Veröffentlicht in Belletristik

Deborah Harkness: Wo die Nacht beginnt (Band 2)

harkness-wodienachtUm sich vor der Kongregation zu verstecken und der Historikerin dabei zu helfen, ihre Kräfte zu entdecken und zu beherrschen, reisen der Vampire Matthew und die Hexe Diana reisen in das Jahr 1590 zurück. Doch da auf der britischen Insel gerade die Hexenverfolgung begonnen hat und Matthew damals als Spion für Elisabeth I. tätig war, ist dieses Unterfangen gar nicht so einfach. Und als Diana dann auch noch erkennen muss, dass ihr Mann eine ganze Reihe von Dingen vor ihr verborgen hat, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt …

Bei „Wo die Nacht beginnt“ handelt es sich um den zweiten Band einer Romanreihe um den 1.500 Jahre alten Vampir Matthew und die Hexe Diana Bishop, die sich kennenlernen, als die junge Historikerin in Oxford über ein mysteriöses Buch stolpert, hinter dem viele übersinnliche Wesen schon seit Hunderten von Jahren her sind. Mir gefiel bereits der erste Band sehr gut, da die Amerikanerin Deborah Harkness endlich einmal eine gut recherchierte, gut geschriebene, komplexe Vampir/Hexen-Geschichte liefert, deren Story nicht als Vorwand dient, unzählige 6szenen zu schildern – genau die richtige Mischung aus Historienroman, Romanze und Fantasygeschichte. Obwohl Band 1 in gewisser Weise abgeschlossen war, endet der Roman auch mit dem Beginn einer Zeitreise, sodass ich der Fortsetzung regelrecht entgegengefiebert habe. Und Band 2 „Wo die Nacht beginnt“ hat mich in keiner Hinsicht enttäuscht. Auch hier steht die Geschichte (in mehr als einer Hinsicht!) im Vordergrund. Die beiden Protagonisten reisen in das elisabethanische England, was für Matthew nur eine begrenzte Herausforderung darstellt, für Diana jedoch schon. In anderen Romanen, in denen eine Person in die Vergangenheit reist, stellt das neue Leben für diese keine große Herausforderung dar – vielleicht wird mal das Handy vermisst oder die warme Dusche, aber die Heldin/der Held findet sich relativ bald zurecht. Im zweiten Band der Reihe um Matthew und Diana ist dies jedoch anders. Die Autorin schildert Dianas Anpassungsschwierigkeiten sehr detailliert – ob es nun um die Sprache geht, die Art und Weise, wie man damals geschrieben hat, die Schwierigkeit, sich mit der veränderten Kleidung zurecht zu finden … Auch die örtlichen Gegebenheiten in London oder auch Prag schildert Harkness so packend und detailliert, dass man alles vor sich sehen, alles riechen kann. Die gute Nachricht ist, dass Warner Brothers die Rechte an der „All Souls“-Trilogie erwoben hat, denn er verlangt regelrecht danach, verfilmt zu werden. Man spürt einfach, dass hier eine Historikerin am Werk war, die die Fakten wirklich treu recherchiert hat.
Da Harkness auch hier wieder einen 800-Seiten-Schmöker verlegt und viele neue Charaktere einführt – von denen einige fiktiv sind, andere aber reale historische Persönlichkeiten -, war zum einen die Zusammenfassung von Band 1 zum Einstieg sehr hilfreich, zum anderen auch die Personenaufstellung am Ende des Buches, aus der hervorgeht, wer tatsächlich gelebt hat, wer nicht, und welche Funktion die einzelnen Charaktere haben. Harkness versteht sich exzellent darauf, nicht nur die Protagonisten lebensnah und facettenreich zu schildert, auch die Nebencharaktere werden vor den Augen des Lesers lebendig und liefern nicht bloß die „Hintergrundmusik“. Allein schon die Tatsache, dass die Autorin so viele historische Persönlichkeiten und reale Geschehnisse eingeführt hat, lädt dazu ein, im Internet oder einschlägigen Büchern nachzuschauen, was es mit diesen auf sich hat. Während man also in Teil 1 etwas über Wein gelernt hat, lernt man in Band 2 vieles über die europäische (überwiegend aber englische) Geschichte. Und genau das finde ich sehr sympathisch: Ich werde als Leser nicht nur exzellent unterhalten, sondern kann auch noch etwas lernen, ohne dass es sich wie Lernen anfühlt. 🙂

Es gibt jedoch auch Dinge, die mir etwas negativ aufgefallen sind: Am Ende des Buches erfährt man bei Dianas und Matthews Rückkehr nach Sept-Tours, dass eine wichtige Figur aus Band 1 während ihrer Abwesenheit gestorben ist, aber diese Information wird eher so nebenbei geliefert, dass man als Leser doch etwas enttäuscht ist und das Gefühl zurückbleibt, die Autorin hätte diese Figur entweder völlig vergessen oder keine Verwendung für sie gehabt. Das fällt umso deutlicher auf, da der Tod dieser Figur in gewisser Weise heroisch gewesen sein muss. Hier würde ich mir erhoffen, dass man in Band 3 der Trilogie etwas mehr darüber erfährt, was Dianas und Matthews Familien und Freunde während ihrer Abwesenheit erlebt haben.
Darüber hinaus fiel mir zweitens noch auf, dass die wenigen Kapitel, die eingeflochten wurden, um zu illustrieren, inwieweit Dianas und Matthews Handeln in der Vergangenheit Spuren in der Gegenwart hinterlässt, nicht explizit kenntlich gemacht wurden (z. B. indem man ihnen schlicht Gegenwart vorausstellt), den Leser durch die fehlende Markierung aus dem Lesefluss herausreißen, weil er sich fragt, wie diese neue Figur und die Tatsache, dass hier gerade jemand z. B. telefoniert, mit dem gerade Gelesenen in Einklang zu bringen ist.
Aber das größte Manko: Der zweite Band ist zwar durch die Rückkehr in die Gegenwart in gewisser Weise abgeschlossen, aber es bleiben doch noch viele Fragen ungeklärt. Und bis zur Fortsetzung müssen wir sicher wieder ein Jahr warten. 😦

Mein Fazit: Unbedingt lesen!

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