Veröffentlicht in Belletristik

Diana Gabaldon: Echo der Hoffnung (Band 7)

gabaldon echt der hoffnungWir schreiben das Jahr 1777: Die Zeichen stehen schlecht für einen Sieg der Kolonien im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten und die amerikanischen Loyalisten. Nur Claire Randall, die Zeitreisende aus dem 20. Jahrhundert, und ihr geliebter Mann, der schottische Rebell Jamie Fraser, wissen, wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird. Jamie hat in seinem Leben schon in genügend Kriegen gekämpft und will nicht ein weiteres Mal zur Waffe greifen, doch er will mit dem gedruckten Wort die Sache unterstützen. Dazu braucht er seine Druckerpresse, die aber immer noch in Edinburgh steht. Während es überall in den Kolonien zu Auseinandersetzungen kommt, machen sich Jamie und Claire auf den Rückweg in die schottischen Highlands. Doch immer wieder werden sie in das Geschehen hineingezogen …
Auch die nächste Generation der Familie kann nicht in Frieden leben. Fergus Fraser, Jamies Ziehsohn, wird von einem unbekannten Mann verfolgt, der angeblich auf der Suche nach einem verschollenen französischen Adligen ist. Ian McMurray, der Sohn von Jamies Schwester Jenny, will mit den beiden in die Heimat zurückkehren, um seine Familie wiederzusehen, von der er vor zwölf Jahren getrennt wurde. Zurück hält ihn jedoch die Liebe zu der Quäkerin Rachel, die mit ihrem Bruder – einem Arzt – aufseiten der Aufständischen kämpft. Und auch William, Jamies unehelicher Sohn und zugleich Stiefsohn von Lord John Grey, ist in die junge Frau verliebt. Aufseiten der britischen Truppen sammelt er seine ersten militärischen Erfahrungen und muss sich beweisen. Brianna hingegen, die Tochter von Jamie und Claire, ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern in das Jahr 1979 zurückgekehrt und lebt nun in Lallybroch, dem Stammsitz der Familie. Nur durch die Briefe ihrer Eltern, die durch die Jahrhunderte ihren Weg zu ihr gefunden haben, hält sie noch Kontakt mit ihrer Familie. Doch als es zu mysteriösen und gefährlichen Zwischenfällen kommt, erkennt sie, dass ihr Schicksal doch nicht in dieser Zeit liegt …

„Echo der Hoffnung“ ist Band 7 in der Reihe um Claire, eine junge Frau aus dem 20. Jahrhundert, die durch einen geheimnisvollen Steinkreis in das 18. Jahrhundert gereist ist und dort in James Fraser ihre große Liebe und ein neues Leben gefunden hat. Und ich muss gestehen, dass ich zwei Anläufe brauchte, um dieses Buch zu lesen. Einen ersten Anlauf habe ich bereits 2009 unternommen, als das Buch erschien und ich wie wahrscheinlich alle Jamie-und-Claire-Fans schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet habe. Doch drei Dinge haben meine Freude an dem Roman etwas beeinträchtigt: Zum einen war Band 6 „Ein Hauch von Schnee und Asche“ ja bereits 2005 erschienen, und ich hatte die Ereignisse, aber vor allem die unzähligen handelnden Nebenfiguren einfach nicht mehr präsent. Als sich nun Claire und Jamie in Band 7 auf die Heimreise machen, begegnen sie – gefühlt – so ziemlich jeder Figur, die in den letzten Bänden eine Rolle gespielt hat – und zugegebenermaßen kann ich mich nicht an alle Highlander und Huren, Soldaten und Spione erinnern, die darin vorkamen. Daher war das ganze Geschehen etwas verwirrend.
Zweitens gibt es im Grunde drei (oder sogar ansatzweise vier) Erzählstränge: Der Leser folgt Jamie und Claire, die Fraser’s Ridge verlassen und sich (gemeinsam mit Ian) auf die Heimreise nach Schottland machen. Dann folgt man William (und auch John Grey), der zum ersten Mal in seinem Leben in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt wird und sich bewähren muss. Und last but noch least folgt man Brianna und Roger, die aufgrund einer Herzerkrankung ihrer Tochter in das Jahr 1979 zurückgekehrt sind. Jamie und Claire faszinieren mich als Fan der Reihe sowieso (wenn der Schotte auch unglaublich viel Glück und mittlerweile sicher fünf seiner neun Leben aufgebraucht hat :-)); John Greys Geschichte lese ich auch in den übrigen expliziten JG-Romanen mit großer Begeisterung; nur mit Briannas und Rogers Erlebnissen werde ich nicht wirklich warm – was auch in den Vorgängerbänden schon der Fall war. Ich kann einfach nicht verstehen, was Brianna an diesem Waschlappen findet, der auch in diesem Buch nur herumjammert. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn ein Roman mehrere Erzählstränge bietet. Aber ich bekomme zunehmend das Gefühl, dass dieses Stilmittel ein wenig auf Kosten des Tiefgangs geht. Dennoch gelingt es der Autorin, diese unterschiedlichen Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen, was ja auch eine Kunst ist – und was durchaus aufgeht.
Drittens hat Gabaldon die Ereignisse um die amerikanische Unabhängigkeit sorgfältig und exzellent recherchiert. Das spürt man durchaus. Aber leider finden sich Claire und Jamie (und auf der britischen Seite William und John) – ebenfalls gefühlt – auf jedem Schauplatz wieder, an dem sich etwas Historisches ereignet hat, und sie begegnen jeder Person, die in diesem Unabhängigkeitskrieg eine Rolle gespielt hat. Für einen Nichtamerikaner bzw. Nichthistoriker ist das nicht unbedingt brennend interessant, und leider hatte ich so manches Mal das Gefühl, dass sich Episoden um unsere Protagonisten nur der historischen Bedeutung wegen ereigneten, für die eigentliche Handlung aber nicht wirklich relevant waren. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Es hätte dem Buch an der einen oder anderen Stelle nicht geschadet, wenn man bestimmte Dinge gestrafft hätte.

