Veröffentlicht in Belletristik

Mona Hodgson: Wer braucht schon einen Mann?

hodgson sinclair 2Nachdem sich ihre (beruflichen) Hoffnungen in ihrer Heimat zerschlagen haben, lässt sich auch Ida, die älteste der Sinclair-Mädchen, wie ihre Schwestern Kat und Nell in der unkultivierten Bergarbeitersiedlung Cripple Creek in Colorado nieder. Doch im Gegensatz zu ihren Schwestern will sie sich hier keinen Ehemann angeln, sondern Karriere machen, selbst wenn dies Ende des 19. Jahrhunderts nicht gern gesehen ist. Sie findet bereits kurz nach ihrer Ankunft eine Anstellung bei einer erfolgreichen, wenn auch bei anderen verhassten Geschäftsfrau. Und auch wenn alle ihre Schwestern und Freunde sie vor deren Geschäftspraktiken warnen, genießt es Ida, erfolgreich zu sein und viel Geld zu verdienen.

Doch das Leben hat andere Pläne: Gleich zwei Männer treten in ihr Leben, die ihr Herz höher schlagen lässt. Da ist zum einen der erfolgreiche Anwalt Colin, der ihre beruflichen Ambitionen gutheißt und unterstützt, und zum anderen der Wanderprediger Tucker, der sich ebenfalls zwischen seiner Berufung und familiären Verpflichtungen entscheiden muss …

„Wer braucht schon einen Mann?“ ist der zweite Band um die Sinclair-Schwestern Kat, Nell, Ida und Vivian. Man erfährt darin, wie die Geschichte um Kat und Nell – die Protagonistinnen von Band 1 Zwei Bräute zu viel – und ihre Ehemänner weitergeht, vor allem aber steht nun die Älteste der Schwestern im Mittelpunkt: Ida. Nachdem der Vater aus beruflichen Gründen nach Paris gezogen ist und die Schwestern Nell und Kat aus persönlichen nach Cripple Creek, ist Ida bei ihrer Tante zurück geblieben, um ihre Berufsausbildung zu beenden: Sie möchte Geld verdienen und auf eigenen Beinen stehen; einen Mann braucht sie dazu nicht. Doch die Männerwelt macht ihr das Leben ausgesprochen schwer. Ihre Mitstudenten machen sich über sie lustig, ihr Seminarleiter gibt nur vor, sie unterstützen zu wollen; eigentlich will er sie lediglich zu seiner Geliebten machen. Daraufhin packt Ida ihre Koffer und macht sich ebenfalls auf den Weg nach Colorado. Und entgegen dem Rat ihrer Schwestern sucht sie sich dort gleich eine Anstellung und ignoriert erst einmal die Bemühungen zweier potenzieller Ehemänner, ihr den Hof zu machen. Doch auch in Cripple Creek gibt es Männer, die ihr ihren Erfolg nicht gönnen …

„Wer braucht schon einen Mann?“ ist wie auch Band 1 unterhaltsam geschrieben; ich hatte ihn an einem Tag „weggelesen“. Sicher kein Roman, der die Menschheit weiterbringt, aber sehr unterhaltsam und genau das Richtige für den Urlaub oder einen launigen Nachmittag auf der Terrasse. Der Roman gehört zum Genre der Christian Romance, das heißt, es gibt es keine Beschreibungen von 6-Szenen, sondern hier stehen wirklich die Geschichte und die Charaktere im Vordergrund. Religiöse Inhalte sind auf angenehme Weise eingestreut (Tucker ist Pfarrer, sodass gerade durch ihn da einiges in den Roman einfließt), sodass man sich nicht angepredigt fühlt. Das Buch enthält im Gegensatz zu Band 1 nur wenige humorvolle Szenen (wobei diese auch nicht fehlen), hat aber gerade in geistlicher Hinsicht mehr Tiefgang, da er sich im Grunde mit der Frage beschäftigt: Was ist im Leben wirklich wichtig? Was hat für dich Priorität?

Und was mir vor diesem Hintergrund gefallen hat: Die Autorin propagiert kein altmodisches Fraubild – nach dem Motto: Eine Frau sollte sich einen Mann suchen und dann zu Hause bleiben und Kinder kriegen –, sondern lässt die Heldin am Ende beides erreichen: Ehemann (sorry, aber es hatte doch nicht wirklich jemand damit gerechnet, dass sie nicht heiratet?!) und einen Job. Will sagen: Der Roman lässt die Figuren wirklich Zeit-gemäß agieren; eine feministische Botschaft hätte hier nicht gepasst („Du kommst auch ohne Mann durchs Leben“).

Auch in diesem Roman werden einige (Neben-)Charaktere eingeführt, über die man in den Folgebänden hoffentlich mehr erfährt: Otis, den farbigen Ausfahrer eines Eis-Unternehmens, der aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert wird; Abraham, seinen Sohn, der unbedingt Comedian werden möchte und ständig Witzig reißt; Willow, Tuckers Schwester, die seit dem frühen Tod ihres Mann in einer psychiatrischen Einrichtung lebt und sich gerade ins Leben zurückkämpft …

Mein Fazit: Unbedingt lesenswert!

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