Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: Zwei wie Hund und Katz

turano zwei wie hund und katz„Miss Arabella Beckett war immer sehr stolz darauf gewesen, dass sie niemals im Gefängnis gelandet war.
Nun, Letztes konnte sie jetzt nicht länger behaupten …“

Eigentlich ist Arabella nur nach Gilman gereist, um eine heiratswütige junge Frau davor zu bewahren, sich an einen völlig Fremden zu binden. Doch die Angelegenheit geht so gründlich schief, dass die beiden hinter Gittern landen und selbst auf Hilfe angewiesen sind. Und Arabella hasst es, auf die Unterstützung anderer angewiesen zu sein – vor allem auf die eines arroganten, engstirnigen Chauvinisten wie Theodore Wilder.
Der Privatdetektiv ist auf Bitten seines Freundes Hamilton Beckett durch das ganze Land gereist, um dessen Schwester nach Hause zu bringen, doch diese ist ihm immer wieder entwischt. So ist er alles andere als guter Laune, als er die abenteuerlustige Frau endlich findet – hinter Gittern. Und als sie sich dann auch noch als streitlustige, dickköpfige Frauenrechtlerin entpuppt, die ihn mit ihren modernen Ideen noch zur Verzweiflung treibt, würde er sie am liebsten auch genau dort lassen.
Sehr zu ihrem Leidwesen kreuzen sich die Wege der beiden gegensätzlichen Menschen nach ihrer Rückkehr nach New York immer wieder – und noch mehr zu ihrem Leidwesen müssen beide sich eingestehen, dass ihre Streitgespräche ihren Begegnungen noch mehr Würze verleihen.
Doch dann muss Arabella feststellen, dass der Ärger, den sie in Gilman verursacht hat, ihr nach New York gefolgt ist und nun ihr Leben bedroht. Und jetzt kann ihr nur noch einer helfen: Theodore.

Als ich im Sommer 2013 den ersten Roman von Jen Turano („Die falsche Gouvernante“) gelesen habe, war das wirklich Liebe auf den ersten Blick. In ihrem zweiten Band um Eliza, Abigail, Arabella und Co. hatte die Autorin mich schon nach den ersten beiden Sätzen überzeugt. Welches Buch beginnt schließlich damit, dass die Heldin im Gefängnis landet? Gemeinsam mit einer „Damsel in Distress“, die selbst hinter Gittern noch mit jedem unverheirateten Mann anbandelt, der nicht schnell genug flüchtet? Was auch noch so beschrieben wird, dass man sich als Leser halbtot lacht.
Daran ändert sich auch nichts, als Arabella dann von Theodore Wilder, den man bereits aus dem ersten Band kennt, gegen ihren Willen aus ihrer misslichen Lage befreit wird. Die junge Frau kennen wir aus Band 1 nur aus den Schilderungen ihrer Familie, doch in „Zwei wie Hund und Katz“ erfahren wir sogleich, dass sie eine Suffragette ist, die sich für das Wahlrecht der Frauen einsetzt und ohne Begleitung überall im Land herumreist, um auf Veranstaltungen zu reden. Theodore Wilder hingegen vertritt lautstark die feste Überzeugung, dass Frauen ins Haus gehören – vielleicht nicht in die Küche, aber mit dem Nähzeug und Kindern in die gute Stube. Als diese beiden leidenschaftlichen Menschen jetzt aufeinandertreffen, kommt es zu zahllosen bissigen, witzigen Begegnungen.
Aber die Autorin bleibt nicht dort stehen. So wie es sich in gewisser Weise für eine Romanfigur „gehört“, lernen die beiden im Verlag der Handlung auch etwas und gehen aus ihren Erlebnissen verändert hervor. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Arabella bspw. lernt, dass sie ihre Überzeugungen anderen nicht aufzwingen kann, da sie vor allem deren Lebensentwürfe nicht wirklich kennt und versteht. Und Theodore überdenkt (natürlich) seine ausgesprochen konservative Haltung gegenüber Frauen.
Die eigentliche Story bleibt nur leicht hinter der Charakterschilderung der beiden bzw. ihren Begegnungen zurück. Die grundlegende Handlung (um nicht zu viel zu verraten nur so viel: Serienmörder, Entführungen) ist spannend genug, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann und unbedingt wissen will, wer was aus welchem Grund getan hat.
Etwas negativ fällt auch hier auf, dass die Beschreibung New Yorks (in unserem Fall spielt Five Points eine Rolle) etwas blass bleibt, wenn sie auch detaillierter und überzeugender ist als im ersten Band. Auch die Darstellung der Frauen, die in Five Points „tätig“ sind, ist meines Erachtens etwas zu romantisch. Es wird zwar deutlich, dass diese „Arbeit“ nicht leicht und sogar außerordentlich gefährlich ist, aber sobald die Frauen sich in einer anderen Umgebung befinden und eine zweite Chance bekommen, nehmen sie diese Hürde mit Leichtigkeit und lassen ihr altes Leben hinter sich. Ich wage zu bezweifeln, dass damals ein wohlhabender New Yorker Frauen vom Gewerbe mit so viel Achtung begegnet ist und sie in sein Haus aufgenommen hat. Na ja … Aber hier kritisiere ich wirklich auf hohem Niveau. 🙂
Auch hier noch eine kleine Warnung am Rande: Der Roman erschien im Verlag Bethany House Publishers, einem christlichen Verlag, sodass im Roman auch mal gebetet oder über Gott gesprochen wird. Dies aber wirklich nur sehr dezent.

Mein Fazit: Wer „Die falsche Gouvernante“ mochte, wird „Zwei wie Hund und Katz“ lieben! Gott sei Dank gibt es Band 3 um die Freundinnen bereits auf Englisch.

Advertisements

3 Kommentare zu „Jen Turano: Zwei wie Hund und Katz

Hinterlasse einen Kommentar ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s