Warum habe ich das Buch also trotzdem gelesen? Nun, zum einen liegt es schlicht daran, dass gerade „Ein Schatten von Verrat und Liebe“ (Band 8 der Highlander-Saga) erschienen ist und ich die Ereignisse von Band 7 nachholen musste, um mich in den neuen Roman einzufinden (und es stand außer Frage, dass ich mir das neue Buch kaufe).
Zum anderen ist kürzlich im amerikanischen Fernsehen die Verfilmung von „Outlander“ (aka „Feuer und Stein“) angelaufen und hat vom ersten Augenblick an meine Liebe zu den Romanen und vor allem zu den Figuren wieder neu geweckt.
Also habe ich mich bei Band 7 durch den zähen Einstieg (sprich, die ersten 200 bis 500 Seiten – je nachdem, wie man es sieht) gekämpft. Spätestens als Claire und Jamie dann Schottland erreicht haben, mit alten Animositäten und neuen Tragödien konfrontiert werden, findet auch Gabaldon zu ihrer Emotionalität zurück, und so habe ich dann die letzten 200 Seiten regelrecht verschlungen, denn da wusste ich wieder, warum ich die Romanreihe so liebe: Sie berührt mich emotional, reißt mich mit, begeistert mich mit ihren Ideen und ihrem Wortwitz.
Viele Rezensenten bemängeln, dass Claire und Jamie nun in die Jahre gekommen sind und das „Feuer“ der ersten Bände verlöscht ist. Aber ist das Leben nicht so? Welches (Ehe-)Paar springt schon mit Mitte fünfzig bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ins Heu? Stattdessen haben wir mit Jamie und Claire zwei reife Menschen, die ihr Leben auf die beste Weise miteinander teilen, die vieles miteinander erlebt haben und jetzt auch miteinander schweigen können, die dem anderen nicht unablässig hinterherschmachten, sondern die innere Gewissheit haben, dass der andere „da“ ist, auch wenn er nicht präsent ist.
Aber auch die Geschehnisse um Ian und William habe ich sehr genossen. Ian, der für mich immer noch irgendwie ein Sohn von Jamie ist, kehrt als gestandener Mann – und halber Indianer – zu seiner schottischen Familie zurück und muss nach vielen Wiedersehen doch unerwartet wieder Abschied nehmen. In den Kolonien lernt er darüber hinaus Rachel kennen, eine junge Quäkerin, in die er sich verliebt, was aber nicht unproblematisch ist, da der friedliebende Lebensstil der Quäker so gar nicht zu seiner kämpferischen Art passt. Auch da wird er nach einem Ausweg suchen müssen … Jamies „anderer“ Sohn William, der aus einem One-Night-Stand mit Geneva Dunsany stammt, hat von seinem Stiefvater John Grey einen Sinn für Ehre übernommen und will sich nun im Kampf gegen die Aufständischen hervortun. Was ihm anfänglich nicht wirklich gelingt … Auch er verliebt sich in die junge Rachel. Doch was seine Welt dann aus den Angeln hebt, ist die Erkenntnis: „Du bist ein stinkiger Papist […], und dein Taufname ist James.“ Will sagen: Der Earl of Ellesmere war gar nicht sein wirklicher Vater. Stattdessen ist er der Bastard eines schottischen Rebellen, der als Offizier gegen die Briten kämpft. Interessant wird hier sein zu erfahren, wie er diese Erkenntnis verarbeiten und was er damit anfangen wird. Wird er John verzeihen? Jamie kennenlernen wollen?

Mein Fazit: Der Roman hat durchaus Schwächen, aber wenn man am Ball bleibt, wird man das finden, was man auch an den Vorgängern liebte … und man wird weiterlesen wollen, da das Buch mit einem fiesen Cliffhanger endet. Grrrr. 😉

By the way: Der Schutzumschlag lässt sich zu einem kleinen Poster aufklappen und bietet den Stammbaum der McKenzies und Frasers. Nichtsdestotrotz wäre mittlerweile ein Personenverzeichnis im Innenteil des Buches imho eine sehr gute Idee …

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