Veröffentlicht in Belletristik

Mona Hodgson: Zwei Bräute zu viel

Maine, 1895: Die vier Sinclair-Schwestern Kat, Nell, Ida und Vivian sind außer sich vor Freude, als ihnen ihr Vater offenbart, dass sein Arbeitgeber ihn für einige Zeit geschäftlich nach Paris schicken will. Doch sie haben sich zu früh gefreut: Die Eisenbahngesellschaft will nur Mr Sinclair den Aufenthalt finanzieren. Und so muss für die vier Schwestern eine neue Lösung gefunden werden. Ida und Vivian werden in dieser Zeit bei einer Tante leben – und Kat und Nell müssen sich nach dem Willen ihres Vaters mithilfe von Zeitungsanzeigen einen Ehemann suchen. Colorado würde sich seiner Meinung nach besonders anbieten, da Frauen dort Mangelware seien. Gesagt, getan. Einige Wochen und Briefe später sind Kat und Nell auf dem Weg in die Bergarbeiterstadt Cripple Creek.
Kat hat keine hohen Erwartungen an ihre Zukunft und an ihren Verlobten Patrick; sie hofft, dass sie auf diese Weise versorgt sein wird und vielleicht auch ein wenig Zeit findet, ihren Traum zu verwirklichen und Reporterin/Schriftstellerin zu werden. Nell hingegen ist sehr romantisch veranlagt und hat sich aufgrund der Briefe schon ein wenig in ihren Verlobten Judson verliebt.
Doch als die beiden in Cripple Creek eintreffen, erleben sie eine unangenehme Überraschung: Keiner der beiden zukünftigen Ehemänner holt sie am Zug ab. Wie sich herausstellt, ist Judson gerade verreist, da es familiäre Probleme gibt. Und Patrick? Patrick entpuppt sich als Halunke, der mehr für Wein, Weib und Spiel übrig hat als für seine Verlobte. Kat ist ihn jedoch schon bald wieder los, als ein Feuer im Lager ausbricht und er dabei ums Leben kommt.
Doch was sollen die beiden unverheirateten Frauen nun in einer Kleinstadt tun, wenn kein Ehemann in Sicht ist, die vorhandenen Männer eher raue, ungepflegte Zeitgenossen sind, und auch die „Damen des Gewerbes“ wesentlich freier auf den Straßen unterwegs sind, als dies unsere wohlerzogenen Damen von der Ostküste gewohnt sind?

„Two Brides Too Many“ ist Band 1 einer Reihe um die vier Sinclair-Schwestern. Die Geschichten erzählen die Erlebnisse und Erfahrungen von Ida, Kat, Nell und Vivian Sinclair in der rauen Bergarbeitersiedlung Cripple Creek am Ende des 19. Jahrunderts. Buch 1 erzählt die Geschichte der mittleren Schwestern Kat und Nell, die sich als Erste auf den Weg dorthin machen, und zwar als sogenannte „Mail-Order Brides“, was im 19. Jahrhundert im dünn besiedelten Grenzland im Westen der USA gar nichts so Ungewöhnliches war. Doch als sie dort ankommen, müssen sie feststellen, dass ihre zukünftigen Ehemänner sie gar nicht erwarten, geschweige denn, dass sofort geheiratet wird.
Der Roman ist leichtfüßig und mit einer Prise Humor verfasst. Natürlich erlebt der Leser keine allzu großen Überraschungen, und dass am Ende doch geheiratet wird, ist von vornherein klar. Aber es ist interessant nachzulesen, wie die beiden Schwestern sich in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden, wo sie zum einen nicht viel Geld zur Verfügung haben und nicht länger unter dem Schutz der Familie stehen, sondern sich neue Freunde suchen müssen, die zum Teil ihren eigenen Wohlfühlbereich sprengen. Es macht Spaß mitzuerleben, wie aus zwei unbedarften Ostküstendamen zwei echte Frauen werden, die sich nicht zu schade sind, kräftig mitanzupacken. Eine große Stärke sind sicher auch die skurrilen Figuren, denen die beiden Schwester begegnen und die den Charme des Buches ausmachen – ob es sich dabei nun um ein Waisenkind, einen grummeligen Bergarbeiter oder eine Puffmutter handelt.
Der Roman gehört darüber hinaus zum Genre der Christian Romance, das heißt, er enthält wenig „blumige“ Sprache (beschreibt aber Land und Leute dennoch glaubhaft). Auch gibt es keine Beschreibungen von 6-Szenen, sodass wirklich die Geschichte und die Charaktere im Vordergrund stehen. Dafür gibt es jedoch einige Gebete oder ähnliches. Letzteres ist aber auf angenehme Weise eingestreut, sodass man sich nicht angepredigt fühlt.
Noch eine interessante Bemerkung am Rande: Mona Hodgson, die Autorin, lässt in ihrem Buch auch eine reale historische Person auftreten: Schwester Mary Claver Coleman von den „Sisters of Mercy“, einem Orden katholischer Schwestern, die aus Irland herüberkamen, um Schulen und Hospitäler zu gründen. Sie haben in dem Gebiet, in dem „Two Brides too many“ spielt viel Gutes getan. Auf diese Weise gibt die Autorin ihrer Geschichte noch einen sehr realen Anstrich.

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2 Kommentare zu „Mona Hodgson: Zwei Bräute zu viel

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