Veröffentlicht in Belletristik

Brigitte Kanitz: Mord mit Schnucke

kanitz mord mit schnuckeDa sie etwas Abstand von ihrem untreuen Ex braucht und sie sich an ihrem nächsten Arbeitsort gegen ihren neuen Chef zur Wehr setzt, der ihr an die Wäsche will, wird die (ehemalige) Hamburger Kommissarin Hanna Petersen nach Hassellöhne strafversetzt. Hassellöhne ist ein winziges Örtchen in der Lüneburger Heide, in dem jeder jeden kennt und das schlimmste Verbrechen das Wildern von Heidschnucken ist. Doch die Idylle trügt …
Als bei Jagd ein Hamburger Banker ums Leben kommt, ist Hanna davon überzeugt, dass es kein Unfall war. Ihre Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig: Die Hasellöhner schweigen wie ein Grab, Graf Fallersleben (der „große Mann“ des Ortes) legt ihren Ermittlungen Steine in den Weg, und der junge Dorfpolizist Fritz Westermann – aka ein nordischer Gott – verwirrt Hanna mit seinem Charme. Das gilt übrigens auch für den örtliche Arzt Johann Johannsen, der irgendetwas zu verbergen hat. Nur die alte Luise steht ihr bei – mit selbstgebrautem Wacholderschnaps, der alle Probleme dieser Welt lösen soll …

„Mord mit Schnucke“ stand schon vor Erscheinen auf meiner Amazon-Wunschliste (allerdings ohne Priorität) – weniger, weil weil ich davon ausging, dass die Hamburger Autorin Brigitte Kanitz das Genre neu erfindet, sondern weil mir die Werbung und auch das Buchcover eine amüsante Geschichte versprachen. Und genau das habe ich auch bekommen: einen unterhaltsamen Schmöker, dem man mal eben so weglesen kann. Das Buch ist nicht allzu anspruchsvoll (sorry), locker geschrieben und humorvoll, malt ein sehr gutes Bild von dörflichen Gemeinschaften – und am liebsten möchte man sich gleich ins Auto setzen, um mal in die Lüneburger Heide zu fahren.
Mit der Protagnistin Hanna liefert die Autorin die übliche toughe Kommissarin, die erst einmal das Vertrauen und den Respekt der Dorfbewohner gewinnen muss und so manches Mal lieber den Mund halten sollte (weil sie sich für etwas Besseres hält), aber all das sorgt für sehr viel Situationskomik. Na ja, haben wir schon hundertmal gelesen, war aber trotzdem sehr unterhaltsam. Ich habe einfach eine Schwäche für Figuren mit einer inneren Stimme, die immer wieder für amüsante Kommentare sorgt.
Die übrigen Figuren sind ebenfalls sehr schön gezeichnet: der gutaussehende Dorfpolizist Fritz, der ihr zuerst die Stelle neidet, da er diese gerne gehabt hätte, und der Hannas Handy ständig mit neuen Klingeltönen bestückt. Die alte Luise, deren Wacholderschnaps alle mit großer Begeisterung trinken – mit den üblichen Ausfällen, die aber die gute Seele des Hauses ist. Und nicht zuletzt der örtliche Mediziner Johann, der ein Geheimnis verbirgt, das aber – wie sich herausstellt – nicht soo gravierend ist.
Vor diesem Hintergrund spielt die eigentliche Krimihandlung stellenweise eine nachgeordnete Rolle, aber nichtsdestotrotz ist auch die nicht zu simpel gestrickt.

Mein Fazit: Prima Geschichte, genau das Richtige für den Urlaub. Und wenn die Autorin noch eine Fortsetzung schreiben würde, würde ich die jederzeit ebenfalls kaufen.

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3 Kommentare zu „Brigitte Kanitz: Mord mit Schnucke

  1. Ich finde „anspruchslos“ gar nicht mal abwertend. Auch solche Bücher haben bei mir, wenn sie gut gemacht sind, ihre Berechtigung. „Mord mit Schnucke“ habe ich gelesen – mit dem selben Ergebnis wie Du, man kann damit mal abschalten, sich einfach wegdriften lassen und einfach unterhalten lassen, es gibt auch was zu Schmunzeln und natürlich ein Happy End. Insofern hat das Buch seinen Zweck absolut perfekt erfüllt.
    LG Gabi

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