Veröffentlicht in Belletristik

Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg

cornwell sharpe6 aufstieg1809. Bitterer Winter beherrscht den Norden Spaniens. Die britischen Truppen ziehen sich nach La Coruña zurück. Lieutenant Richard Sharpe und eine versprengte Abteilung Schützen sind auf sich allein gestellt, eingekreist von der siegreichen Armee Napoleons. Sie haben nur eine Chance: wenn sie sich Major Blas Vivar und seinen spanischen Aufständischen anschließen. Doch das hat seinen Preis, denn Vivar will die Stadt Santiago de Compostela befreien, die von französischen Truppen besetzt ist. Sharpe und seinen Männern bleibt nichts anderes übrig, als einmal mehr ihren unbeugsamen Willen zu beweisen, um sich gegen die feindliche Übermacht durchzusetzen.
Was Sharpe und seine Männer zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen: Blas Vivar trägt in einem Kasten, den er mit sich führt, nicht irgendwelche Dokumente oder spanischen Schätze mit sich. Er will ein mysteriöses jahrhundertealtes Banner hissen, um so die spanische Bevölkerung zum Aufstand zu bewegen …

„Sharpes Aufstieg“ ist chronologisch gesehen Band 6 der Reihe um den britischen Soldaten Richard Sharpe (aber der erste, den der Autor verfasst hat) und der erste, der auf der spanischen Halbinsel spielt. Und er ist auch der erste, der in den 1980er-Jahren mit Sean Bean in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Der Inhalt des Romans weicht jedoch deutlich vom Film ab, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass der Film die Figur des Richard Sharpe und ihren militärischen Aufstieg erst einmal einführen muss. Ganz zu schweigen davon, dass ein Film ja oft die Handlung des Buches strafft und so Längen vermeidet. Trotz alldem ist es Cornwell sehr gut gelungen, den Protagonisten zu charakterisieren und auch für den Leser „weiterzuentwickeln“, der seine Vorgeschichte bereits kennt. Anschaulich wird beschrieben, dass es nicht nur den unter ihm dienenden Soldaten schwerfällt, das Kommando Sharpes zu akzeptieren. Auch er selbst muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass er nun nicht länger nur ein Soldat ist, der ausschließlich sein eigenes Überleben im Sinn hat. Er ist nun für die Männer verantwortlich und trägt Verantwortung. Wie Sharpe diese Erkenntnis gewinnt und langsam umzusetzen versteht, zeigt Cornwell sehr anschaulich.
Auch sehr gut beschrieben: der „Aufstieg“ von Sharpes späterem Sergeant Patrick Harper. In den Filmen sind die beiden gute Freunde, aber vor allem im Buch beschreibt der Autor sehr gut, wie sehr Harper seinem Vorgesetzten den Rücken freihält und ihn auch in gewisser Hinsicht lenkt, wenn wieder einmal die Hormone mit Sharpe durchgehen. 🙂 Der Buch-Sharpe hat noch viel stärker als seine Film-Version eine Schwäche für Damsels in Distress.
Daneben zeichnet sich auch dieser Roman wieder durch eine große historische Genauigkeit aus. Cornwell lässt den Leser miterleben, wie sich die Briten 1809 in einem eiskalten Winter ins galizische La Coruña zurückzieht, während die Franzosen ihnen unablässig auf den Fersen sind, und wie sehr die spanischen Einwohner unter der brutalen Besatzung der napoleonischen Truppen leiden. Die Spanier kämpfen etwas, das später als Guerrilla (span. „der kleine Krieg“; dt. Schreibweise „Guerilla“) eingeht: Es geht um den spanischen Unabhängigkeitskrieg (oder auch Befreiungskrieg) Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die französische Fremdherrschaft. All dieses Wissen vermittelt Cornwell auf unterhaltsame Weise, wie man es bereits aus den Vorgängerbänden kennt. Man bekommt einen intensiven Kurs in Sachen europäische Geschichte, ohne dass man sich dabei langweilt. Und das so anschaulich, dass man das eine oder andere Mal regelrecht glaubt, spüren zu können, wie sehr die Kälte und der Hunger an den Menschen „nagen“.
Noch eine Anmerkung am Rande: Im Original trägt der Roman den Titel „Sharpe’s Rifles“ – nach dem Tod seiner Vorgesetzten führt Lieutenant Sharpe zum ersten Mal die 95. Rifles an -, die deutsche Übersetzung heißt stattdessen „Sharpes Aufstieg“. Letzteres halte ich für einen wirklich guten Gedanken, da der Roman anschaulich beschreibt, wie der Protagonist tatsächlich zu einem Offizier wird – nicht nur auf dem Papier und aufgrund der Streifen auf seiner Uniform. Sondern wie er in der Praxis durch die Ratschläge von anderen Offizieren und ihrem Vorbild lernt, ein wahrer Anführer zu werden.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg

Hinterlasse einen Kommentar ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s