Veröffentlicht in Belletristik

Melissa Landers: Alienated

landers-alienatedVor zwei Jahren haben die Außerirdischen Kontakt mit der Erde aufgenommen. Trotz weltweiter Proteste initiieren Amerikaner, Franzosen und Chinesen mit den L’eihr ein Schüleraustauschprogramm. Und so wird die amerikanische Auserwählte Cara Sweeney ihr Elternhaus für einige Monate mit dem L’eihr-Jungen Aelyx teilen. Vorzeigeschülerin Cara wird im Gegenzug der Zugang zu einer Hochschule ihrer Wahl versprochen – ganz abgesehen davon, dass sie aus erster Hand Informationen über die neuen außerirdischen Verbündeten erhält.
Aber Cara ist nicht auf das vorbereitet, was sie in den nächsten Monaten erwartet: Obwohl Menschen und L’eihr eine fast identische DNA haben, unterscheiden sich diese beiden Völker völlig voneinander. Aelyx ist kalt und abweisend und zu ihrem Leidwesen deutlich intelligenter als sie selbst. Worüber sie auch sein unglaublich gut aussehendes Äußeres nicht hinwegtröstet.
Doch dann schließen sich in ihrer Schule und in den gesamten Staaten immer mehr Menschen der Anti-L’eihr-Bewegung HALO (Humans against L’eihr Occupation) an und die Sweeneys und ihr Austauschschüler sind nicht länger sicher. Caras Exfreund stellt sich gegen sie und auch ihre beste Freundin wendet sich von ihr ab; Drohbotschaften liegen in ihrem Schulschließfach; die Familie braucht Personenschutz.
Schließlich hat sie neben ihrer Familie nur noch einen Verbündeten: Aelyx. Denn: Im gleichen Maße, in dem er in der warmherzigen Familie „aufgetaut“ ist, hat sich auch Cara in den Jungen mit den silbernen Augen verliebt.
Was sie jedoch nicht ahnt: Auch Aelyx und die beiden anderen außerirdischen Austauschschüler verbergen ein gefährliches Geheimnis vor Cara und der Menschheit …

„Alienated“ ist Band 1 einer Jugendbuch-Trilogie, die endlich einmal nicht die obligatorische Beziehung zwischen einem Menschen (einer Menschin :-)) und einem übernatürlichen Wesen (Fee, Hexe, Drache, Vampir, Zombie … you name it, they’ve got it) schildert. Das Buch ist gut zu lesen, bietet durchaus mehr als die obligatorischen zwischenmenschlichen Probleme und Missverständnisse, sondern wirft einen Blick über die irdischen Konflikte hinaus in eine ganz andere Lebenskultur. Und gerade dieser Blick über den Tellerrand gefiel mir persönlich an diesem Buch am besten.
Die Liebesgeschichte zwischen dem L’eihr Aelyx und der menschlichen Einserschülerin Cara ist … nett. Sorry, mehr kann ich mir dazu nicht abringen. Aelyx kommt aus einer Welt ohne Emotionen und „zwischenmenschliche“ Bindungen. Durch ein jahrhundertelanges Zuchtprogramm hat man die Gesellschaft auf seinem Planeten optimiert. Die L’eihr sind hyperintelligent, und für das optimale Funktionieren der Gesellschaft werden die Kinder nicht auf „normalem“ Wege gezeugt und geboren; und damit es nicht zu emotionalen Bindungen kommt, die das Gleichgewicht durcheinanderbringen könnten, wachsen die Kinder in Gemeinschaften auf, in denen jeder seinen Platz kennt und wo kein Raum ist für Individualität. Und aus diesem Umfeld kommt Aelyx nun in eine warmherzige Menschenfamilie, in der man einander berührt und umarmt, wo alles bunt ist und reich an Düften und Gerüchten und Geschmäckern. Gerade seine Blick auf unsere Welt sorgt im Rahmen des Romans für so manche humorvolle Szene. Während er zunächst noch auf diese „zurückgebliebenen“ Menschen herabschaut, lernt er aber die Wärme und die Mühe, die sich die Sweeneys geben, damit er sich bei ihnen wohlfühlt, immer mehr zu schätzen. Vor allem den Einsatz der rothaarigen Cara, die in seine graue bzw. beigefarbene Welt hineinkommt und ihm immer wieder die Stirn bietet und seine Klugheit herausfordert.
Cara ist es einfach nicht gewohnt, dass da jemand ist, der ihre Intelligenz in den Schatten stellt. Sie ist Jahrgangsbeste, und für sie stellt der Schüleraustausch eine Möglichkeit dar, sich noch weiter zu profilieren. Ja, Cara ist zumindest eingangs eine alles andere als sympathische Romanfigur. Wenn man ehrlich ist, blickt sie ebenso auf ihre „dümmeren“ Mitmenschen herab, wie der hochentwickelte Aelyx auf die „dummen“ Menschen herabblickt. Als die beiden es im Laufe der Monate mit immer mehr Gegenwind zu tun bekommen, sind sie schließlich füreinander im Grunde die einzigen Ansprechpartner, die ihnen noch bleiben, und die beiden verlieben sich ineinander. Dies wird von Autorin Melissa Landers auch recht glaubwürdig geschildert. Allerdings fiel es mir persönlich schwer, die Emotionen der handelnden Figuren wirklich nachzuempfinden. Cara und Aelyx sind für mich ein hübsches Liebespaar, aber keines, dessen Geschichte ich weiter folgen müsste …
Die Liebesgeschichte vollzieht sich vor dem Hintergrund irdischer Spannungen und eines hasserfüllten Aufstands gegen die drei außerirdischen Besucher. Dass es zu einem solchen Aufstand kommen kann (der auch eskaliert), kann ich mir durchaus sehr gut vorstellen; man muss nur einen Blick in unsere Gesellschaft werfen. Durch die Spannungen kommt jedoch noch eine weitere Wahrheit ans Licht: Die irdischen Regierungen erhoffen sich durch die Beziehungen zu den L’eihr zwar offiziell technologischen Fortschrift. Was aber niemand weiß: Sie haben bereits mit außerirdischen Stoffen experimentiert und auf diese Weise das irdische Wasser verseucht; in etwa zehn Jahren werden die Menschen nicht mehr auf dem Planeten leben können! Die L’eihr sind jedoch in der Lage, die Verseuchung wieder rückgängig zu machen. Doch auch ihre Hilfe hat einen Preis: Das jahrhundertelange Zuchtprogramm ging auf Kosten der L’eihr’schen Emotionen – und gerade die Emotionen und hier vor allem die Neugier bilden den Motor des Fortschritts.

Mein Fazit: Eine nette Geschichte. Mehr imho nicht.

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2 Kommentare zu „Melissa Landers: Alienated

  1. warum müssen in fantasybücher eigennamen immer entweder ein apostroph, buchstabendopplungen oder leicht schräge schreibweisen von alltagsnamen mit zB „y“ statt „i“ haben? oder dem muster „schwert des …“ „sohn des … “ „rat der …“ folgen?
    etymologisch sind diese dinge unwahrscheinlich, weil sie im alltag unpraktisch sind. sowas würde – gerade bei alten kulturen – über die jahrtausende verschwinden. die außergewöhnlichkeit eines protagonisten sollte durch sein verhalten so eindeutig sein, dass man keinen umständlich geschriebenen namen mehr braucht, um das klar zu machen.

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