Veröffentlicht in Belletristik

Sandra Regnier: Pan-Trilogie

regnier pan-trilogieAls der über alle Maßen gut aussehende Leander „Lee“ FitzMor an ihrer Schule auftaucht, ist die siebzehnjährige Felicity Morgan wahrscheinlich das einzige Mädchen, das sich nicht für ihn interessiert. Schließlich hat sie wirklich ganz andere Probleme, als sich über den Frauenschwarm den Kopf zu zerbrechen. Da wären zum einen der schlecht laufende Pub ihrer Mutter, in dem sie fast jede Nacht aushelfen muss, zum anderen der in illegale Machenschaften hineingezogene Bruder und nicht zuletzt ihr Übergewicht und ihre blöde Zahnspange.
Doch was sie nicht weiß: Es gibt eine jahrhundertealte Prophezeiung, die besagt, dass Fay entweder die Rettung oder aber der Untergang der Elfenwelt bedeutet. Mit ihrer Geburt sollen die sogenannten Insignien Pans verschwunden sein, und nur ihr sei es vergönnt, diese wiederzufinden. Doch das ist noch nicht alles: Sie ist laut Prophezeiung auch dazu bestimmt, einen illegitimen (Halb-)Elfen zu heiraten: Lee.
Nicht nur die Elfen haben lange auf ihre Geburt gewartet. Auch die mit ihnen verfeindeten Drachen(-Kinder) sind im Besitz einer Prophezeiung, und darin heißt es, dass die Seite, für die sich Fay entscheidet, auch den Kampf zwischen den beiden Parteien gewinnen wird. Und so findet sie sich schließlich gegen ihren Willen in einer uralten Auseinandersetzung zwischen Elfen und Drachen wieder …

Ich bin durch eine Rezension in einem Blog über die Trilogie gestolpert und war froh zu sehen, dass man alle drei Bände zusammen als E-Book erwerben kann. Ich hätte mich wahrscheinlich auch sehr geärgert, wenn die Trilogie noch nicht abgeschlossen gewesen wäre oder ich nach der Beendigung eines Buches erst noch das nächste hätte kaufen müssen, denn die Bände 1 und 2 enden mit Cliffhangern. Und bevor ich meinen spitzen Stift hervorhole und ein paar deutliche Worte zu einigen Dingen sage, die mich gestört haben, möchte ich vorausschicken, dass ich die Geschichte wirklich mochte und sie in zwei Tagen verschlungen habe. Ich bin Romantikerin genug, dass eine schön geschriebene Geschichte über eine geweissagte Liebesbeziehung zwischen einem (zunächst) normalen Mädchen und einem (Halb-)Elfen auf jeden Fall mein Interesse weckt. Und eigentlich hat die Geschichte mich auch nicht enttäuscht. Natürlich war vorauszusehen, dass es ein Happy End geben würde (und auch nahezu ohne einen bitteren Beigeschmack, wie das heutzutage in dystopischen oder Fantasy-Trilogien üblich ist). Aber das war auch nicht schlimm – die bis dahin erlebten Abenteuer sind es, die zählen. 🙂 Und die Figuren, die diese Abenteuer erleben.

Felicity (aka Fay) ist 17, leicht übergewichtig, Zahnspangenträgerin und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Ihre beiden älteren Geschwister sind bereits ausgezogen. Anne ist verheiratet, hat ein Kind und erkannt, dass das wohl alles ist, was sie in ihrem Leben zu erwarten hat. Auch Philip bekommt sein Leben nicht auf die Reihe; er ist ein Spieler, der Felicity durch seine Schulden in Gefahr bringt. Und Felicity selbst? Sie träumt davon, Lehrerin zu werden, steht aber Nacht für Nacht hinter dem Tresen im Pub ihrer Mutter und taucht fast jeden Morgen unausgeschlafen und ungeduscht im Unterricht auf. Alles andere als eine Retterin der übernatürlichen Welt. Aber gerade dadurch schafft die Autorin natürlich ein hohes Identifikationspotenzial für die Leserin – sie ist vermutlich die personifizierte Mary Sue (no offense), denn viele von uns sind oder fühlen sich zu dick, die Haare liegen nicht, wir rennen Träumen hinterher, und wer wäre nicht das Objekt der Liebe eines gigantisch gut aussehenden Elfen jungen Mannes? Und würde sich nicht auch gern als etwas Besonderes entpuppen?

