Veröffentlicht in Belletristik

Bernard Cornwell: Sharpes Sieg (Sharpe-Serie Band 2)

cornwell sharpes siegIndien, 1803. Arthur Wellesley ist der Gouverneur der 1799 eroberten Stadt Mysore. Sergeant Richard Sharpe ist einem Versorgungsoffizier der Stadt unterstellt und führt mithilfe der bei der Ermordung des Tippu gestohlenen Juwelen ein angenehmes Leben. Eines Tages wird Sharpe von seinem Vorgesetzten beauftragt, mit einem kleinen Trupp nach Chasalgaon zu reiten, um dort eine Ladung neuer Gewehre in Empfang zu nehmen. Die Festung der kleinen Stadt wird jedoch kurz darauf von Major Dodd überfallen, einem Deserteur der East India Company, der nun in Diensten der Marathen-Konföderation steht (einem indischen Verbund unabhängiger Staaten, die sich gegen die britischen Eindringlinge auflehnen). Dodd stiehlt die Waffen und masakriert mit seinen Soldaten alle Bewohner der Stadt – nur Sharpe. Und er schwört Rache.
Zurück in Mysore wird Sharpes Mentor Colonel McCandless auf Dodd angesetzt, der sich Sharpes Unterstützung erbittet. Beide machen sich mit dem Rest der britischen Armee auf den Weg nach Ahmadnagar, einer indischen Stadt, die die Briten erobern wollen und die von den Truppen von Major Dodd gehalten wird. Die Briten erringen den Sieg – Dodd gelingt jedoch mitsamt seiner Armee die Flucht. Erneut heften sich McCandless und Sharpe auf die Fersen des Deserteurs – verfolgt von Sergeant Obadiah Hakeswill, der Sharpe mehr hasst als alles andere und vermutet, dass Sharpe die Juwelen des Tippu gestohlen hat und deshalb ein gutes Leben führt. Hakeswill ist es durch eine Falschaussage gelungen, Sharpe den Überfall auf einen Offizier anzuhängen und einen Haftbefehl zu erhalten, der Sharpes Untergang bedeutet.
McCandless und Sharpe sehen ihre Chance gekommen, mehr über Dodd, aber auch über die gesamte Armee der Konförderation in Erfahrung zu bringen, als sie entdecken, daß die Frau eines französischen Offiziers, der ebenfalls in den Diensten ihrer Gegner steht, in Ahmednuggur zurückgeblieben ist. Doch wider Erwarten, ist Pohlmann, der Anführer der Gegner, ihnen sehr sympathisch – auch nimmt er die Anstrengungen der kleinen britischen Armee, seine eigenen Truppen zu besiegen, nicht ernst.
Schließlich kommt es in der Nähe der Stadt Asseye zu einer großen Schlacht zwischen der 100.000 Mann starken Armee der Konförderation und den ca. 15.000 Soldaten der britischen Armee – und in dieser Schlacht entscheidet sich das Schicksal des ehrgeizigen Richard Sharpe …

„Sharpes Sieg“ ist – rein chronologisch – Band 2 der Romanserie um den Aufstieg des Engländers Richard Sharpe in der Armee des späteren Lord Wellington. Wie auch die übrigen Bände der Reihe ist das Buch sehr spannend, extrem gut recherchiert und sehr gut geschrieben. Der Autor nimmt den Leser mit hinein in die Geschehnisse um die Schlacht von Assaye, die der damalige General Arthur Wellesley später als seinen größten Sieg bezeichnen würde, weil er mit einer kleinen Armee von ca. 15.000 Männern die Marathenarmee mit etwa 100.000 Soldaten besiegte. Ein schier unglaublicher Kampf, dem Cornwell in seinem Roman etwa 150 Seiten widmet, wodurch man als Leser ganz nah dran ist am Geschehen. Man kann den Rauch der Kanonen regelrecht riechen, meint, das Schreien der sterbenden Männer hören zu können – kurzum: Man fiebert wirklich mit, weil es Cornwell gelingt, die Schrecken und die Brutalität des Krieges anschaulich zu schildern. Im Anhang finden sich auch hier kurze Hintergrundinfos, die den Leser darüber informieren, wo Cornwell sich Freiheiten herausgenommen und wo er die historischen Ereignisse treu wiedergegeben hat.
Die Figuren des Romans sind ebenfalls wieder glaubwürdig gezeichnet. Es gibt hier keine ausschließlich „Guten“ oder „Bösen“, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Auf beiden Seiten dieses Kampfes gibt es Männer, die, vom Ehrgeiz getrieben, alles tun, um ihr Ziel zu erreichen, um zu Geld und Macht zu kommen. Auf beiden Seiten gibt es Männer, die einfach nur fürs Überleben, für ihr Land und/oder ihre Ehre kämpfen und sich nicht von gesellschaftlichen Gepflogenheiten bestimmen lassen wollen. Aber – mit Ausnahme von Hakeswill und Dodd – keine der Figuren ist ausschließlich gut oder nur böse, sondern erstaunlich facettenreich.

Fazit: Selbst wenn man sich weder für die Historie Großbritanniens noch für Militärromane interessiert, wird man diesen Roman verschlingen.

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