Veröffentlicht in Belletristik

Maggie Brendan: The Trouble with Patience

brendan-trouble-patienceNevada City, Montana-Territorium, im Frühling 1866: Patience Cavanaugh hat die Hoffnung aufgegeben, jemals die große Liebe zu finden. Ein zweites Mal zu finden, denn der Mann, den sie eigentlich heiraten wollte, wurde wegen Viehdiebstahl aufgehängt. Und mit ihm sind auch ihre Träume gestorben. Ihre verwittwete Mutter, um die sie sich seit Jahren aufopferungsvoll kümmert, ist ihr da auch keine große Hilfe. Stattdessen macht sie ihrer Tochter immer wieder Vorhaltungen und hindert sie daran, ein eigenes Leben zu führen.
Da kommt ihr eine kleine heruntergekommene Pension – das „Creedside Inn“ – in Nevada City gerade recht, die sie von ihrer Großmutter erbt. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab und beschließt, in Montana ein neues Leben zu beginnen und die Pension wiederaufzubauen.
Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie dort jedoch den örtlichen Marshal Jedediah Jones kennen, der sich in der Vergangenenheit einen Namen dadurch gemacht hat, dass er mit Kriminellen kurzen Prozess gemacht und sie aufgehängt hat. Beide fühlen sich gleich zueinander hingezogen, zögern aber beide aufgrund ihrer Vergangenheit, ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Dennoch kommen die beiden zu einer Übereinkunft: Er hilft ihr dabei, die Pension zu renovieren, sie versorgt ihn, seine Männer und die Gefangenen mit Essen und erhält auf diese Weise eine zusätzliche Einnahmequelle.
Aber als Patience mehr über den Marshall erfährt, kommt sie einer Wahrheit auf die Spur, die eine mögliche Liebesbeziehung zu zerstören droht …

„The Trouble with Patience“ ist der erste Roman der Amerikanerin Maggie Brendan, den ich gelesen habe. Da die Autorin in den vergangenen Jahren einige Auszeichnungen erhalten hat, waren meine Erwartungen groß. Und da das Cover auch recht gelungen ist und zumindest eine humorvolle Liebesgeschichte in einem historischen Setting verspricht – wofür ich eine Schwäche habe -, wollte ich dieses Buch wirklich mögen. 🙂
Die Autorin hat, das merkt man beim Lesen schnell, umfangreiche historische Forschungen angestellt und schildert recht glaubwürdig das Leben von Menschen etwa Mitte des 19. Jahrhunderts – weniger vor dem Hintergrund des gerade zu Ende gegangenen Bürgerkrieges (was ich etwas erstaunlich fand – in negativer Hinsicht), als vielmehr vor dem Hintergrund von Goldrausch und der Besiedlung des amerikanischen Westens. Das ist ihr wirklich recht gut gelungen.
Wenn auch alles eine Spur zu perfekt ist. Vor allem die Charaktere, hier voran die Frauen: Patience‘ Pension ist etwas heruntergekommen, aber natürlich findet sie auch als völliger Neuling immer Mittel und Wege, um zu Geld und männliche Hilfe zu bekommen. Natürlich ist sie mit ihren 25 Jahren in der damaligen Zeit beinahe eine alte Jungfer, aber schon kurz nach ihrer Ankunft in Nevada City hat sie (mindestens) zwei Bewunderer. Natürlich kennt sie dort keine Menschenseele, aber innerhalb kürzester Zeit schart sie eine kleine Gruppe von Freunden um sich. Und natürlich wird Patience für ihre christliche Geduld im Umgang mit ihren Mitmenschen und dem Leben im Allgemeinen am Ende mit der großen Liebe belohnt. Wer hätte auch etwas anderes erwartet. Dass sie darüber hinaus eine ausgesprochen nervtötende Zeitgenossin sein muss, da sie Jedidiah immer wieder vorzuschreiben meint, wie er seine Arbeit zu machen hat, obwohl sie ihr trautes Heim in Indiana oder Iowa oder wo auch immer noch nie verlassen hat … Hätte ich eine spitze Feder, würde ich Maggie Brendan vorwerfen, uns hier eine TSTL-Protagonistin vorzusetzen – aber ich bin ja nicht gemein. 🙂
Ihre Mutter wird während der ersten Kapitel als echter Drache geschildert. Sie hält ihre Tochter klein und macht dieser Schuldgefühle, damit sie selbst immer jemanden hat, der sich nach dem Tod ihres Mannes um sie kümmert. Kaum taucht sie in Nevada City auf, ist ein, zwei Tage lang etwas … schwierig, scheint die Autorin plötzlich auf einen Knopf zu drücken, und Mrs Cavanaugh ist schlagartig eine Vorzeigemutter, die ihre Tochter in allem unterstützt. Und das, ohne dass etwas Einschneidendes geschehen wäre!? Es muss wohl die Luft in Montana sein …
Die männlichen Figuren sind etwas komplexer, aber auch nicht wirklich facettenreich. Jedediah hat eine recht blutrünstige Vergangenheit; früher hat er Verbrecher ohne viel Federlesens aufgeknüpft, heute fühlt er sich deshalb schuldig. Dass genau dieser Punkt und ein Detail im Besonderen – und das war schon aufgrund des Werbetextes klar – auch für Spannungen in der potenziellen Liebesbeziehung sorgt, war überhaupt keine Überraschung [das Folgende markieren, um den Spoiler zu lesen]: Und natürlich ist Jedediah auch derjenige, der Patience‘ Fast-Verlobten damals aufgehängt hat, der sich natürlich wirklich als Verbrecher entpuppt und den Patience – das darf sie nun erkennen, damit sie perfekt bleibt – auch nicht wirklich geliebt hat. Cole, ein Pensionsgast, Cowboy und potenzieller Love Interest von Patience, hat zwar ebenfalls eine Vergangenheit, darf aber dank Patience‘ positivem Einfluss zu der Erkenntnis gelangen, dass man sich durch Hass und Rachegefühle das Leben nur unnötig schwer macht – und wird u. U. in einem nächsten Band mit einer Ehefrau belohnt. Könnte ich mir zumindest vorstellen, da ein dritter Mann, der aus Zuneigung zu einer anderen weiblichen Figur dem Alkohol abschwört, von der Autorin ebenfalls mit einer Ehefrau belohnt wird. 😉

Da das Buch in einem christlichen Verlag erschienen ist (Revell), handelt es sich hier übrigens um einen historischen Liebesroman mit spirituellem Input. Die Protagonistin ist gläubig, betet im Laufe des Romans immer wieder einmal und verfasst darüber hinaus ein Andachtsbuch. Für eine nicht gläubige Leserin ist der fromme Anteil im Roman sicher nicht zu viel, für eine gläubige u. U. etwas zu dezent. Gerade weil die Protagonistin am Ende des Romans sogar ein Andachtsbuch veröffentlicht, wäre es interessant gewesen, diese Elemente stärker in die Handlung einzubinden, bspw. durch Beispielandachten. Das hätte den Roman aus der Masse an spirituellen Liebensromanen hervorgehoben.

Mein Fazit: Ich habe mich beim Lesen des Romans nicht wirklich tödlich gelangweilt, aber der Roman ist wirklich nicht mehr als nett und hätte auch auf deutlich weniger als 320 Seiten erzählt werden können. Die Story ist unglaublich leicht zu durchschauen und forderte mich als Leserin überhaupt nicht. Und wirklich humorvoll ist der Roman auch nicht.

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