Und Lee ist nicht nur ein extrem gut aussehender Zeitgenosse, er ist auch noch eine Art James Bond von Anderwelt, der immer wieder Zeitreisen unternimmt, um irgendwelche historischen Ereignisse zu korrigieren oder Kriminalfälle zu lösen. Und natürlich liegen ihm die Frauen (und Elfinnen und Nymphen und vermutlich auch alles andere) regelrecht zu Füßen. Wenn die Autorin dies einige hundert Mal weniger erwähnt hätte, wäre es mir sicher auch klar gewesen. 🙂 Im Gegensatz zu Felicity weiß er, dass sie füreinander bestimmt sind; deshalb wird er Schüler an ihrem College, um sie näher kennenzulernen. Und während er aufgrund ihres Aussehens zunächst enttäuscht ist, verliebt er sich natürlich nach und nach in sie, als er merkt, wie selbstlos und loyal sie ist.

Komplettiert wird das Figurenkabinett noch von ihren Freunden sowie von Ciaran und Eamon, zwei von Lees Vettern. Vor allem Ciaran entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als ein doch viel facettenreicher Charakter, als ursprünglich angenommen (mehr kann ich nicht sagen … Spoileralarm); Eamon dient zumindest ansatzweise als eine Ecke eines Liebesdreiecks, das aber nicht wirklich sehr ausgeprägt ist.

Erzähltechnisch war ich, wie gesagt, froh, dass mir gleich alle Bände der Trilogie vorlagen. In Band 1 werden die Charaktere eingeführt, es wird deutlich, dass Fay besondere Fähigkeiten besitzt (aber nicht, warum), eine Prophezeiung wird erwähnt … aber mehr auch nicht. Ich wäre sicher enttäuscht gewesen, wenn mir nur dieses erste Buch zur Verfügung gestanden hätte. Zum einen kam es mir so vor, als hätte man einiges durchaus straffen können. Zum anderen gab es hier ein Problem, das es oft in Romanen gibt: Die Hauptakteure reden nicht miteinander. Lee redet um den heißen Brei herum, wenn Fay gezielt nachhakt, antwortet er ausweichend. Und Fay wiederum erlebt seltsame Dinge, redet aber mit niemandem darüber, selbst als deutlich wird, dass Lee ihr vielleicht weiterhelfen kann. In anderen Kapiteln der Trilogie hat das übrigens besser geklappt, wenn Lee Fay davon abhält, aus einer Situation zu flüchten. In diesen Situationen besteht er darauf, dass sie über bestimmte Probleme sprechen. Das kommt in Romanen viel zu selten vor. Stattdessen muss man dann als Leser erleben, dass die Protagonisten viele Kapitel brauchen, bis sich Missverständnisse geklärt haben.

In Band 2 erfährt man dann mehr, unsere Heldin geht auf (weitere historische) Reisen, es gibt Action und Humor (ich sage nur: keine Unterwäsche!) und unerwartete Wendungen, und ich habe die Kapitel wirklich verschlungen. Natürlich gibt es auch das obligatorische Hin und Her zwischen Fay und Lee: Einerseits kann sie sich nicht seinem Charme entziehen, ist aber andererseits auch abgeturnt, weil er in ihrer Gegenwart mit allen Frauen flirtet, die ihm über den Weg laufen. Wenig erwachsen, wenn man bedenkt, dass er schon über 300 Jahre alt ist (hatte ich ja noch gar nicht erwähnt). Ganz zu schweigen davon, dass es mir schleierhaft war, wie er erwarten kann, dass sie sich – wie von der Prophezeiung angekündigt – in ihn verliebt, wenn klar ist, dass er seine Zuneigung so breitflächig verteilt. Aber natürlich verliebt er sich ja wirklich in sie und flirtet nur aus beruflichen Gründen mit anderen Frauen. Ähem. Als Leserin weiß man natürlich, dass aus den beiden noch etwas werden wird, aber rein realistisch betrachtet, machen die es sich auch sehr schwer. Stichwort mangelnde Kommunikation: Lee verschwindet wochenlang, und Fay sieht in diversen Visionen, dass er angekettet in einer Höhle hängt. Warum spricht sie nicht wenigstens mit Ciaran darüber? Wenn ihre Verzweiflung wirklich so groß ist, wie man uns glauben machen will, warum wendet sie sich dann nicht an den Elfen, den sie tagtäglich in der Schule trifft?!

