Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: Die falsche Gouvernante

Turano Die falsche GouvernanteNew York, 1880: Lady Eliza Sumner ist auf einer Mission. Sie hat nicht nur gerade ihren Vater, sondern auch ihr Vermögen und dadurch ihren Verlobten verloren. Nun reist sie inkognito nach New York, um dort bei einer wohlhabenden Familie als Gouvernante zu arbeiten. Gleichzeitig hält sie Ausschau nach dem Vermögensverwalter ihrer Familie, der sich mit ihrem Geld abgesetzt hat und jetzt vorgibt, ein englischer Adliger zu sein.
Hamilton Beckett hingegen ist der begehrteste Junggeselle der Stadt. Sehr zu seinem eigenen Leidwesen, hat der gutaussehende Witwer doch alle Hände voll damit zu tun, sich um geschäftliche Probleme und seine beiden unerzogenen Kinder zu kümmern. Da hat ihm die junge Frau, die ihm nachts bei einem Einbruch über den Weg läuft, gerade noch gefehlt. Die beiden erkennen, dass sie einen gemeinsamen Feind haben, und beschließen, sich zu verbünden, und ehe Eliza sich’s versieht, hat sie ein ganzes Gefolge von Menschen um sich geschart, die ihr im Kampf um ihr Vermögen zur Seite stehen wollen.
Elizas Entschlossenheit, ja nur niemandem zu vertrauen, gerät zunehmend ins Wanken – vor allem, als sie erkennt, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als ihr Vermögen und die Rückkehr nach England.

„Die falsche Gouvernante“ ist der erste Roman der Amerikanerin Jennifer Turano und auch der erste Band einer Reihe um eine Gruppe junger Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts. Ich wurde im Frühjahr auf dieses Buch aufmerksam, weil mir das Cover unglaublich gut gefiel. Als mir der Werbetext dann auch noch einen humorvollen historischen Roman versprach, musste ich einfach zugreifen. Und das war auch definitiv eine gute Idee. Die Autorin hat eine lockere, humorvolle Schreibe, zeichnet die Hauptfiguren und auch die wichtigesten Nebenfiguren mit großer Liebe zum Detail – und am Ende sind sie dem Leser so sehr ans Herz gewachsen, dass man einfach wissen will, wie es mit ihnen weitergeht. Und das Gute ist: Auch dafür hat die Autorin gesorgt. Band 2 „A Most Peculiar Circumstance“ erschien im Juni 2013 und behandelt die Geschichte von Hamiltons Suffragetten-Schwester Arabella. Die Rezension dazu gibt’s nächste Woche!
Was leider etwas zu kurz kommt, sind die Beschreibungen der gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit oder nur der äußeren (z. B. politischen) Gegebenheiten. Lediglich über die New Yorker Hochbahn erfährt man etwas; andere relevante Gebäude spielen keine Rolle (zum Beispiel stand damals die Brooklyn Bridge kurz vor ihrer Fertigstellung). Auch krankt „A Chance of Fortune“ an etwas, an dem viele historische Romane kranken: Die handelnden Figuren – allen voran natürlich die Frauen – agieren schlicht zu modern. Sie handeln so und äußern ihre Meinung so, wie eine Frau heutzutage handeln bzw. reden würden.
Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und habe vor allem in den ersten Kapiteln, in denen sich Eliza als übergewichtige, hässliche Gouvernante verkleidet (mit geringem Erfolg), oft laut lachen müssen. Die Autorin verfolgt überhaupt nicht das Ziel, einen anspruchsvollen Historienroman zu schreiben, sondern will schlicht unterhalten, was ihr auch wirklich gelingt.
Noch eine kleine Warnung am Rande: Der Roman erschien im Verlag Bethany House Publishers, einem christlichen Verlag, sodass im Roman auch mal gebetet oder über die Religion gesprochen wird. Dies aber wirklich nur sehr dezent.

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