Veröffentlicht in Belletristik

Thomas Franke: Das Tagebuch

franke-tagebuchBei einer Grabung in einer französischen Burgruine stößt der junge Archäologe Leon auf ein Rätsel: Das Tagebuch einer jungen Adligen – Angélique de Vantes -, das offenbar aus der Zeit der Französischen Revolution stammt und zufällig entdeckt wird, verschwindet einige Male, um in neuerem Zustand und mit bearbeiteten Texten wieder aufzutauchen. Auch ein Tier, das zunächst für einen streunenden Hund gehalten wird, entpuppt sich als ungebetener Besucher aus einer anderen Zeit.
Auch wenn er dieses Phänomen eigentlich für gänzlich unmöglich hält – Leon beginnt durch das Tagebuch über Jahrhunderte hinweg mit Angélique de Vantes zu korrespondieren. Dabei lernt er sie kennen und schätzen. Angélique ist um die 20 und in den Wirren der Französischen Revolution auf der Suche nach ihrem Neffen, der ihrer Schwester direkt nach der Geburt geraubt wurde. Dabei kommt sie einer Verschwörung auf die Spur, die den Sturz ihrer gesamten Familie zum Ziel hat. Und schließlich gerät auch Angélique in die Fänge der Verschwörer und wird zum Tod verurteilt.
Über eine Zeitspirale
[in der Science-Fiction würde man diese vermutlich als Wurmlöcher bezeichnen] macht Leon sich schließlich auf die Suche nach ihr – er reist in die Vergangenheit, versucht, sie zu finden und zu retten.

„Das Tagebuch“ ist nach „Das Haus der Geschichten“ der zweite Roman von Thomas Franke – und wieder enttäuscht der Autor nicht. Seine Geschichte ist zwar nicht neu, aber ungewöhnlich ausgestaltet und packend geschrieben – und das gilt sowohl für die Ereignisse in der Gegenwart als auch für die im 18. Jahrhundert. Sie ist exzellent recherchiert und geschrieben. Ich hatte in den letzten Monaten viele Bücher in der Hand, deren Autoren sich wünschen würden, sie könnten die Vergangenheit so gut lebendig werden lassen und könnten Charaktere so lebensnah und glaubwürdig schildern wie Thomas Franke. Wenn Angélique auf der Suche nach ihrem Vater durch Paris irrt, kann man den Schmutz und das Elend regelrecht vor sich sehen und den Gestand dieses Molochs und all der Menschenmassen buchstäblich riechen. Der einzige Wehmutstropfen war vielleicht, dass der Autor zu viele Ideen in das Buch einfließen ließ – mit all den skurrilen Nebenfiguren und Handlungsfäden hätte er sicher zwei Bücher füllen können. Man muss als Leser an einigen Stellen schon sehr gut aufpassen, um kein liebevoll eingewobenes Detail zu verpassen, das an anderer Stelle wichtig werden wird.
Aber Thomas Franke wäre nicht Thomas Franke, wenn er sich bei einer spannenden Geschichte aufhalten würde. Es ist ihm ein großes Anliegen, spirituell interessierte Menschen „abzuholen“ und zum Nachdenken zu bringen. Dazu lässt er die beiden Hauptfiguren die „großen“ Fragen stellen: Gibt es noch mehr als das, was wir hier sehen? Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann das Leid? Während Leon Atheist ist und solche und noch andere Fragen stellt, ist Angélique Christin und erlebt, dass ihr Glaube durch die schrecklichen Erlebnisse immer wieder herausgefordert wird. Doch trotz allem hält sie daran fest, dass es einen Gott gibt, dass er gut ist und dass es sich lohnt, an ihm festzuhalten. Und dass vieles von dem Bösen, das wir um uns herum feststellen, seinen Anfang in uns selbst genommen hat. Wir selbst sind dafür verantwortlich – nicht Gott.

Auf der Seite des Verlags könnt ihr sogar in das Buch reinlesen: Leseprobe „Das Tagebuch“.

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