In Band 3 spielen dann die Insignien Pans eine größere Rolle – allerdings fand ich diesen Teil etwas überstürzt und verwirrend. Sind es nun drei oder vier oder sogar sieben? Welches sind die echten, welches Fälschungen? Und natürlich endet die Geschichte dann auch mit einer großen Entscheidungsschlacht, den obligatorischen Verrätern und Opfertoden … Man sitzt wirklich auf der Stuhlkante, weil diese letzten Kapitel sehr actionreich sind, sich vieles aufklärt, und natürlich kriegen sich unsere beiden Helden auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende … 😉

Auch wenn in diesen Absätzen viel Kritik mitschwingt, habe ich die Geschichte wirklich sehr genossen und würde sie weiterempfehlen – ich würde auch auf jeden Fall zur Trilogie-Ausgabe greifen. Die Autorin hatte viele schöne Einfälle und Wendungen, die Zeitreisen waren sehr schön beschrieben (gerne mehr davon!), und die Figuren boten ein hohes Identifikationspotenzial, wenn sie sicher auch nicht allzu facettenreich waren. Aber das war okay, wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich nicht zu YA-Fantasy. Auch die Schreibe der Autorin ist angenehm. Leicht und ohne allzu viele Beschreibungen, aber die Geschichte richtet sich ja auch an Teens ab 14 Jahren, die fühlen sich hier sicher zu Hause.

Was mich an dieser Trilogie aber aus handwerklicher Sicht geärgert hat: Sie wurde grottenschlecht Korrektur gelesen. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Ich habe kein Problem damit, wenn mal ein Komma fehlt oder ein Rechtschreibfehler auftritt – niemand ist perfekt, und die Trilogie ist ja mit knapp 900 Seiten sehr umfangreich. Aber ich habe schon seit Langem kein Buch mehr gelesen, in dem so viele Kommata fehlten oder so offensichtlich falsch gesetzt waren! Ganz zu schweigen von „normalen“ Rechtschreibfehlern in Form von fehlenden Buchstaben oder fehlenden Wörtern. Hinzu kommen noch grammatikalische Fehler und ein Deppenapostroph … Was mich aber am meisten verärgert hat: die in Buch 1 und 2 inflationäre Verwendung von „die Augen rollen“. Nicht genug, dass die handelnden Figuren dies gefühlt ständig tun, diesen Begriff gibt es schlicht im Deutschen nicht (und die Autorin ist Deutsche!). Er geht auf das englische „to roll one’s eyes“ zurück, der aber im Deutschen mit „die Augen verdrehen“ übersetzt wird. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Überkreuzen der Arme, was einige Figuren hin und wieder tun. Nein, im Deutschen überkreuzt man die Arme nicht, man verschränkt sie. Solche Sachen hätten spätestens im Lektorat überarbeitet werden müssen, was aber offensichtlich nicht geschehen ist. Das gilt ebenfalls für einige andere sprachliche Unschönheiten. Schade. Auch hier gilt: Ich erwarte keine Perfektion – gerade im Jugendliteraturbereich nicht. Und jeder von uns hat Wendungen, die er einfach gern und oft benutzt, und solche, auf die er „allergisch“ reagiert. Hier wurde aber imho einfach nachlässig gearbeitet.

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3 Kommentare zu „Sandra Regnier: Pan-Trilogie

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