Veröffentlicht in Belletristik

John Matthews: Duell der Mörder

matthews-duell-moerderNew York, 1891: In der High Society der Stadt gibt es auffällig viele Todesfälle. Immer trifft es die jungen Töchter der wohlhabendsten Familien. Schon bald glaubt niemand mehr an eine natürliche Todesursache, und der aristokratische englische Kriminalanalytiker Finley Jameson übernimmt zusammen mit dem toughen Cop Joseph Argenti die Ermittlungen. Bei der Autopsie einer der Toten kommt Jameson dem auf die Spur, woran die jungen Mädchen gestorben sind: an einer vorsätzlich verursachten Embolie. Aber wo liegt das Motiv für die seltsamen Morde?
Kurz darauf erhalten Jameson und Argenti Briefe, die anscheinend vom Mörder stammen – und sie werden auf unheimliche Weise an ihren letzten Fall erinnert, bei dem der Mörder in einem nächtlichen Showdown ums Leben kam: die Ripper-Morde. Hat der Killer doch überlebt und erneut begonnen zu morden? Die Debütantinnenmorde tragen jedoch nicht seine Handschrift. Und Jameson und Argenti fragen sich, ob sie es vielleicht mit einem Nachahmer zu tun haben, der die letzte Mordserie noch übertrumpfen möchte …

„Duell der Mörder“ ist Band 2 einer kleinen Reihe von historischen Kriminalromanen des Schriftstellers John Matthews (Band 1: Stadt in Angst). Es handelt sich hierbei um einen eher ruhigen, getragenen Krimi, der aus der Perspektive der unterschiedlichen Hauptcharaktere geschildert wird. Es gibt durchaus die eine oder andere Verfolgungsjagd, aber im Zentrum stehen dennoch die etwas düstere Atmosphäre der damaligen Zeit sowie die einzelnen Figuren und ihr Handeln bzw. ihre Motivation.
Joseph Argenti ist mittlerweile Chefermittler. Er versucht, seinen Aufgaben gratlinig und unbestechlich nachzugehen, muss aber feststellen, dass ihm dies zunehmend weniger erfolgreich gelingt. Das mächtigste irische Verbrechersyndikat unter Michael Tierney trachtet ihm schon seit den Ripper-Morden nach dem Leben, als ihn seine Recherchen bis zu ihrer „Haustür“ geführt haben – und einer ihrer Mitglieder nun seinetwegen im Gefängnis sitzt. In „Duell der Mörder“ gerät er nun in die Fänge der irischen Mafia. Seine Frau ist Mitbesitzerin eines kleinen italienischen Geschäftes, und als dieses angeblich von einem irischen Schutzgelderpresser heimgesucht wird, kommt ihr ein geheimnisvoller italienischer Geschäftsmann zu Hilfe, der Argenti im Gegenzug darum bittet, einen Freund beim Zoll besonders auf Tierneys „Importe“ aufmerksam zu machen. Mit schrecklichen Konsequenzen. Durch diesen Handlungsstrang bekommt der Roman zum einen eine interessante historische Tiefe und Genauigkeit; der Leser erhält einen sehr anschaulichen Blick in die damaligen „politischen“ Gegebenheiten. Andererseits bremst dieser Handlungsstrang aber die eigentliche Krimihandlung aus, in der es ja um einen Serienmörder geht, der weder etwas mit dem irischen Syndikat noch mit der italienischen Mafia zu tun hat. An dieser Stelle hätte ich mir das eine oder andere Mal etwas mehr Tempo gewünscht! Daher fiel mir dieser Punkt eher negativ ins Auge. Ich würde sogar sagen, dass der Roman, wenn man diesen Aspekt weggelassen hätte, ein Krimi mit ausgesprochen wenig Substanz wäre …
Positiv ist anzumerken, dass wir durch diesen Roman, der aus historischen Gründen völlig frei ist von ausgefeilten kriminaltechnischen Elementen, einen anschaulichen Blick auf die Anfänge des Profilings bekommen. Aufgrund der Gegebenheiten können die beiden Helden Argenti und Jameson wirklich nur auf ihre Beobachtungsgabe und ihre Schlussfolgerungen zurückgreifen. Das macht den Roman zumindest in dieser Hinsichtlich sehr interessant. Verstärkt wird dies dadurch, dass der Leser einige Abschnitte aus dem Blickwinkel des Mörders verfolgt und Einblick in seine Beweggründe, seine Vorgehensweise, seine Mordmethode bekommt. Allerdings ist der Titel des Buches ein wenig übertrieben. Angesichts von „Duell der Mörder“ würde man erwarten, dass genau dies im Zentrum der Geschichte steht: die Auseinandersetzung zweier Serienmörder. Aber der Ripper kommt erst spät ins Spiel, kommt seinem Gegner aufgrund seiner „Erfahrung“ jedoch wesentlich schneller auf die Spur – und mehr werde ich jetzt nicht erzählen. 🙂 Im Zentrum der Geschichte steht dies, wie gesagt, jedoch nicht; aus dieser Grundidee hätte man definitiv mehr machen können! Allerdings ist auch der englische Originaltitel „Diary of a Murder“ nicht wirklich passend …

Mein Fazit: Der Roman ist m. E. als historischer Krimi deutlich schwächer als sein Vorgänger. Wer jedoch großen Wert auf eine langsame, detaillierte Erzählweise legt und auf eine historische „Dichte“ und Genauigkeit, der wird sicher seine Freude an dem Roman habenl.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s