Veröffentlicht in Belletristik

Jen Turano: A Match of Wits.

turano-match-of-witsColorado, September 1883: Zwei Jahre sind seit seiner Abreise aus New York vergangen. Zayne Beckett ist damals nach Kalifornien gereist, um seine langjährige Verlobte zu ehelichen. Doch als er dort ankommt, zeigt sich seine Verlobte von seiner Ankunft alles andere als begeistert – und die Beziehung zerbricht schließlich, als Zayne nach einem Reitunfall einen bleibenden Schaden davonträgt. Jetzt lebt er als Besitzer einer kleinen Mine in Colorado und hat den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen.
Umso überraschter ist er, als plötzlich Agatha Watson vor ihm steht. Die Reporterin gehörte schon in New York zu der kleinen Gruppe seiner Freunde, die alle hofften, dass er sie ehelichen würde. Jetzt reist die dickköpfige junge Frau mit einer Begleiterin und einem Bodyguard durchs Land, immer auf der Suche nach neuen, spannenden Artikeln für die
New York Tribune. Und sie ist fest entschlossen, Zayne wieder zu seiner Familie zurückzubringen. Doch schon bei ihrem Aufenthalt in Colorado kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einigen Verbrechern – und selbst zurück an der Ostküste ist sie nicht in Sicherheit. Und zu ihrem Leidwesen auf die Hilfe von Zayne gewiesen …

Zayne und Agatha sind das letzte Pärchen des kleinen Freundeskreises, das sich noch nicht „gefunden“ hat (die übrigen Geschichten könnt ihr in „Die falsche Gouvernante“, „Zwei wie Hund und Katz“ und „Eine Dame außer Rand und Band“ nachlesen). Und weil die beiden schon in den Vorgängerbänden witzige Schlagabtausche bieten und auf für den Leser ersichtlich einfach füreinander bestimmt waren, konnte ich es kaum erwarten, den Abschlussband der kleinen Romanserie von Jen Turano zu lesen. Vor allem, da schon aus dem Werbetext hervorging, dass Zayne durch eine (nicht näher benannte) Erfahrung eben nicht mehr der unbeschwerte Sunnyboy ist, wodurch ich mir etwas mehr Tiefgang von der Geschichte erhofft hatte, wodurch sie sich noch einmal in positiver Hinsicht von den übrigen Büchern absetzen würde.
Falsch gedacht.
Ja, Zayne hat einen Reitunfall erlitten und der daraus resultierende Beinbruch ist leider nicht ordentlich verheilt, wodurch er nun humpelt. Ganz zu schweigen davon, dass ihn diese körperliche Beeinträchtigung die Beziehung zu seiner Verlobten gekostet hat. Die übrigens gar nicht so traurig darüber gewesen ist, dass er sich jahrelang nicht bei ihr hat blicken lassen – denn sie hatte sich in der Zwischenzeit anderweitig „orientiert“. Und aus beiden Gründen schämt sich Zayne nun, nach Hause zurückzukehren. Stattdessen ist er dem Ruf des Goldes gefolgt, hockt in einem Kaff in Colorado, hat gerade einem unglücklichen Minenbesitzer seinen Claim abgekauft und buddelt nun selbst in der Erde, wenn er nicht dem Alkohol frönt. Als in der Person von Agatha plötzlich seine „Familie“ vor der Tür steht, ist das natürlich ein Schock.
Doch sofort greift Turano auf die für sie so typischen witzigen, haarsträubenden Dialoge zurück. Und jedes Bisschen Potenzial für eine tiefgehendere Charakterisierung oder Charakterentwicklung der beiden Protagonisten verabschiedet sich aus dem Buch.
Man sollte eigentlich meinen, dass Agatha aufgrund ihrer Arbeit etwas erwachsener geworden wäre – sie recherchiert nämlich primär über (soziale) Ungerechtigkeit oder kriminelles Handeln. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sie benimmt sich wie ein dickköpfiges, naives Kind (oder wie ein Elefant im Porzellanladen) und bringt dadurch auch ihre Begleiter unnötig in Gefahr. Mit einem Wort: Sie ist unglaublich nervtötend. Vor allem, als sie sich ein Hausschwein namens Matilda zulegt, das natürlich auch für Unruhe sorgt. Ich habe kein Problem mit witzigen Dialogen zwischen den Geschlechtern oder humorvollen Episoden, aber nachdem selbst nach der Hälfte (!) des Buches außer diesen teils skurrilen Verwicklungen noch nicht wirklich etwas passiert war, habe ich die Segel gestrichen. Das Pärchen hatte zwar mittlerweile New York erreicht, aber im Grunde war nichts Tiefgehendes geschehen, das die alberne und mehr als nur vorhersehbare Handlung auch nur in irgendeiner Hinsicht vorangetrieben hätte.

Mein Fazit: Ihr solltet euer Geld in bessere historische Romane investieren! Und da ich Jen Turano und die oben genannten anderen drei Romane sehr mag, tut es mir leid, das sagen zu müssen.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Jen Turano: A Match of Wits.

Hinterlasse einen Kommentar ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s