Veröffentlicht in Belletristik

Pip Ballantine & Tee Morris: Books & Braun – Die Janus-Affäre

books-und-braun-2Nachdem Archivar Wellington Books und die degradierte Ex-Feldagentin Eliza Braun (klammheimlich und absolut unerlaubt) das britische Empire vor einer gefährlichen Geheimgesellschaft gerettet haben, dürfen sie erst einmal kein weiteres Aufsehen erregen.
Doch auf einer Zufahrt nach London stolpert plötzlich eine verängstigte junge Frau in ihr Abteil, nur um sich einen Moment später in einem infernalischen Lichtblitz in Luft aufzulösen. Wie Eliza bald herausfindet, sind auch andere Frauen auf diese Weise verschwunden, und alle Opfer haben sich für die Frauenrechte engagiert. Offenbar wurde keiner der Fälle ernsthaft untersucht, sondern von Elizas und Wellys verhasstem Kollegen Bruce Campbell im Archiv „vergraben“. Eliza und Wellington wittern eine Verschwörung und machen sich – erneut klammheimlich – selbst daran, den ungeheuerlichen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen. Ein schwieriges Unterfangen, denn zum einen steht Elizas Job auf dem Spiel: Sie darf sich eigentlich nicht noch einmal in unautorisierte Außeneinsätze stürzen. Und zum anderen scheint Bruce nicht einfach nur etwas arbeitsfaul, sondern wirklich in die Sache verwickelt zu sein.
Bald wird klar, dass sie es mit einem teuflisch cleveren Gegenspieler zu tun haben – doch auch Wellington Thornhill Books ist nicht auf den Kopf gefallen, und Miss Eliza D. Braun hat immer einen explosiven Trick auf Lager, wenn es mal richtig brenzlig wird … Ganz zu schweigen davon, dass die beiden auch bereit sind, sich mit ihren Feinden zu verbünden, um den unbekannten Gegenspieler unschädlich zu machen.
Auf der rein zwischenmenschlichen Ebene wird das Ganze noch komplizierter, als Kate Sheppard, die große neuseeländische Frauenrechtlerin und Elizas Mentorin, in London auftaucht, um dort ihre Schwestern im Geiste zu unterstützen. Im Schlepptau hat sie ihren Sohn Douglas, einen Charmeur und Abenteurer – und Elizas große Jugendliebe. Wellington ist alles andere als begeistert, als der Strahlemann alles tut, um Eliza wieder auf seine Seite zu ziehen – denn diese scheint gar nicht so abgeneigt zu sein.

„Die Janus-Affäre“ ist Band 2 der Reihe um die beiden Agenten des Londoner Ministeriums für Eigenartige Vorkommnisse (Band 1: Das Zeichen des Phönix) – ein überaus gegensätzliches Agenten-Gespann. Das ist eigentlich nichts Neues – solche Paarungen kennen wir schon aus „Akte X“ oder „Castle“; dennoch sind hier die traditionellen Rollen vertauscht: Die Neuseeländerin im Exil Eliza Braun geht nie ohne Waffe aus dem Haus und ist immer bereit, auch gegen die Anweisungen ihrer Vorgesetzten Nachforschungen anzustellen, wenn sie irgendwo ein Verbrechen vermutet. Vor allem, wenn Freunde von ihr von diesen Verbrechen betroffen sind. Das hat ihr bereits eine Strafversetzung in das Archiv des Ministeriums eingebracht, wo sie nun die Partnerin des überaus peniblen Wellington Brooks ist. Doch leider hat ihre Strafversetzung nicht den gewünschten Effekt: Statt ein bisschen mehr so zu werden wie Welly – Vorschriften liebend und gehorsam -, färbt ihre Abenteuerlust auf den braven Welly ab, der entdeckt, dass es auch einmal ganz schön sein kann, sein muffiges Archiv zu verlassen. Gespickt sind ihre Abenteuer mit unzähligen witzigen Dialogen der beiden gegensätzlichen Figuren, die unbewusst begonnen haben, ihr Gegenüber und seine Eigenheiten zu schätzen – und darüber hinaus auf dem besten Weg sind, sich sehr zu ihrem eigenen Erstaunen ineinander zu verlieben. Kurzum: Bei den beiden handelt es sich um unglaublich sympathische Charaktere, deren Interaktion man atemlos und so manches Mal lachend folgt.
Auch die Story selbst ist wieder sehr actionreich, enthält unerwartete Wendungen und in den sogenannten „Zwischenspielen“ auch immer wieder Hinweise auf eine übergeordnete Verschwörung, die zwar indirekt etwas mit dem aktuellen Fall zu tun hat, aber weit darüber hinaus reicht. Der eigentliche Kriminalfall enthält Elemente, denen reale Geschehnisse der viktorianischen Zeit zugrunde liegen (Frauenrechtsbewegung im Vereinigten Königreich, Imperialismus, Kriege), ist aber überraschend, „steampunkig“ und facettenreich genug, um den Leser zu fesseln. Ganz zu schweigen von einem actionreichen Finale in gefährlichen Höhen, währenddessen man endgültig erkennt, dass unser Held Wellington Books viel mehr ist als nur ein langweiliger Archivar – er ist eben keine „Damsel in Distress“, wie man glaubte. Aber erneut werden nicht alle Handlungsfäden bis zum Ende aufgelöst. Die Story bietet wie gesagt noch genügend nicht gelüftete Geheimnisse und offene Handlungsstränge, um den Leser atemlos auf die Fortsetzung warten zu lassen, die 2013 unter dem Titel „Dawn’s Early Light“ zumindest auf Englisch erscheinen soll.
Mein Fazit: Wenn man Bond und Sherlock Holmes in einen Topf werfen würde, kämpfe vermutlich „Books & Braun“ heraus – unbedingt lesen! Wehe, ich muss wieder ein Jahr auf die Fortsetzung warten! Und könnte bitte jemand einen Film draus machen? 🙂

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