes zu lesen. Raven versteht es, Joaquíns Hacienda und die Landschaft in Südkalifornien Wirklichkeit werden zu lassen. Man spürt die Hitze, kann die Magie der Hexenmeister regelrecht fühlen, und auch das Handeln der Hauptfiguren wird so beschrieben, dass es nachvollziehbar ist: Lucinda hat in ihrer Kindheit ein Trauma erlitten, und deshalb braucht sie Wochen, bis sich ihre Gefühle langsam verändern und sie Vertrauen zu Joaquín gefasst hat … Beschreiben kann die Autorin also wirklich.

Allerdings gab es einiges, das mich dann doch an dem Buch gestört hat – eines hat mit inhaltlichen Dingen, anderes mit handwerklichen zu tun: 1. Viele Handlungsstränge bzw. Fragen bleiben offen – und da die Autorin wohl beschlossen hat, der Geschichte keine Fortsetzung zu gönnen, bleibe ich als Leser doch etwas unbefriedigt zurück. 2. Das Happyend (und ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass die Geschichte ein Happyend hat) tritt wirklich wie bei einem Pilcher-Roman erst auf den letzten zwanzig Seiten ein; bis dahin ist unsere Heldin noch zu traumatisiert, als dass sie den Gedanken an ein Happyend auch nur zulassen könnte. Und als es dann passiert, war mir das Ganze nicht schlüssig genug sowie zu nüchtern und zu distanziert geschildert, als dass ich wirklich mit dem Herz dabei gewesen wäre. Meine Güte, das soll doch die schicksalhafte große Liebe sein – und wo bleibt der Herzschmerz, das emotionale Erdbeben?

Was die handwerkliche Seite angeht: Wie ich schon in meinen Anmerkungen zu „Der Kuss des Kjer“ geschrieben hatte, neigt Lynn Raven dazu, Wendungen zu wiederholen und ihre Heldinnen bestimmte Dinge immer und immer wieder machen zu lassen – in diesem Fall umschlingt Lucinda permanent ihre Taille und weicht ständig wimmernd und nach Atem ringend vor Joaquín zurück. Sorry, andere Blutbräute sind/waren, wird von Joaquín umsorgt (der keine Anstalten macht, ihr wehzutun) und erfährt, dass ihre Tante sie ihr Leben lang angelogen hat – aber unsere Heldin bleibt dabei: Joaquín ist böse und will nur ihr Blut. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, dass ich dachte: „Get a grip!“ Auch hat der Roman deutliche Überlängen: Es wird der immer gleiche Tagesablauf geschildert: Unsere ängstliche Lucinda verlässt vorsichtig ihr Zimmer, findet Frühstück in der Küche (das ihr Joaquín liebevoll zubereitet hat), begibt sich auf Entdeckungsreise durchs Haus, trifft auf Joaquín, weicht wimmernd vor diesem zurück. Und unternimmt den obligatorischen Fluchtversuch. Booooring. Auch musste ich mich anstrengen, um in Joaquín den beschriebenen extrem gutaussehenden, charmanten (und, da er ein mächtiger Hexenmeister und im Grunde Vampir ist, offenbar sexy) Helden zu sehen – und was zum Geier fand er an der ständig halb atemlosen Lucinda?

Oje, jetzt ist meine Rezi doch negativer ausgefallen als eigentlich beabsichtigt, aber bei mir blieb einfach das „Wow, dieses Buch muss ich sofort noch mal lesen!“-Gefühl aus. Eigentlich hätte die Autorin mit der Romanidee sowie der Tatsache, dass die Hauptfigur ein Vampir ist, eine sichere Bank gehabt, aber bei der Umsetzung hapert es schlicht.

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Ein Kommentar zu „Lynn Raven: Blutbraut

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