Veröffentlicht in Belletristik

Terry Goodkind: Das erste Gesetz der Magie (Das Schwert der Wahrheit #1)

goodkind schwert der wahrheit Der junge Richard Cypher führt ein beschauliches Leben in den Wäldern Westlands. Doch die Idylle wird durch den schrecklichen Mord an seinem Vater George zerstört. Auf der Suche nach dem Mörder rettet er Kahlan, eine junge Frau, vor ihren Verfolgern. Sie stammt aus den Midlands, einem Reich, in dem Magie zum Alltag gehört und das durch eine magische Barriere von Westland getrennt wird. Ihre Mission ist es, die Katastrophe zu verhindern, die den drei Ländern Midlands, Westland und D’Hara bevorsteht. Denn der Tyrann Darken Rahl ist dabei, in den Besitz dreier magischer Kästchen zu gelangen und die Welt mit ihrer Hilfe ins Chaos zu stürzen.
Schon bald stellt sich heraus, dass die Ziele der beiden eng miteinander verknüpft sind. Denn Richard ist der Sucher, vom Schicksal dazu ausersehen, das Schwert der Wahrheit zu führen. Gemeinsam mit dem Zauberer Zedd machen sich die beiden auf eine beschwerliche Reise durch die Midlands, um das letzte noch verborgene Kästchen vor Rahl zu finden und in Sicherheit zu bringen. Dabei finden sie neue Verbündete – und neue Feinde. Für Richard wird es eine Reise, die ihn mehr kosten wird, als er ahnt …

„Das erste Gesetz der Magie“ ist der Auftaktband des „Das Schwert der Wahrheit“-Zyklus des amerikanischen Fantasyautors Terry Goodkind – und mit gut 1.000 Seiten auch ein sehr umfangreicher. Doch das Buch ist alles andere als langatmig, sondern über weite Strecken ausgesprochen kurzweilig und packend. Das Erzähltempo ist schnell und actionreich, der Schreibstil ist relativ einfach und leicht verständlich – wodurch aber bei mir das eine oder andere Mal das Gefühl aufkam, dass er etwas zu modern ist und zu wenig zur etwas „mittelalterlichen“ Storyline und zum Fantasygenre passt. Es wurden auch Worte verwendet, die m. E. nichts in einem Buch dieses Genres zu suchen haben (aber da ich das Buch im Urlaub gelesen habe, habe ich mir diese Passagen leider nicht markiert).
Obwohl das Buch so umfangreich ist, habe ich doch etwas die ausführlicheren Beschreibungen der Landschaften vermisst, aber vor allem der Historie der drei Länder. Man erfährt ansatzweise, wodurch es vor Jahren zur Trennung der Länder und zur Errichtung der magischen Grenzen kam, die eigentlich nicht übertreten werden können, aber alles wirkt nicht so „rund“ und fundiert, wie es beispielsweise in Tolkiens „Herr der Ringe“ der Fall ist, mit dem Goodkind auf dem Cover des Buches verglichen wird.
Ein Stück weit wirkt sich das auch auf die Zeichnung der unterschiedlichen Charaktere aus, die für mein Gefühl nicht facettenreich genug war; stattdessen waren sie etwas zu stereotyp: Richard ist der durch und durch integere Waldläufer, er ist ehrlich, rechtschaffen – und da er sich (unglücklich, wie er glaubt) in Kahlan verliebt, bricht er für meinen Geschmack auch viel zu häufig in Tränen aus. Jedenfalls für den Helden eines Buches. Wahrscheinlich wollte Goodkind damit deutlich machen, wie groß diese Liebe ist und wie verzweifelt unser Held, aber dennoch heult er einfach zu häufig. 🙂 Außerdem bringt er eine große Portion Naivität mit, denn – für die Dramaturgie der Story sicher nötig – er vertraut einer Person, die ihn dann betrügt. Und das, obwohl der Leser vom ersten Augenblick an ahnt weiß, dass diese Figur auf der Seite der Verschwörer steht. Der einzige Zeitpunkt, zu dem ich Richard interessant fand, war seine Interaktion mit den Mord-Sith und seine „Ausbildung“ durch Denna. Das war die Stelle, an der er für mich – auch dramaturgisch – interessant wurde.
Zedd, der letzte noch übrig gebliebene große Zauberer, besitzt im Laufe des Romans gar nicht sooo großartige Fähigkeiten, aber dafür ist er ständig hungrig. Von seinem ersten bis zu seinem letzten Auftreten.
Und Kahlan? Die ist die seit ihrer Kindheit unter ihren Fähigkeiten leidende Mutter Konfessor, unglaublich schön und natürlich sofort in Richard verliebt. Auch sie wurde für mich erst in dem Augenblick interessant, in dem sie ihre Selbstbeherrschung verliert und ihre Fähigkeiten gebraucht. Bis dahin war sie einfach zu … gut. Kein realer Mensch ist einfach nur gut oder nur schlecht.
Deshalb fand ich sicher auch Darken Rahl faszinierend. Er ist natürlich durch und durch schlecht, aber ihm gelingt es an der einen oder anderen Stelle auf eine so interessante Art und Weise die Menschen zu manipulieren, ohne dass sie es zwingend merken, dass ich wirklich gepackt war.

Das erste Gesetz der Magie lautet übrigens: Die Menschen sind dumm. Okay, es lautet: Die Menschen glauben, was sie glauben wollen. Das zeigt sich in unterschiedlichen Episoden und spielt auch zusammen mit Richards Neigung, (viele) Dinge erst einmal verstandesmäßig zu hinterfragen und nicht allem gleich Glauben zu schenken, was sich ihm präsentiert. Nicht nur an dieser Stelle hat Goodkind sicher auch eine Botschaft für den Leser eingebaut, über die dieser lange nachdenken kann.

Mein Fazit: Ich hatte – Asche auf mein Haupt – an diesem Buch mehr Freude als an den Bänden der „Lied von Eis und Feuer“, die ich gelesen habe. Die Geschichte wird einfach straighter erzählt, und man kann das Buch auch einmal zur Seite legen, ohne beim erneuten Zur-Hand-Nehmen darüber nachgrübeln zu müssen, wer mit wem noch mal wie verwandt oder verfeindet oder verbündet war. 🙂

PS: Die ersten beiden Romane der Reihe „Das Schwert der Wahrheit“ wurden übrigens ab 2008 unter dem Titel „Legend of the Seeker“ als TV-Serie verfilmt.

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4 Kommentare zu „Terry Goodkind: Das erste Gesetz der Magie (Das Schwert der Wahrheit #1)

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